Olten

Verteidiger Tim Grossniklaus: «Ich habe noch einiges vor mit dem EHC Olten»

Tim Grossniklaus wechselt zu den SCL Tigers.

Tim Grossniklaus wechselt zu den SCL Tigers.

Tim Grossniklaus verlässt Ende Saison den EHC Olten und wechselt zu den SCL Tigers. Der EHCO-Verteidiger zwischen hohen Saisonzielen und Traumerfüllung National League.

Am Tag nach Bekanntwerden seines Abgangs Ende Saison trainiert EHCO-Verteidiger Tim Grossniklaus so, als wäre neben dem Eis nie etwas geschehen. «Es wäre sicher falsch, jetzt mit dem Kopf woanders zu sein. Ich bin genug Profi, um irgendwo zu unterschreiben, aber dennoch mit 100 Prozent Einsatz hier bei der Sache zu sein. Denn ich habe noch einiges vor mit dem EHC Olten», sagt Grossniklaus.

Für zwei Spielzeiten bis 2020/21 hat der 23-jährige Berner, der beim SC Bern alle Juniorenstufen durchlief, bei den SCL Tigers in der National League unterschrieben.

Die Langnauer verkünden den Wechsel mit dem kecken Hinweis, dass sie in der Breite stärker aufgestellt sein möchten. Dass auf Grossniklaus bald ein noch stärkerer Konkurrenzkampf um Einsatzminuten wartet, stört ihn nicht. «Ich scheue ihn bestimmt nicht. Denn letztlich bringt dich der Konkurrenzkampf weiter», sagt Grossniklaus, «und diesen gibt es schliesslich auch in der Swiss League.»

Warum nicht eine weitere EHCO-Saison?

Dass Grossniklaus überhaupt noch professionell Eishockey spielt, grenzt an ein Wunder. Im Sommer 2015 bricht er sich als 20-Jähriger bei einem Badeunfall in der Türkei den sechsten Halswirbel. Dass er inmitten seiner Blütezeit der Karriere ein solches Schicksal erleben musste, hat ihn gezeichnet. Man merkt ihm an, wie unendlich dankbar er ist, heute wieder Eishockey spielen zu dürfen.

Zwei Jahre verbringt Grossniklaus nach dem Unfall bei den Rapperswil-Jona Lakers, in denen er sich schliesslich einen National-League-Vertrag mit dem HC Davos erspielt. Doch in den Bündner Bergen vermag er sich nicht durchzusetzen, auch wenig später nicht bei Servette.

Und so erweist sich heute der EHCO auf seinem Weg nach ganz oben mit einigen Rückschlägen als Sprungbrett. In bisher 37 Spielen hat Grossniklaus 24 Skorerpunkte (6 Tore, 18 Assists) erspielt.

Sein Abgang schmerzt den EHC Olten deshalb umso mehr. Nur zu gerne hätte man Grossniklaus behalten. Den 23-Jährigen, der auf dem Eis eine Erfahrung ausstrahlt, als wäre er seit über 10 Jahren im Geschäft.

Die jüngste Kritik aus dem EHCO-Umfeld, eine weitere Saison im Oltner Dress hätte seiner Entwicklung gutgetan, nimmt er sportlich, ja sogar als Lob zur Kenntnis. «Ich konnte mit meiner Verletzungsgeschichte und den zwei NLA-Klubs in der letzten Saison sehr viel lernen.

Auch in dieser Saison konnte ich mich weiterentwickeln – und diesen Prozess will ich nun ausnutzen», sagt Grossniklaus. Würde er noch eine weitere Saison beim EHCO bleiben, hätte dabei die gleiche Rolle inne und würde verletzungsfrei bleiben, so wäre das «sicher keine schlechte Option» gewesen. «Ich weiss, dass mir in Langnau nichts geschenkt wird. Es wird hart, aber wenn ich diese Chance bekomme, will ich sie packen.»

Wegweisendes Duell gegen Kloten

Doch das sei Zukunftsmusik, meint Grossniklaus und will sich vollumfänglich auf die aktuelle Saison konzentrieren. Ihm und seinen Teamkameraden bietet sich bereits heute eine grosse Chance im Direktduell gegen Tabellennachbar Kloten (Kleinholz, 19.45 Uhr), etwas Luft zu verschaffen.

Der National-League-Absteiger hat sich in der zweiten Saisonhälfte in der Tabelle emporgekämpft, sodass sich Oltens 41. Meisterschaftsspiel als die bislang wohl wichtigste Partie des Jahres erweist:

Gewinnt der EHCO die Direktbegegnung, darf man weiter den Qualifikationssieg anpeilen. Verlieren die Powermäuse hingegen, müssten sie sogar plötzlich noch um Rang vier und das damit verbundene Playoff-Heimrecht zittern.

Was für den EHCO spricht: Die Oltner haben in den letzten drei Spielen (gegen drei Teams der unteren Tabellenhälfte) lediglich einen Gegentreffer kassiert und vorne ungewöhnlich viele Tore geschossen. «Offensiv brillieren und defensiv sauber stehen. Das hat uns allen Selbstvertrauen gegeben», meint Grossniklaus.

Vor allem defensiv hätten sie daran gearbeitet, die letzte Hartnäckigkeit aufs Eis zu bringen. Das dürfte gegen Kloten erst recht gefragt sein.

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