Eishockey
Verliert Olten in Langenthal die Leaderposition?

Betrachtet man das vierte Derby der Saison anhand der Verlustpunkte, so kommt es am Freitagvorabend (Achtung: Spielbeginn 18.15 Uhr) zum Vergleich Zweiter gegen Erster. Doch der EHC Olten tritt noch immer arg dezimiert beim SC Langenthal an.

Michael Forster
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Die Linie um Brent Kelly gilt es, heute Abend zu neutralisieren. mb

Die Linie um Brent Kelly gilt es, heute Abend zu neutralisieren. mb

Auf der einen Seite die Gäste, fulminant in die Saison gestartet mit 13 Siegen aus 17 Spielen, auf der anderen Seite der SC Langenthal, der zuletzt immer besser in Fahrt kam und mit 10 Siegen aus 11 Spielen mächtig Boden auf den Leader gutgemacht hat. Ein Zähler trennt die beiden Mannschaften vor dem heutigen Spiel, welches die Oltner arg dezimiert in Angriff nehmen müssen. So fehlt zumindest einer der beiden Torschützen vom ersten Auftritt im Schoren: Colton Fretter leidet an einer üblen Handverletzung, welche ihn (wohl nicht nur) fürs heutige Derby ausser Gefecht setzen wird.

Beim EHCO hat man den Ernst der Lage zwar erkannt, doch das Handeln ist derzeit nicht allzu einfach. «Wir bemühen uns seit Wochen um einen dritten Ausländer», sagt Geschäftsführer Peter Rötheli, die Lockout-Geschichte macht das Ganze aber zusätzlich kompliziert. «Wenn wir eine Möglichkeit sehen, handeln wir. Doch aus der NLA gibt es im Moment schlicht keine Spieler» – und aus der NHL? «Was, wenn sie in einer Woche plötzlich loslegen?», fragt Rötheli zurück.

Wie weiter mit Crameri?

Auch EHCO-Torschütze Nummer zwei vom 26. Oktober, Topscorer Marco Truttmann, ist angeschlagen, wird aber wohl zumindest probieren, im Derby aufzulaufen. Daneben fehlen nebst den Langzeitverletzten Schnyder und Haldimann noch Patrick Parati und wohl auch Mike Marolf. Der Verteidiger verpasste das gestrige Training krankheitshalber.

Erfreuliche Nachrichten gibt es dafür von Roman Schild, der offenbar kurz vor dem Comeback steht. Er hat sich so weit von seiner Hirnerschütterung erholt, dass er gestern zum ersten Mal wieder voll mit der Mannschaft mittrainieren konnte. Ein Einsatz heute käme allerdings noch zu früh.

Einsatzbereit ist hingegen Gian-Marco Crameri (40). Der Bündner wird zum zweiten Mal im Dress der Oltner auflaufen und viel Routine in die geschwächte Defensive bringen. Crameri wird den Oltnern auch am Sonntag beim Heimspiel gegen La Chaux-de-Fonds zur Verfügung stehen.

Bis dann soll zudem die Zukunft des 130-fachen Ex-Internationalen geklärt sein, bestätigt Rötheli: «Wir möchten ihn in dieser Zeit noch ein wenig besser kennenlernen. Die Idee ist, ihn für die nächsten drei, vier Monate zu verpflichten, damit er der ersten Mannschaft helfen und sich im Nachwuchs engagieren kann.» Der Entscheid liege, so Rötheli, nicht zuletzt beim Headcoach, ob dieser sich eine Zusammenarbeit mit Crameri vorstellen könne oder nicht.

Das Fehlen eines Assistenztrainers führte auch dazu, dass Captain Sandro Tschuor seine Rolle als Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer zuletzt intensiver lebte. «Ich bin mit Scott Beattie täglich am Diskutieren, gebe ihm Inputs oder kläre ihn über die Verfassung einzelner Spieler auf.» Natürlich ist Tschuor mit dem Auftritt in den letzten Spielen nicht zufrieden. «Man macht sich automatisch Gedanken, was man besser machen kann. Der letzten Resultate wegen in Panik zu verfallen, wäre aber sicher verfehlt.» Wenn den Oltnern jemand zu Beginn der Saison gesagt hätte, sie würden Weihnachten als Leader verbringen, so hätte bestimmt jeder unterschrieben. «Uns in den Top 4 halten zu können, das ist sicher wichtig», unterstreicht Tschuor, «wir müssen aber ganz einfach dann bereit sein, wenn es etwas zählt.»

Zurück zu alter Stärke

Der Captain hat gegen den SCL das «immer gleiche Rezept» auf Lager, wie er sagt: «Die Scheibe tief halten und probieren, die Linie um Kelly und Tschannen auszustechen. Dann haben wir gute Chancen.» Dass man, für einmal, aufgrund des angekündigten Boykotts auf deutlich weniger Unterstützung aus der EHCO-Kurve wird zählen können, findet Tschuor zwar schade, zumal es sich eben um ein Derby handle. Für ihn und die Mannschaft gelte die volle Konzentration aber nicht der Stimmung auf den Rängen, «sondern dem Geschehen auf dem Eis. Für uns ist es wichtig, dass wir wieder zu alter Stärke zurückfinden.»

Denn so viel steht fest: Nur dann können die Oltner einen oder mehrere Punkte aus dem Oberaargau entführen und damit die Tabellenführung gegenüber dem heutigen Gegner erfolgreich verteidigen.