Erstmals in diesem Jahr konnte das Bike Team Solothurn sich genügend Zeit für die Anreise und die Angewöhnung nehmen. Grund dafür ist der erfolgreich bestandene Abschluss der Matura von Vital Albin und der ebenso erfolgreiche Berufsabschluss als Kaufmann von Ursin Spescha. Nick Burki, der noch ein Jahr die Schulbank der Sportklasse an der Kantonsschule in Solothurn drücken muss, konnte sich nach einem wahren Prüfungsmarathon in den vergangenen Wochen auch vorzeitig von der Schule frei machen.

Auf der Strecke in Commezzadura, wo sich 2008 aus Sicht der Schweiz Historisches ereignete, nämlich der Dreifachsieg an den Weltmeisterschaften durch Christoph Sauser, Florian Vogel und Ralph Näf wurde in den vergangen Jahren viel gebaut. Daraus ist eine neue, moderne, 4.2 Kilometer lange Strecke, gespickt mit tückischen Fels- und Wurzelpassagen entstanden. In die Strecke eingebunden wurden auch Elemente der Four Cross Weltcup Strecke. Viele steile und schmale Anstiege sollte die Bedingungen für die Fahrer mit hohen Startnummern zusätzlich erschweren.

Kontakt zur Spitze halten

Also eine Strecke, die von den Athleten physisch und technisch alles abverlangen würde. Die Zielsetzungen der Solothurner Biker für das Rennen der U23-Weltklasse standen ganz im Zeichen der Etablierung in der Weltspitze. Für Vital Albin und Nick Burki, welche beide noch im ersten Drittel des Feldes starten konnten war klar, möglichst von Beginn an den Kontakt mit der Spitze halten zu können.

Anders bei Ursin Spescha, welcher in der zweiten Hälfte des Feldes das Rennen in Angriff nehmen musste. Für ihn galt nur eines, möglichst einen explosiven Start an den Tag legen und jede Lücke nutzen um Position für Position gut zu machen. Zu Beginn des Rennens verlief alles nach Plan. Bereits in der zweiten von sechs Runden kam erstmals Hektik in der Technikzone auf. Vital meldete Luftdruckverlust am Vorderreifen. Alle zur Verfügung stehenden Kräfte machten sich bereit für einen möglichst raschen Radwechsel und die mittlerweile erkämpfte Weltcuppunkte-Position unter den ersten 25 nicht aus den Händen zu geben.

Aufgabe nach Rennhälfte

Glücklicherweise blieb der Plattfuss aus und Vital, bekannt als ausgezeichneter Techniker und Steuerkünstler, konnte das Rennen unbeschadet und ohne grössere Probleme weiter fahren. Bereits eine Runde später kam das Aus für Nick Burki. Nach einem Sturz und enttäuscht über seine aktuelle Form musste er das Rennen nach Rennhälfte aufgeben. Die hohen Erwartungen an sich selber und die vorangegangen intensiven Schulwochen haben es Nick nicht erlaubt seine gewohnte Bestleistung abzurufen.

Derweil Ursin Spescha einmal mehr eine eindrückliche Aufholjagd durch das Weltklassefeld machte. Mit der Umstellung einiger Trainingsreize konnte sich Ursin in der Startphase wo Schnellkraft und Explosivität gefordert sind, massiv verbessern und bereits in der zweiten Runde seine Aufholjagd durchziehen. Etwas weiter vorne machte sich Vital unbeirrt daran sein persönlich gesteckte Ziel unter die Top 15 zu fahren in die Tat umzusetzen. Mit einer geschickt eingeteilten Renntaktik konnte er sich immer unter den ersten 25 behaupten. Mit zunehmender Renndauer verbesserte er sich Position um Position unter die Besten 20.

Etablierung in der absoluten Spitze

In der Schlussrunde kam es zu einem Zusammenschluss einer Gruppe, welche Vital auf den letzten Meter mit einem Kraftakt übersprinten konnte. Das Ziel ein Platz unter den besten 15 wurde mit dem 16 Schlussrang knapp verfehlt. Trotzdem bedeutete dies Jahresbestleistung an einem Weltcup für den jungen Bündner und die Etablierung in der absoluten Spitze, welche mittlerweile fast ausschliesslich aus Profis besteht. Ähnlich der finale Rennverlauf bei Ursin. Auch Ursin bog zusammen mit einer weiteren Verfolgergruppe in die Rennarena ein.

Auf der Zielgerade machte auch Ursin von seiner wiedererstarkten Schnelligkeit Gebrauch
und sprintete von Startposition 70 auf Position 38. Im U23-Rennen feiert der Norweger Petter Fagerhaug seinen dritten Weltcup-Erfolg. Fagerhaug siegt mit 18 Sekunden Vorsprung auf Joshua Dubau aus Frankreich und 20 Sekunden vor dem Rumänen Vlad Dascalu. 14 Sekunden dahinter fährt der Schweizer U23-Meister Filippo Colombo als Vierter über die Ziellinie.

Grosse Ehre für Vital Albin

Nach dem Rennen wurde bekannt, dass Vital Albin für die Europameisterschaften 2018 in Graz vom 25. bis 29. Juli selektioniert wurde. Vital Albin und der Gränicher Joel Roth gehören zu den Jüngsten des EM-Kaders. Alle anderen Schweizer sind älter und bestreiten teilweise ihre letzte Saison in der U23-Kategorie. Bereits als nächstes steht das Biken Team Solothurn am nächsten Weltcup in Andorra an. Dort findet der 5 Weltcup-Lauf der Saison statt. Neben der langen und beschwerlichen Anreise gilt die Strecke, die auf über 2000 Meter über Meer liegt als besondere Herausforderung für alle Athleten.