Volleyball
Schönenwerds Diagonalangreifer Jalen Penrose will der beste Spieler der NLA sein

«Bis jetzt war jedes Spiel eine Schlacht», sagt der 27-jährige US-Amerikaner über seinen Start bei Volley Schönenwerd. Wenn er mal nicht am Trainieren ist, spielt der «funny guy» auf der Konsole Call of Duty oder schaut Spongebob.

Raphael Wermelinger
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Vor seinem Wechsel zu Volley Schönenwerd spielte Diagonalangreifer Jalen Penrose zwei Jahre in der deutschen Bundesliga.

Vor seinem Wechsel zu Volley Schönenwerd spielte Diagonalangreifer Jalen Penrose zwei Jahre in der deutschen Bundesliga.

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Mit 45 Punkten in zwei Spielen ist Schönenwerds neuer Diagonalangreifer Jalen Penrose der Topskorer der NLA. «Mein Ziel ist es, der beste Spieler der Liga zu sein», sagt der 27-jährige US-Amerikaner. «Die Saison ist natürlich noch jung. Ich hoffe, dass ich auch am Ende dort oben stehen werde.» In erster Linie sei er aber für die Mannschaft da, merkt er an: «Ich will meinem Team das geben, was es braucht. Im Moment denke ich, ist es das Skoren. Deshalb will ich so viele Punkte wie möglich machen.»

Volley Schönenwerd ist seine dritte Station in Europa. Aufgewachsen ist Penrose in Cambridge, in der Nähe von Boston im Bundesstaat Massachusetts. Als Jugendlicher spielte er vor allem Basketball. Zum Volleyball kam er wegen seiner Mutter, die Headcoach des College-Teams war. «Ich renne nicht gerne, deshalb entschied ich mich für Volleyball», sagt er lachend. Etwas ernster nennt er einen weiteren Grund: «Ich sah kaum Schwarze, die Volleyball spielten. Deshalb wollte ich junge Menschen inspirieren und ihnen aufzeigen, dass Volleyball Spass macht und man durch diesen Sport andere Länder besuchen und sogar davon leben kann.»

Von Tschechien über Deutschland in die Schweiz

Nachdem er von 2014 bis 2018 die Pennsylvania State University besucht hatte, zog es ihn mit 24 nach Europa. In Karlsbad in Tschechien erlebte er einen Kulturschock: «Ich war der einzige Schwarze in der Gegend – das war seltsam für mich. Da wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr zu Hause bin.» Missen möchte er die Erfahrung aber trotzdem nicht: «Man muss sich halt etwas anpassen und an die Situation gewöhnen.» Aus sportlicher Sicht war es ebenfalls ein lehrreiches Jahr. Jalen Penrose spielte in der Champions League und konnte sich so für Klubs aus der deutschen Bundesliga empfehlen – er wechselte nach Bayern zum WWK Herrsching.

Dort hat er den Ausbruch der Coronapandemie miterlebt. «Es war hart», blickt er zurück, «ich durfte das Land nicht verlassen und konnte meine Freundin in Griechenland nicht besuchen.» 2019/20 war er zudem auf bestem Weg, der Topskorer der Liga zu werden. Doch die Saison wurde abgebrochen. Die ständigen Tests im zweiten Jahr beschreibt er als unangenehm, «aber wenn es dir dadurch erlaubt ist zu spielen, ist es okay». Mittlerweile ist Penrose geimpft.

Das Niveau in der Bundes­liga sei deutlich höher als das in Tschechien. «Jeder Spieler kann gut aufschlagen, jeder Angreifer gut angreifen, und auch die Blocker sind stärker», vergleicht er. Die NLA stuft er als klar schwächer ein als die Bundesliga, aber etwas besser als die tschechische Liga. «Das Level ist ziemlich gut in der Schweiz – bis jetzt war jedes Spiel eine Schlacht. Aber ich kenne natürlich noch nicht alle Gegner.»

Seit rund einem Monat ist Jalen Penrose mittlerweile in der Schweiz. «Es gibt viele Bäume und Berge hier, das gefällt mir», dies sein erster Eindruck. Zeit für Ausflüge hatte er bislang noch kaum. Beeindruckt hat ihn das Trainingslager in Brig: «Das ganze Team ist mit dem Zug gereist – durch die Landschaft und die Tunnels zu fahren, war richtig cool. Ich werde mir von den Mitspielern sicher ein paar Tipps holen, was ich mir in der Schweiz noch anschauen muss, wenn ich mal ein bisschen Freizeit habe.»

Zwei Trainingseinheiten pro Tag, also vier bis sechs Stunden Volleyball, dazwischen erholen und essen – so gestaltet sich sein Tagesablauf. Der Zwei-Meter-Hüne lebt in einer Wohnung in Suhr. Das Apartment sei «nice» und alleine zu wohnen, bereitet ihm keine Mühe: «Das ist nichts Neues für mich. Schon im College und auch in den bisherigen drei Jahren in Europa lebte ich immer alleine.» Er vermisse die Familie und die Heimat – denn «home is home» –, könne sich aber nicht beklagen: «Das Essen ist gut, die Leute sind nett, mein Team ist nett und wenn mir mal langweilig wird, spiele ich Call of Duty auf der Playstation oder schaue Spongebob.»

Er ist der «funny guy» in der Mannschaft

Die Ziele, die sich Jalen Penrose gesteckt hat, sind hoch. Mit den USA will er an die Olympischen Spiele; zudem liebäugelt er mit einem Wechsel nach Italien mit einer der weltweit besten Ligen. Dafür muss er aber bei Schönenwerd eine herausragende Saison abliefern. Der Auftakt mit einer 2:3-Niederlage in Lausanne und einem 3:2-Sieg gegen den amtierenden Meister Chênois ist ansprechend, mehr aber nicht, sagt Penrose:

«Ich erwarte noch viel mehr vom Team und vor allem auch von mir selbst.»

Momentan seien die Leistungen in den Trainings fast besser als an den Spielen, was ihn indes nicht beunruhigt: «Wir sind am Herausfinden, wie wir am besten spielen können, und werden unser Level im Verlauf der Saison sicher steigern. Wir müssen erst, wenn es zählt, unser bestes Volleyball spielen, nicht schon am Anfang der Saison.»

Das Schönenwerder Ensemble habe die nötige Qualität, um sowohl in der Meisterschaft als auch im Cup etwas zu reissen, ist er überzeugt: «Wir arbeiten sehr hart, haben aber auch viel Spass – ein guter Mix.» Dies treffe insbesondere auch auf ihn zu. Jalen Penrose bezeichnet sich als den «funny guy» des Teams. Er wolle immer lustig sein, könne aber auch ernst werden, wenn es nötig sei. Und als Wettkampftyp wolle er immer gewinnen, egal, worum es gehe: «Ich will jeden Gegner mit meinem besten Volleyball schlagen. Am Ende ist ein Sieg aber ein Sieg – und der darf auch mal hässlich sein.»

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