In einer 45-minütigen Physio-Sitzung lässt sich EHCO-Ausländer Bryce Gervais am Donnerstagmorgen, keine 12 Stunden nach dem Spiel, nach dem offiziellen Eistraining zurechtbiegen und wiederherstellen. Kaum einem anderen EHCO-Spieler sah man den Abnützungskampf der 3:4-Niederlage nach Verlängerung gegen den SC Langenthal besser an als ihm. Etwas schwerfällig erscheint er zum Interview. Ist er verletzt? «Nein, nein. Nur ein bisschen angeschlagen. Das normale Zeugs halt nach einem Spiel», sagt Gervais schmunzelnd.

Spektakulär: Bryce Gervais wird von Langenthals Mathieu Maret angegangen.

Spektakulär: Bryce Gervais wird von Langenthals Mathieu Maret angegangen.

Zu besonders viel Schlaf ist er nicht gekommen, gibt Gervais Einblicke in seine Gefühlswelt. «Nach solchen emotional aufwühlenden Spielen ist das Einschlafen etwas schwieriger», sagt er. Wild kreisten seine Gedanken umher. Gedanken über viel zu viele Chancen, die sie ausgelassen hätten. Gedanken aber insbesondere an eine Szene, in welcher er selber Hauptdarsteller war: In doppelter Überzahl stand Gervais sieben Minuten vor Schluss nach erfolgreicher Störarbeit von Lukas Haas und Silvan Wyss plötzlich alleine mit der Scheibe am Stock vor SCL-Torhüter Wüthrich. Und macht eigentlich alles richtig. Er tanzt den überaus starken Oberaargauer Rückhalt aus, doch der Fanghandschuh schnappt dennoch zu. Gervais: «Ich dachte, ich hätte ihn schon geschlagen, doch dann zeigte er eine wirklich starke Parade.»

Die Riesenchance von Bryce Gervais sowie die Parade von SCL-Torhüter Wüthrich

Man sah es dem EHCO-Ausländer auch Minuten danach noch an: Es wurmte ihn zutiefst, dass er diese exzellente Grosschance nicht nutzen konnte. Wer weiss, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte er den Puck verwertet. Gervais mag solche hypothetische Fragen nicht beantworten, obwohl er sie sich in den Stunden zuvor wohl selber auch gestellt haben dürfte. «Ich will das Positive mitnehmen. Das Gute ist ja, dass ich mich nicht darüber beklagen kann, keine Chancen zu haben. Es ist immer gut, wenn man sich überhaupt solche erspielt», so der Söldner. «Es bringt nun nichts, zu lamentieren. Wir müssen nach vorne schauen.»

Der ultimative Teamplayer

Gervais will das Positive mitnehmen, wie etwa seinen unbändigen Kampfgeist. Gervais geht dorthin, wo es wehtut. Im Slot verwertet er Abpraller, macht Checks fertig, blockt in der Defensive Schüsse. Unlängst hat er sich damit einen Namen in den Oltner Fankreisen gemacht. «Meine Eltern haben mich schon als Bub gelehrt: ‹Tu alles für das Team, bevor du es für dich tust!›» Erst wenn er die kleinen wertvollen Dinge, die Arbeit, die gerne unbemerkt bleibt, erfolgreich erledige, könne er mit Stolz in den Spiegel schauen.

«Wir haben in den ersten zwei Dritteln etwas schlampig gespielt. Wir wollten fast zu viel und haben uns auf ihr Spiel eingelassen. Wir müssen wieder zu unserem Spiel finden und unsere Stärken ausspielen», sagt Gervais. Zustimmung erhält er auch von seinem Söldnerkollegen Cason Hohmann. Der EHCO-Topskorer sieht die positiven Fakten und streicht heraus, was für eine verrückte Geschichte die Partie schrieb. «Mich stimmt positiv, dass wir trotz Verhältnis von 28 zu 61 Schüssen stets im Spiel waren und erst noch Möglichkeiten hatten, die Partie zu gewinnen.»

Hohmann zog einen schlechten Abend ein und machte keinen Hehl daraus, dass er mit sich selber nicht zufrieden war. Er lief Gefahr, ins alte Fahrwasser zurückzufallen: Eigensinnig im Umgang mit der Scheibe. Jenes Spiel also, mit dem er sich zu Beginn der Saison keine Freunde machte.

Zudem machte Hohmann, der mit Bagnoud einer von nur zwei EHCO-Spielern ist, der alle 44 Qualifikationsspiele bestritt, einen ausgelaugten Eindruck. Spürt er die Saison? «Überhaupt nicht. Ich habe noch sehr viel Gas im Tank. Ich fühle mich frisch und bereit, alles zu geben.»

Energielevel hin oder her: Hohmann scheint die ungenügende Vorstellung verdaut zu haben: «Wir sollten dieser Niederlage nicht zu lange nachtrauern. Die nächste Chance kommt.»