Vieira, ein Hüne von Gestalt, testete in der Endausmarchung in den ersten drei Versuchen die Abwehrkraft seines Solothurner Gegners. Im vierten Zusammengreifen schaltete der 142 kg schwere Aarauer Leader einen Gang höher. Wuchtig setzte er zu einer Kombination Kurz/Gammen an, der Stegmüller nichts entgegen zu setzen hatte. Nach 2 Minuten und 39 Sekunden lag der 56 kg leichtere Grindler platt auf dem Rücken. Vieira ballte triumphierend seine linke Faust. Nach dem Sieg am Pfingstmontag auf der Badener Baldegg ist der Engelberg-Triumph sein zweiter Festsieg in diesem Jahr und der dritte in seiner wechselvollen Schwingerlaufbahn.

Erstaunliches Comeback

Der bald 23-jährige in der Schweiz aufgewachsene Portugiese, der sich vorläufig nicht einbürgern lassen will, hat die Gutmütigkeit eines Bernhardiners. Wenn er aber im Sägemehlring steht, vergeht den Konkurrenten das Lachen. Nach einjähriger schöpferischer Pause in der Saison 2013 kehrte er in diesem Frühling ins Kurzholz zurück und feierte schnell wieder beachtliche Erfolge. Schon im Mai stand er am Basellandschaftlichen «Kantonalen» in Muttenz im Schlussgang. «Schwingen ist wie Velofahren, das verlernt man nie mehr», sagt der gelernte Bäcker-Konditor, der heute als Finanzberater arbeitet.

Vieira zeigte sich nicht erstaunt, dass er auf dem Engelberg ob Dulliken den dritten Festsieg für den Schwingklub Aarau nach den Gebrüdern Mathias und Stephan Studinger (2009 und 2012) realisierte. «In dieser Saison klappt es für mich an den Wettkämpfen fast immer», erklärte er unmittelbar nach dem Schlussgang mit der Abgeklärtheit eines Routiniers. Er habe den Aufwand von einem auf zwei Trainings pro Woche erhöht, das helfe ihm zusätzlich...

Solothurn gegen Aarau

41 Schwinger traten auf der Engelberg-Hochebene zum 6. Hosenlupf an. Dabei entwickelte sich schnell ein Duell Solothurn gegen den Schwingklub Aarau. Die Vertreter aus der Aargauer Kantonshauptstadt meldeten ihre Ambitionen auf den Tagessieg mit sechs Kranzschwingern an. Bei nur fünf angetretenen Solothurner Kranzern gestaltete sich der Kampf um den Siegerpreis, das Braunviehrind Dayrona, schwierig. Vorjahressieger Urs Hauri kam nach seiner zweimonatigen Verletzungspause (schwere Schulterprellung) nur langsam in Schwung. Am Schluss stand der Niederbipper mit drei gewonnenen und drei «gestellten» Gängen zu Buche, womit er sich auf Rang 6 behauptete. «Damit bin ich zufrieden», erklärte er. Der Test für den Weissenstein-Schwinget am nächsten Samstag sei gelungen. «Die Schulter hat der Belastung standgehalten.»

Klemens Stegmüller verdiente sich den Schlussgangeinzug mit einem etwas glückhaften Sieg über Vorjahresfinalist Mathias Studinger. In einer Situation benötigte er die Gunst der Kampfrichter. Danach drehte er den Tagessieger des ersten Engelberg-Schwingets auf den Rücken. Mit der finalen Niederlage gegen Vieira fiel der 25-jährige Grindler dann aber auf Rang 4 zurück.

Überraschender Mümliswiler

Als bester Solothurner etablierte sich zuletzt überraschend der Mümliswiler Nichtkranzer Simon Stoll. Auch er hatte im Laufe des Wettkampfes gegen zwei Aarauer Schwinger Punkte eingebüsst. Aber im sechsten Gang konterte er den Angriff des Baselbieters Joel Bernardi mit einem Wyberhaken zum Plattwurf, der ihm den alleinigen 2. Rang eintrug. Der Solothurner Lorenz Blatter verfehlte den Schlussgang mit dem «Gestellten» gegen Vieira. Zuletzt wuchtete er den Innerschweizer Gast Markus von Ah mittels Kreuzgriff platt auf den Rücken, was ihm zu Platz 5 just vor Urs Hauri verhalf.

Verspäteter Abschluss

Anton Felder, OK-Präsident und «Vater» des Engelberg-Schwingets, zeigte sich am Schluss zufrieden, obwohl ein Jungschwinger mit der Rettungsflugwacht abtransportiert werden musste und sich der Festablauf um zwei Stunden verspätete. Über 1000 Besucher erlebten ein Volksfest mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm, das Jodler, Alphornbläser, Fahnenschwinger und Trychler und sogar Geislechlöpfer bestritten. Schade, dass der sportliche Höhepunkt viel zu spät und damit vor gelichteten Reihen stattfand.