Das grosse Kaderfoto gehört vor dem Saisonstart in jedem Klub zur Pflicht. Auch bei Unihockey Mittelland standen die Spieler vor der Linse, ehe heute Abend die 1. Liga-Meisterschaft gegen Lok Reinach startet. Doch wer das letztjährige Foto mit dem diesjährigen vergleicht, bemerkt: Bei Olten-Zofingen steht in diesem Jahr nahezu die identische Mannschaft wie vergangene Saison auf dem Feld. Einziger externer Zuzug ist Simon Schilling, der von Herisau kam. «Abgesehen davon, haben wir das Kader nochmals mit eigenen Junioren verjüngt», sagt Cheftrainer Björn Karlen.

Somit setzt der grösste Unihockey-Verein der Region fort, was er vergangene Saison mit dem Berner Ausbildner angepackt hat. Nämlich den kontinuierlichen Aufbau der eigenen Nachwuchskräfte. Denn die Nachwuchsabteilung ist zum Prunkstück von Unihockey Mittelland herangewachsen. Im Jahr 2014 stieg Olten-Zofingen aus der NLA ab - drei Jahre später folgte die Relegation in die 1. Liga, womit die Zeit des Umbruchs eingeläutet war.

Schritt nach vorne dank taktischer Reife

Vergangene Saison noch, lautete das Ziel Ligaerhalt. Die mit etlichen Nachwuchsspielern und mit hohen 90er Jahrgängen gespickte Mannschaft übertraf die Klubvorgabe und stiess in die Playoffs vor. «Letzte Saison haben wir die taktische Basis gelegt und dabei waren wir variabler, als ich es mir vorgestellt hatte», sagt Karlen.

In der neuen Meisterschaft stellt Unihockey Mittelland bereits den Anspruch, zu den Topteams der ersten Liga zu gehören. Unter den ersten vier möchte der Klub nach der Qualifikation platziert sein und die erste Playoff-Runde überstehen. Wie soll es gelingen, mit demselben Team diesen Schritt nah vorne zu machen? Vor allem über taktische Reife, wie Karlen erklärt.

Wir haben mehr Systeme eingeübt und können unser Spiel daher flexibler anpassen», sagt er. Auch im Spiel mit dem Ball habe die Mannschaft einen Schritt gemacht. Dies stellte der Cheftrainer etwa im Cupspiel gegen Limmattal fest. Dank einem Sieg, spielte sich Olten-Zofingen in den Sechzehntelfinal und erhielt dort das beste aller möglichen Lose: So ist am Sonntag der amtierende Meister und zugleich der diesjährige Titelaspirant Wiler-Ersigen in der Giroudhalle zu Besuch. Ein Derby-Duell das an alte Zeiten erinnert.

Gegen den übermächtigen Gegner, will Karlen «das eine oder andere probieren», wie er sagt. Dann lacht er. «Aber ich habe Wiler in der Vorsaison noch nie so stark gesehen wie dieses Jahr.» Ohnehin werde es für die vielen Jungen in seinem Team zu einer «coolen Erfahrung», mal gegen so viele Weltmeister und Nationalkaderspieler auf dem Feld zu stehen.

Die Frage nach der Konstanz 

Nach dem Höhepunkt gegen den NLA-Giganten wird sich Karlens Mannschaft rasch wieder an die Realität der 1. Liga gewöhnen müssen, in welcher Mittelland etwas reissen möchte. «Die grosse Frage wird jene Konstanz sein», sagt Karlen.

Vergangene Saison schwankten die Leistungen noch zu stark, was ein klares Merkmal für unerfahrene Mannschaften ist. Auch diese Saison fehlt dem jungen Team der eine oder andere Routinier. Gerne hätte Olten-Zofingen sich mit ein bis zwei Spielern verstärkt, doch letztlich habe es nicht gepasst, so Karlen. Der Trainer ist dennoch zuversichtlich, denn etwa im Cup habe das Team abgeklärt auf den Druck reagiert.

Wichtige Stütze durch Abplanalp

Eine wichtige Stütze zu mehr Konstanz soll Benjamin Abplanalp sein. Er assistiert Karlen ab dieser Saison an der Bande. Für den Cheftrainer erfüllt sich der lang offengebliebene Wunsch, mit Abplanalp zusammenzuarbeiten. «Wir reden vom gleichen Hockey», sagt Karlen. Seit Jahren schon hätten sie bei gemeinsamen Kaffees übers Unihockey philosophiert. Nun wollen sie ihre Vision gemeinsam aufs Feld bringen. «Es ist auch ein grosser Service für die Spieler», so Karlen über Abplanalps Rolle.

Mit ihm als zusätzliches Puzzleteil, soll es gelingen sich in der 1. Liga vorne einzureihen und so dem NLB-Niveau näher zu kommen. Erschwert wird diese Aufgabe dadurch, dass das junge Team nicht immer beisammen sein wird. Drei Spieler absolvieren ein Auslandsemester und rund sieben aus dem aktuellen Kader müssen in die Rekrutenschule.

Einige Topspieler werden daher im Quali-Kampf und auch in den Playoffs phasenweise fehlen. Karlen schätzt, dass die ersten sechs Mannschaften nach dem Aufstieg von Eggiwil näher zusammengerückt sind und spielerisch nicht weit hinter der zweithöchsten Spielklasse sind. Damit es soweit kommt, soll das junge Team sich nochmals weiterentwickeln. Das Gesicht der Mannschaft wird mittelfristig gleich bleiben.