Ein Knall, ein Erdbeben: Beim EHC Olten bleibt nach der missratenen Saison nichts unangetastet. Nach dem Trainerwechsel von Mansi zu Gustafsson und der Entlassung von Sportchef Kölliker sind nun auch die Spieler in die Pflicht genommen worden. Die Konsequenz: Sieben Spieler müssen den Klub verlassen. Bis heute sind damit nicht weniger als 13 Spieler von der Saison-Analyse betroffen, welche sich als knallharter Frühlingsputz erweist, wie es der EHC Olten seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hat.

Hinter den strategischen Kaderentscheidungen steht ein kleines Gremium, das von der Geschäftsleitung um CEO Peter Rötheli sowie Trainer Bengt-Ake Gustafsson angeführt wird. «Rötheli und Gustafsson verfügen über das Know-how und die Kontakte, diese Arbeit professionell auszuüben. Mit ihnen haben wir eine Übergangslösung gefunden, die funktioniert», sagt EHCO-Medienchef Pierre Hagmann.

Die Personalie Sportchef

Nach wie vor herrscht in der Personalie Sportchef Ungewissheit. Auch in dieser Woche führte man mit einer Handvoll Kandidaten Gespräche, in denen es ganz offensichtlich (noch) zu keiner Einigung kam. Der EHC Olten will sich Zeit lassen, den Posten – einen der wichtigsten im Unternehmen – bestmöglich zu besetzen. Es ist nicht unmöglich, dass der EHCO die neue Saison ohne Sportchef in Angriff nimmt. «Wir werden auch nächste Woche den neuen Sportchef nicht präsentieren», sagt Hagmann und betont, dass der sportliche Chefposten definitiv wieder besetzt werden soll.

Ur-Oltner: Emotionale Trennung

Mit Remo Meister, Simon Schnyder und Romano Pargätzi müssen unter anderem drei langjährige Verteidiger den Verein verlassen, die es gemeinsam auf rund 1500 Meisterschaftsspiele für den EHCO gebracht haben. Remo Meister, der in Olten alle Juniorenstufen durchlief, hat gemischte Gefühle: «Klar, ich bin sehr enttäuscht. Ich verstehe, dass man den Weg in die Zukunft gehen will. Dass man das aber mit einem Tabula rasa macht und alle auslaufenden Verträge nicht verlängert, begreife ich weniger», sagt Meister auf Anfrage. Er sieht jedoch in seinem Schicksal auch eine Chance: Einerseits könnte er aufgrund von einigen Angeboten bei einem anderen Klub noch einmal Fuss fassen, anderseits strebt er beruflich eine Weiterbildung in der Immobilienbranche an.

Aus eigenem Wunsch den Klub verlassen wird Ur-Oltner Diego Schwarzenbach, der nach einer Luftveränderung sehnt. «Ich kann in meiner Verfassung meinem Herzensverein nicht helfen und brauche deshalb einen Neuanfang an einem anderen Ort», so Schwarzenbach. Die abtretenden Ur-Oltner sollen laut Verein in der nächsten Saison gebührend verabschiedet werden. Bleibt von den Identifikationsfiguren nur noch Cyrill Aeschlimann, wessen Zukunft noch nicht geregelt ist. Es dürfte eine Vertragsverlängerung im Raum stehen. Gespräche hierfür sind noch ausstehend.

Die Ausländer

Bleibt er oder bleibt er nicht? Jiri Polansky hat Olten begeistert. Klar ist, dass es Polansky und seiner Familie in der Dreitannenstadt gefällt und der EHCO den spielstarken Tschechen behalten möchte. Man sei mit Polansky in Kontakt und bemühe sich um ihn. Das Problem: Der 35-Jährige besitzt bei seinem Stammverein HC Ocelari Trinec einen langjährigen Vertrag. Nur weil er sich mit Trainer Vladimir Kyhos überworfen hatte, kam der EHCO-Wechsel überhaupt zustande. Der Verbleib von Polansky in Olten hängt nicht zuletzt stark vom Abschneiden des Spitzenklubs in den tschechischen Playoffs ab: Der Qualifikations-Zweite Trinec liegt gegen Aussenseiter Pirati Chomutov bereits mit 0:2 nach Siegen arg in Rücklage. Mit einem unerwarteten Viertelfinal-Out dürfte am Stuhl von Kyhos gerüttelt werden. Käme es zu einem Trainerwechsel, dürfte Polansky wohl bald wieder für Trinec auflaufen. Darum: Daumendrücken für den Trinec-Erfolg!

Ein Fragezeichen gilt es auch hinter den zweiten EHCO-Ausländer, Justin Feser, zu setzen. Trotz laufendem Vertrag ist sein Verbleib nicht in Stein gemeisselt. Aufgrund der Ungewissheit Polanskys sucht der EHCO nach einer Alternative, sollte sich der Tscheche für Trinec entscheiden. Gelingt es der EHCO-Führung, eine ähnliche Verstärkung zu Polansky zu verpflichten, dürfte es für Feser eng werden, sodass man auch für den Kanadier – genauso wie für Curtis Gedig – trotz Vertrag nach einer Transferlösung suchen dürfte. Der EHCO will dies nicht kommentieren: «Justin Feser ist auch nächste Saison auf unserer Lohnliste.»

EHCO-Topskorer Justin Feser beim Bully

EHCO-Topskorer Justin Feser beim Bully

Die Torhüter

Einen grossen Posten gilt es auch auf der Torhüterposition zu besetzen: Nach dem Abgang von Dominic Nyffeler zu Ajoie sucht der EHCO einen Torhüter mit Format, der Olten in Richtung NLA hexen kann. Hierfür steht der EHCO mit mehreren NLA- wie auch etablierten NLB-Torhütern in Kontakt. Die Verhandlungen mit Biel-Torhüter Simon Rytz sind im Gange, doch die Powermäuse haben grosse Konkurrenz aus der NLA. Will sich Rytz, bald 34-jährig, noch einmal eine Nummer-1-Position ergattern, bleibt wohl nur der Schritt in die NLB.

Dominic Nyffeler wechselt zu Ajoie.

Dominic Nyffeler wechselt zu Ajoie.

Die jungen Wilden

Der EHC Olten hat in diesen Tagen nicht nur Abgänge, sondern auch Zuzüge vermeldet: Stéphane Heughebaert, Joachim Vodoz (beide Lausanne) sowie Noah Matter (Biel) stossen fix zum Team dazu. Ausserdem wurde mit Marc Sahli verlängert. Sie alle sollen als Ergänzungsspieler zu Einsätzen kommen. Mit den Zuzügen will sich der Verein in der Breite abstützen, aber ganz offensichtlich auch eine entstandene Wohlfühlkultur wieder durchbrechen. Insbesondere Stéphane Heughebaert bekommt in Fachkreisen NLB-Noten ausgestellt: Ein guter Spielmacher mit gutem Spielverständnis, dem jedoch noch den Sinn für eine smarte Defensivarbeit fehle. Auch Vodoz gilt als solide Ergänzung, müsse jedoch noch an seiner Schusstechnik arbeiten und an Muskelkraft zulegen.