Handball

Ungleiches Duell: Aargauer Hightech-Flitzer schlägt Solothurner Pedalo

Von der Affiche her ähnelt der Vergleich einer America’s-Cup-Regatta zwischen einem Hightech-Karbon-Katamaran und einem Pedalo. Der TV Solothurn, Tabellenletzter der NLB, empfing zum Auftakt der Rückrunde Leader Suhr Aarau.

Wenn kein Wind bläst und im Strampelboot zwei Cancellaras Schub geben, dann kann es schon vorkommen, dass der Aussenseiter am Start plötzlich auf und davon düst. So geschehen im CIS-Sportcenter zu Solothurn. Der Aussenseiter zischte ab wie ein Speedboot mit Kapitän James Bond. Nach gut vier Minute führte der TVS derlei mit 4:1. Grund genug für Suhr-Aarau-Trainer Patrik Fend, sein erstes Time-out zu nehmen. «Das hat wirklich Freude gemacht. Aber mir wäre es lieber, wenn wir so eine Phase, in der wir den Gegner förmlich überrennen, künftig auch einmal in der 50. Minute haben könnten», sollte Matthias Heger, der neue Coach des TV Solothurn, später im Rückblick auf den Glanzstart noch sagen.

Solothurn rauschte auf 9:3 davon

Auch nach dem Time out machten die Hausherren mächtig Dampf. Praktisch keine Fehler, Tore aus jeder Lage – sogar aus der vermeintlich schwachen Rückraum-Mitte Position –, ein starker Goalie Tatarinoff; das TVS-Pedalo machte die Konkurrenz richtig, richtig nass. «Dem Gegner ist in dieser Phase wirklich alles gelungen und uns eigentlich so gut wie gar nichts», konstantierte Suhr-Trainer Patrik Fend. «Ein Start, wie man ihn sich niemals wünscht», so der 31-jährige Ostschweizer weiter. Solothurn rauschte bis auf 9:3 davon. Als der Tabellenführer und NLA-Aufstiegskandidat Nummer 1 dann aber auf ein 3-2-1 umstellte und Alain Blaser und Tom Althaus innert Kürze zwei Mal auf die Strafbank mussten, geriet der Solothurner Wasservelo-Express prompt in akute Seenot. «Wir haben keine Mittel gefunden, um auf die taktische Variante von Suhr wirkungsvoll zu reagieren», konstantierte TVS-Coach Heger. Der Gegner holte so Tor um Tor auf und ging schliesslich gut acht Minuten nach dem 9:3 für Solothurn erstmals seinerseits mit 12:11 in Führung.

Jeder weitere Gegentreffer hatte fortan aus Sicht des TVS etwas von einer Kanonenkugel, die im Rumpf des gegnerischen Schiffes einschlägt – wie man das von Piratenfilmen her kennt. Die rot-weisse Armada geriet darob zusehends in Schieflage und wurde letztlich vom Aargauer High-Tech-Flitzer förmlich geflutet. Die Fehlerquote auf Seiten der Gastgeber stieg markant, dazu gesellte sich Pech im Abschluss bis schliesslich die Moral wie der Topmast im Sturm knickte. Nachdem es zur Pause 13:18 aus Sicht der Einheimischen stand, musste sich der Tabellenletzte in seinem ersten Spiel unter seinem neuen Coach «finalement» 23:36 beugen.

Solo des Leaders

Die zweite Halbzeit verkam zum Solo des Leaders und hatte den Nervenkitzel-Faktor eines Sandmännchen-Kongresses. «Als ich gemerkt habe, dass Suhr wegzieht, habe ich noch das eine oder andere ausprobiert», hielt Heger fest. Schliesslich würden er und sein Team sich ja noch nicht so gut. Der frühere U19-Trainer des BSV Bern Muri mit A-Lizenz coacht den TVS erst seit Mitte Januar. Summa summarum war der 39-jährige Baselbieter aber mit der Leistung seiner Truppe zufrieden. «Es ist schön, wenn wir Teams wie Suhr Aarau ärgern und vielleicht ab und zu sogar einen Punkt holen können, aber gewinnen müssen wir gegen andere, wenn wir den Ligaerhalt sichern wollen.» Gegen die anderen Pedalos der Gruppe nämlich.

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