Swiss-League-Playoffs
Vom Krankenbett auf das Eis - und auf die Strafbank: Wie Martin Ulmer sein überraschendes Comeback erlebte

EHCO-Stürmer Martin Ulmer gab gestern im vierten Finalspiel gegen die Rapperswil-Jona Lakers nach langer Virus-Erkrankung überraschend sein Comeback. Zufrieden will er nach dem Spiel aber nicht sein: «Wir waren besser. Diese Niederlage ist bitter.»

Silvan Hartmann
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Martin Ulmer dürfte eine langwierige Krankheit endlich überstanden haben. Lindt/Freshfocus

Martin Ulmer dürfte eine langwierige Krankheit endlich überstanden haben. Lindt/Freshfocus

Urs Lindt/freshfocus

Niedergeschlagen erscheint Martin Ulmer nach der 0:3-Niederlage zum Interview. Er weiss selber bestens: Dieses Spiel hätte der EHC Olten gegen das schwächste Rapperswil-Jona Lakers dieser Finalserie, das defensiv äusserst fehleranfällig war und viel Raum preisgab, schlagen müssen.

Ulmer nervt insbesondere auch, dass er quasi am Ursprung der Niederlage beteiligt war: Nach einem Rencontre an der Bande will er noch einmal einen Check fertigmachen.

Das gelingt ihm auch, aber sein Stock erwischt den Gegenspieler im Gesicht. Zwei Minuten wegen übertriebener Härte sprechen die Schiedsrichter zurecht aus.

Rapperswil-Jona zeigt sich in Überzahl kaltblütig und geht durch Martin Ness’ Abstauber entgegen des Spielverlaufs in Führung.

Die Niederlage nimmt ihren Lauf. «Es ist bitter. Wir waren das eindeutig bessere Team. Aber wer die Tore nicht schiesst, bekommt sie – eine alte Weisheit», sagt Ulmer nach dem Spiel enttäuscht und verwirft die Arme.

Martin Ulmer Martin Ulmer (vorne) und Anthony Rouiller Qualifikation 16/17 EHC Olten

Martin Ulmer Martin Ulmer (vorne) und Anthony Rouiller Qualifikation 16/17 EHC Olten

Hansruedi Aeschbacher

Nationalteam nur mit 100 Prozent

Dass Martin Ulmer gestern überhaupt auf dem Matchblatt figurierte, überraschte nicht nur Team und Staff, sondern auch ihn persönlich.

Denn die Nachricht, welche die Teamärzte Ulmer und dem EHC Olten wenige Tage vor dem Finalauftakt überbringen, ist keine erfreuliche: Der EHCO-Topskorer der Qualifikation müsse dringend pausieren und falle für die komplette Finalserie gegen Rapperswil-Jona aus.

Der 29-Jährige war im Dezember an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt – ein Virus, dessen Symptome Fieber, schmerzhafte Anschwellung der Lymphknoten sowie allgemein chronische Müdigkeit sind. Oft ist die Krankheit nach einigen Tagen überstanden, die Müdigkeit kann sich aber über Wochen, ja Monate, hinziehen.

EHCO-Stürmer Martin Ulmer.

EHCO-Stürmer Martin Ulmer.

Marc Schumacher/freshfocus

So erging es auch Martin Ulmer: Im Playoff-Halbfinal erlitt er einen gesundheitlichen Rückschlag. Unter anderem litt Oltens Nummer 96 an starker Angina, eine bekannte Nachfolgeerkrankung des Virus.

«Die Ärzte sagten mir, dass ich rund 10 bis 14 Tage ausfallen würde. Ich bin glücklich, dass es eher 10 statt 14 Tage wurden», sagt er. Und so absolvierte Ulmer am Dienstag auf dem Eis nur ein einziges Training für das Finalspiel Nummer vier.

«Die Ärzte gaben grünes Licht und der Trainer fragte mich am Morgen, ob ich fit bin. Ich fühlte mich super und wollte unbedingt spielen», sagte Ulmer, der im Dezember, als der Virus zuschlug, seinen Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre verlängert hatte.

Danach ging nicht mehr viel. Viele kritisierten ihn, dass er sich, mit dem neuen Kontrakt im Gepäck, zurücklehnen würde. Stattdessen schlug er sich mit den Folgen des Virus herum. «Es war keine einfache Zeit», so der Oltner Punktesammler rückblickend.

Nun will er nach vorne schauen. Schliesslich könnte nebst dem EHC Olten noch ein aufregender Frühling in der Nationalmannschaft auf den Österreicher warten.

Denn der EHCO-Stürmer hat intakte Chancen für eine WM-Teilnahme, bei welcher Duelle gegen die Schweiz, Russland oder Schweden warten.

«Ich will nichts forcieren. Es stehen hier bei Olten, aber auch bei der Nationalmannschaft noch Gespräche an. Es kommt nur infrage, wenn ich 100 Prozent fit bin», sagt er.

Und versucht den Puck tief zu halten: «Wir müssen am Freitag endlich dieses Tor treffen.»