Schwingen

Verschossene Penaltys im Sägemehl: Bruno Gisler verpasst 100. Kranz

Bruno Gisler liegt nach seiner Niederlage im sechsten Gang enttäuscht im Sägemehl.

Bruno Gisler liegt nach seiner Niederlage im sechsten Gang enttäuscht im Sägemehl.

Bruno Gisler hätte in Zuchwil seinen 100. Kranz gewinnen können. Anstatt im Triumph endete der Tag in der Tragödie. Denn nach dem fünften Gang passte beim Rumisberger nichts mehr zusammen.

Auf einmal herrschte Totenstille in der Schwingarena. Die 3000 Zuschauer in Zuchwil trauten ihren Augen nicht. Gastschwinger Samuel Dind drückte mit einem Kurz Lokalmatador Bruno Gisler ins Sägemehl. Es lief der sechste und letzte Gang.

Nur ein Sieg fehlte Gisler zum Eintrag in die Geschichtsbücher. Als erst 17. Schwinger der Historie hätte er 100 Kränze auf seinem Haupt vereinigt. Von den noch aktiven Schwingern gelang das nur Arnold Forrer und Martin Grab. Von den Nordwestschweizern hat es einzig Matthäus Huber in den 100er-Club geschafft.

Alles war angerichtet

Anstatt im Triumph endete der Tag des bald 31-jährigen Rumisbergers in der Tragödie. Dabei war es ein Tag, wie gemacht für den dreifachen Familienvater und Landwirt. Alles, aber wirklich alles war aufgegleist. Ein eigens angefertigter goldener Kranz lag bereit, das Schweizer Fernsehen begleitete den Schwinger auf dem Weg zur historischen Marke.

Und der Tag begann gut: Im ersten Gang feierte Gisler einen umstrittenen Sieg gegen Christian Stucki. Da ahnte noch niemand, dass Gisler Stunden später seine Trinkflasche enttäuscht gegen einen Container schmettert und minutenlang nicht ansprechbar ist.

Zittern nach dem fünften Gang

Der Knackpunkt kam im fünften Gang. Mit einem Sieg gegen Teilverbandskollege Patrick Räbmatter wäre Gisler im Schlussgang gestanden. Doch der Aargauer gewann unerwartet mit einem Schlungg. Nun war nicht bloss der mögliche Festsieg weg, sondern Gisler musste gar um den Kranz zittern. Es folgte die Totenstille im sechsten Gang. 0,75 Punkte fehlten ihm am Ende für die Aufnahme in den 100er-Club.

Nerven halten nicht

Der dreifache Schwingerkönig und 85-fache Kranzgewinner Jörg Abderhalden sagte: «Ich hatte stark den Eindruck, dass Bruno im Kopf nicht parat war. Mit seiner Klasse hätte er den Kranz holen müssen.» Doch Gisler gilt eigentlich als Schwinger, der mit Druck gut umgehen kann. Auch Gisler selbst war nach der Trauerphase einigermassen ratlos: «Alles lief nach Plan, es war, als ob ich zwei Penaltys verschossen hätte.» Er habe sich gut gefühlt, sagte der Solothurner, der Mitte Mai nach einer halbjährigen Dopingsperre zurückgekehrt war. «Ich habe die ganze Saison gut geschwungen. Jetzt muss ich den 100. Kranz halt nächste Saison holen.» In Jahr 2014, in welchem Gisler fünf Kränze holte, bietet sich ihm keine Gelegenheit mehr, im erlesenen Klub Aufnahme zu finden.

Enttäuscht war auch Daniel Dreier, Präsident des Nordwestschweizerischen Schwingerverbands. «Ich hätte es Bruno Gisler gegönnt», sagt er, «aber es gibt solche Tage im Sport. Da gewinnt man zuerst gegen den späteren Sieger Christian Stucki und steht am Schluss mit leeren Händen da.»

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