Schwingen
Verschossene Penaltys im Sägemehl: Bruno Gisler verpasst 100. Kranz

Bruno Gisler hätte in Zuchwil seinen 100. Kranz gewinnen können. Anstatt im Triumph endete der Tag in der Tragödie. Denn nach dem fünften Gang passte beim Rumisberger nichts mehr zusammen.

Andreas Fretz
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Bruno Gisler liegt nach seiner Niederlage im sechsten Gang enttäuscht im Sägemehl.

Bruno Gisler liegt nach seiner Niederlage im sechsten Gang enttäuscht im Sägemehl.

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Auf einmal herrschte Totenstille in der Schwingarena. Die 3000 Zuschauer in Zuchwil trauten ihren Augen nicht. Gastschwinger Samuel Dind drückte mit einem Kurz Lokalmatador Bruno Gisler ins Sägemehl. Es lief der sechste und letzte Gang.

Nur ein Sieg fehlte Gisler zum Eintrag in die Geschichtsbücher. Als erst 17. Schwinger der Historie hätte er 100 Kränze auf seinem Haupt vereinigt. Von den noch aktiven Schwingern gelang das nur Arnold Forrer und Martin Grab. Von den Nordwestschweizern hat es einzig Matthäus Huber in den 100er-Club geschafft.

Über 3700 Besucher wohnten dem Schwingfest in Zuchwil bei
59 Bilder
Pflichtlektüre am Schwingfest: Der Festführer
Volle Konzentration
Thomas Stüdeli liegt besiegt im Sägemehl
Teilweise herrschte am Schwingfest Hundewetter
Stucki Christian freut sich über seinen Sieg im Schlussgang
Stucki Christian wischt seinem Schlussgang Gegner Forrer Arnold das Sägemehl von den Schultern
Siegesgefühle nach einem gewonnenen Kampf
Prüfender Blick des Kampfrichters
Die Schwinger werden frenetisch von ihren Fans unterstützt
Das Rägebogechörli sorgte mit seinem Gesang für das passende musikalische Ambiente
Mit einem Eis dem Regenwetter trotzen
Lautes Anfeuern auf den Zuschauerängen
Keiner zu klein ein Schwingfan zu sein
Übung macht den Meister
Gisler Bruno konzentriert sich auf seinen Gegner
Michael Bächli (oben) schwingt gegen Ruedi Riesen im 4. Gang
Arnold Forrer schwingt gegen Matthias Glarner im 4. Gang
Arnold Forrer wischt Matthias Glarner das Sägemehl vom Hemd
Henzi Michael hängt die Zwilchhose an seinem letzten Kranzschwingen symbolisch an den Nagel
Auch beim Schwingen liegen Sieg und Niederlage nahe beieinander
Frust nach einem verlorenen Kampf
Forrer Arnold wartet auf seinen nächsten Kontrahenten
Musikalische Unterhaltung beim Festakt
Festakt in der Halle beim Sportzentrum Zuchwil
Fahnenübergabe beim Festakt
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung
Auch er weiss, dass man im Sägemehl besser nicht auf dem Rücken liegt
Früh übt wer ein Böser werden will
Erfrischung bot der Brunnen
Christian Stucki (hinten) gegen Thomas Stüdeli im 4. Gang
Michael Bächli bereitet sich am Brunnen auf den 5. Gang vor
Arnold Forrer
Eine atemberaubende Begegnung
Arnold Matthias bestritt sein letztes Kranzschwingen
Die neue Schwingerkollektion 2015
Die gute Verpflegung am Schwingfest wurde von allen geschätzt
Der Prachtsmuni Benno war dem Sieger des Schwingfests bestimmt
Die Kuh Gasolina wird bald ihren Besitzer wechseln
Das Fohlen Bob war einer der Lebendpreise, die es zu gewinnen gab
Bieri Christoph versucht seinen Gegner ins Sägemehl zu zwingen
Bieri Christoph packt zu
Bieri Christoph verteilt Autogramme an seine Fans
Der Aargauer Patrick Räbmatter hat gerade Michael Bless im 6. Gang geschlagen
Bruno Gisler liegt nach seiner Niederlage im 6. Gang im Sägemehl
Matthias Glarner jubelt nach seinem Sieg im 6. Gang
Der Schlussgang zwischen Stucki Christian und Forrer Arnold
Der Schlussgang zwischen Stucki Christian und Forrer Arnold
Stucki und Forrer im Schlussgang
Stucki hat Forrer im Griff
Christian Stucki hat gerade das Schwingfest gewonnen und ballt die Fäuste
Christian Stucki feiert seinen Sieg am Nordwestschweizer Fest
Die beiden Berner Schwinger Christian Stucki (rechts) und Matthias Glarner

Über 3700 Besucher wohnten dem Schwingfest in Zuchwil bei

Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

Alles war angerichtet

Anstatt im Triumph endete der Tag des bald 31-jährigen Rumisbergers in der Tragödie. Dabei war es ein Tag, wie gemacht für den dreifachen Familienvater und Landwirt. Alles, aber wirklich alles war aufgegleist. Ein eigens angefertigter goldener Kranz lag bereit, das Schweizer Fernsehen begleitete den Schwinger auf dem Weg zur historischen Marke.

Und der Tag begann gut: Im ersten Gang feierte Gisler einen umstrittenen Sieg gegen Christian Stucki. Da ahnte noch niemand, dass Gisler Stunden später seine Trinkflasche enttäuscht gegen einen Container schmettert und minutenlang nicht ansprechbar ist.

Zittern nach dem fünften Gang

Der Knackpunkt kam im fünften Gang. Mit einem Sieg gegen Teilverbandskollege Patrick Räbmatter wäre Gisler im Schlussgang gestanden. Doch der Aargauer gewann unerwartet mit einem Schlungg. Nun war nicht bloss der mögliche Festsieg weg, sondern Gisler musste gar um den Kranz zittern. Es folgte die Totenstille im sechsten Gang. 0,75 Punkte fehlten ihm am Ende für die Aufnahme in den 100er-Club.

Nerven halten nicht

Der dreifache Schwingerkönig und 85-fache Kranzgewinner Jörg Abderhalden sagte: «Ich hatte stark den Eindruck, dass Bruno im Kopf nicht parat war. Mit seiner Klasse hätte er den Kranz holen müssen.» Doch Gisler gilt eigentlich als Schwinger, der mit Druck gut umgehen kann. Auch Gisler selbst war nach der Trauerphase einigermassen ratlos: «Alles lief nach Plan, es war, als ob ich zwei Penaltys verschossen hätte.» Er habe sich gut gefühlt, sagte der Solothurner, der Mitte Mai nach einer halbjährigen Dopingsperre zurückgekehrt war. «Ich habe die ganze Saison gut geschwungen. Jetzt muss ich den 100. Kranz halt nächste Saison holen.» In Jahr 2014, in welchem Gisler fünf Kränze holte, bietet sich ihm keine Gelegenheit mehr, im erlesenen Klub Aufnahme zu finden.

Enttäuscht war auch Daniel Dreier, Präsident des Nordwestschweizerischen Schwingerverbands. «Ich hätte es Bruno Gisler gegönnt», sagt er, «aber es gibt solche Tage im Sport. Da gewinnt man zuerst gegen den späteren Sieger Christian Stucki und steht am Schluss mit leeren Händen da.»