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Vom Todespass zum wichtigen Ausgleichstreffer: Der verrückte Abend von Clarence Kparghai

Oltens Playoff-Verstärkung Clarence Kparghai erlebte beim 4:3-Sieg seines neuen Teams in Visp die ganze Bandbreite der Emotionen.

Marcel Kuchta
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Clarence Kparghai (r.) im Zweikampf mit dem Visper Sandro Brügger.

Clarence Kparghai (r.) im Zweikampf mit dem Visper Sandro Brügger.

Pascal Muller/freshfocus

Clarence Kparghai verkörperte den aufregenden EHCO-Abend in Visp perfekt. Da war die ganze Bandbreite der Emotionen abgedeckt. Zuerst servierte der Verteidiger, der erst kurz vor den Playoffs zu den Oltnern gestossen war, dem Visper Sandro Brügger mit einem fürchterlichen Fehlpass in der eigenen Zone den Puck so auf dem Stock, dass dieser den 1:1-Ausgleich erzielte.

Und somit das Momentum auf die Seite der Oberwalliser kippte. Doch dann stand der 33-Jährige zu einem Zeitpunkt goldrichtig, als dem EHC Olten nach einem späten Gegentreffer die Niederlage drohte. 106 Sekunden nach Jules Sturnys Führungstreffer für den EHC Visp (55.) versenkte Kparghai einen Abpraller im gegnerischen Tor. Es war der Ausgleich zum 3:3 und somit die Basis dafür, dass dem EHCO dank Cason Hohmanns Lucky Punch in der Verlängerung der so wichtige Auswärtssieg in der Litternahalle gelang.

«Es ist sicher nicht alles so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber in den Playoffs gibt es nie einfache Spiele. Am Schluss hatten wir das Glück auf unserer Seite und konnten den Sieg erzwingen», fasste der Mann mit den liberianischen Wurzeln den emotionalen Abend mit dem Happy-end aus Sicht der Oltner zusammen. Kparghai ging trotz seines üblen Schnitzers am Ende mit einer Plus-2-Bilanz vom Eis und war auch hautnaher Augenzeuge von Hohmanns Siegtreffer in der Overtime.

Keine einfache Umstellung

Dass bei Clarence Kparghai noch nicht immer alles geschmeidig aussieht und er eben auch nicht vor Fehlern gefeit ist, ist nachvollziehbar. Er war bei den Ticino Rockets mit seinen 33 Jahren der mit Abstand älteste Spieler und gehörte zu den Leadern.

Danach wurde er, weil der HC Lugano, wo er unter Vertrag stand, nicht mehr auf ihn setzte, auf die Tribüne verbannt und somit zum Zuschauen verurteilt. Entsprechend hatte er in seinen ersten beiden EHCO-Ernstkämpfen bisweilen noch Mühe, den Rhythmus zu finden.

Zumal er in Olten seinen Platz in einem Spitzenteam finden und in der Hierarchie logischerweise hinten anstehen muss: «Die Umstellung war für mich nicht ganz einfach. Ich habe eineinhalb Monate nicht mehr gespielt. Es braucht einen Moment, bis die Automatismen wieder funktionieren», sagte Kparghai.

Der EHC Olten schlägt Visp 4:3 nach Verlängerung.
17 Bilder
Der Jubel nach dem entscheidenden Treffer.
Bildergalerie EHC Visp - EHC Olten (24.2.19)
Die zweite Playoffpartie zwischen Visp und Olten geht in die Verlängerung.
Dem EHC Olten gelingt der Ausgleichstreffer kurz vor Schluss.
Im zweiten Drittel wird das Spiel auf den Kopf gestellt.
Visp kehrt im zweiten Drittel das Spiel: Hier trifft Tomas Dolana trifft zum 2:1.
Keine zwei Minuten später gleicht Olten aber wieder aus.
Stanislav Horansky trifft für die Oltner.
Patric Hofstetter (l.) im Laufduell mit EHCO-Spieler Devin Muller.
Der EHC Olten führt nach dem ersten Drittel gegen Visp mit 1:0.
Marco Truttmann schiesst die Oltner in der 18. Minute in Führung.
Das Tor zum 1:0 im Bild.
Vereitelte schon einige Visper Angriffe: Oltens Clarence Kparghai, hier gegen Sandro Brügger.
Die beiden Topscorer im Kampf um die Scheibe.
Es geht ruppig zu und her in der Visper Arena.
Der EHC Olten trifft heute auswärts auf Visp.

Der EHC Olten schlägt Visp 4:3 nach Verlängerung.

freshfocus

Gleichzeitig lobte er aber seine neuen Teamkollegen, die ihm die Integration leicht gemacht haben: «Wir haben hier in Olten eine Mannschaft, die funktioniert und harmoniert. Leute mit der richtigen Einstellung. Die wissen, was es braucht, um zu gewinnen. Auch wenn es mal nicht so rund läuft.»

So, wie bei seinem Fauxpas, den er aber im Stile eines Routiniers wegsteckte. «Natürlich war das ein Fehler. Da muss man kritisch mit sich selber sein. Gleichzeitig sind wir alles Profis, die mit solchen Situationen zurechtkommen müssen. Wichtig ist, wie man auf so etwas reagiert. Umso schöner ist es, dass ich mit meinem Tor etwas zur Wiedergutmachung beitragen konnte», erzählt er lächelnd nach dem Happy-end in der Visper Litternahalle.

Doch nicht nur er weiss: Diese Playoff-Serie ist noch lange nicht zu Ende. Die nächste emotionale Achterbahnfahrt kommt bestimmt.