Es war ein mutiger und unkonventioneller Schritt, den die Gebrüder Belloni noch vor Erreichen der Volljährigkeit wagten. Seither sind die Solothurner im Elternhaus in Grenchen nur noch selten anzutreffen. Ihre Zelte haben die Skirennfahrer, die dem nationalen Leistungszentrum West angehören, in Brig im Kanton Wallis aufgeschlagen.

Der 16-jährige Mario absolviert dort eine Maurer-Lehre, sein zwei Jahre älterer Bruder Fabio befindet sich in der Ausbildung zum Kaufmann.

Früh übt sich

Mit zweieinhalb Jahren standen die Belloni-Brüder am nahe gelegenen Grenchenberg erstmals auf Skiern. Mit sieben Jahren waren sie bereits Mitglied im Skiclub Selzach. Die Familie besass schon zu dieser Zeit ein Chalet in Grächen, in welchem man sehr häufig logierte.

Der Skiclub Grächen, dem die beiden seit nunmehr acht Jahren angehören, hatte dann die Idee, die beiden Grenchner ins Wallis zu holen. «Wir haben gesehen, dass wir nicht die Schlechtesten sind und eine Menge Freude am Skifahren besitzen, deshalb setzten wir auf diese Karte», sagen sie rückblickend.

Nachwuchsskifahrer Fabio und Mario Belloni im Kurz-Interview

Fabio und Mario Belloni im Kurz-Interview

Auf die Faszination vom Skifahren angesprochen, werden die Ruhe und die wunderschönen Bilder auf dem Gletscher am frühen Morgen erwähnt. Zudem schätzen es die beiden, unter den Stars und Topcracks zu sein und von ihnen sogar noch Tipps entgegen nehmen zu dürfen.

Halbe Walliser geworden

Die Unterländer haben nun die richtig hohen Berge gleich vor der Nase und sind schon zu halben Wallisern geworden. Jedoch mit einer Ausnahme: Den Walliser Dialekt haben sie noch nicht angenommen. Sagen die beiden zumindest – die Walliser Prägung ist aber nicht überhörbar. (Hören Sie selbst im Videointerview.) Mario und Fabio sind sich nicht nur vom Dialekt her extrem ähnlich, sondern auch in punkto der Stärken und Schwächen. «Wir können ganz und gar nicht gut verlieren, sind dafür immer motiviert, aufgestellt und fröhlich», beschreiben sie sich.

Deckungsgleich ist auch die Lieblingsdisziplin der beiden. Für den Riesenslalom schlägt ihr Herz am höchsten. Fabio lebt im Wallis in einem Internat. Mario erhielt die Möglichkeit, bei einem seiner Trainer einzuziehen. Doch an diesen Orten sind sie nur rar anzutreffen. Parallel zur beruflichen Vollzeitstelle läuft das tägliche Training.

Aufgrund der Arbeit verpassen die Gebrüder, die sich alljährlich in sämtlichen Disziplinen für die SM qualifizieren und ihre rangmässig grössten Erfolge im GP Migros feierten, das eine oder andere Training unter der Woche. «Kein Problem, wir holen das am Wochenende alleine nach», erklären die nimmermüden Sportler, die ohne finanzielle Unterstützung von Eltern und einigen Sponsoren nicht über die Runden kämen.

C-Kader als nächstes Ziel

Das nächste Ziel der Solothurner Talente, die an den FIS-Rennen auf Punktejagd gehen, ist die Selektion für das C-Kader von Swiss Ski. Aber auch dies ist nur ein Zwischenschritt. Denn auf ihre Träume angesprochen tönt es unisono: «Teilnahme am Weltcup, dann Weltmeister und schliesslich auch noch Olympiasieger.»

Fabios Vorbild ist Daniel Albrecht, jenes von Mario Didier Cuche. Grosse Namen, denen der Aufstieg aufs alpine Matterhorn gelang. Auch wenn der Weg vom Start auf dem Grenchenberg bis dahin steinig und schwer ist, eine grosse Strecke haben die Bellonis bereits zurückgelegt. Und spätestens, wenn sie den Walliser-Dialekt vollständig angenommen haben, gehören sie zu den echten Ski-Cracks.