Gemäss Präsident Heinz Krähenbühl kostete deren Erarbeitung jeweils etwa 3000 Franken. Also verzichtet er diesmal auf die Unterlagen und gibt nur das Aufstiegsgesuch ein. Mit dem Vermerk, die vollständigen Unterlagen im Falle eines sportlichen Aufstieges nachzureichen.

Mit Brief, datiert vom 17. März, kommt der Bescheid vom Lizenzausschuss: Die Unterlagen seien per 23. März einzureichen. Krähenbühl bekommt den Brief am 21. März und stellt am 22. März ein Gesuch um Fristerstreckung für die Einreichung der Unterlagen um vier Wochen. Am Montag, 28. März, die Antwort des Lizenzausschusses: Antrag auf Fristverlängerung abgelehnt, Aufstiegsgesuch damit auch abgelehnt. Mit dem Hinweis, es gebe keine Rekursmöglichkeit.

Den Huttwil Falcons wird also nicht aufgrund fehlender Infrastruktur oder fehlender Finanzen der sportlich erarbeitete Aufstieg verweigert. Sondern aufgrund eines Formfehlers. Ein in der Geschichte unseres Eishockeys erst- und einmaliges Ereignis. Obwohl Liga-Manager Werner Augsburger behauptet, es gebe keine Rekursmöglichkeit, reichen die Huttwil Falcons Rekurs ein. Dies bestätigt Präsident Heinz Krähenbühl. Und damit wird es hochinteressant.

Rechtsgrundsatz und Formalismus

Erstens ist der Entscheid des Lizenz-Ausschusses, die Erstreckung zu verweigern, gemäss Reglement rekurrierbar. Vom Rechtsgrundsatz her gibt es sowieso in solchen Verfahren kei-ne unrekurrierbaren Entscheide. Ein hochrangiger Hockeyjurist hat gegenüber dieser Zeitung nach Studium des Falles erklärt, dass ein Rekurs möglich ist. Die Rekursinstanz besteht aus Verbands-Boss Philippe Gaydoul, Liga-Präsident Marc Furrer und Liga-Manager Werner Augsburger.

Zweitens hat sich die Lizenzkommission mit dem Vorgehen möglicherweise dem Vorwurf des «überspitzten Formalismus» ausgesetzt und wohl auch gegen Treu und Glauben verstossen: Es wäre die Pflicht gewesen, die Huttwiler sofort und nicht erst am 17. März auf das Versäumnis aufmerksam zu machen und die fehlenden Unterlagen einzufordern. Falcon-Präsident Heinz Krähenbühl konnte im guten Glauben davon ausgehen, dass sein Vorgehen akzeptiert wird. Liga-Manager Werner Augsburger – er gehört nicht dem Lizenz-Ausschuss an – rechtfertigt sich: «Der Lizenzausschuss besteht aus drei Personen und hatte 25 Gesuche auf dem Tisch. Es war uns wegen Arbeitsbelastung nicht möglich, früher zu reagieren.» Eine Ausrede, die juristisch keine Bedeutung hat.

Vorgaben wären wohl erfüllt

Bleibt noch die Frage: Hätten die Huttwil Falcons überhaupt realistische Chancen auf eine Lizenz-Erteilung? Die Antwort lautet eindeutig: ja. Die Infrastruktur ist erstklassig und das Finanzierungsmodell plausibel. Auch wenn Markus Bösiger nicht mehr als Sponsor auftritt. Bösiger ist Besitzer des Stadions und kann das Eis zum Nulltarif zur Verfügung stellen. Der Aufbau einer Administration mit vier bis sechs Vollzeitstellen ist ebenfalls nicht notwendig. Weil die Geschäfte der Falcons über die bestehenden Büros von Markus Bösiger laufen. Deshalb ist ein Budget von weniger als 2 Millionen realistisch.

Scheitert der Aufstieg der Falcons letztlich an einem Formfehler, ist für Präsident und Mitbesitzer Heinz Krähenbühl Lichterlöschen: «Dann ziehe ich mich aus dem Eishockey zurück.» Auch Markus Bösiger, der die anderen 50 Prozent der Falcons AG besitzt, sagt, dass er dann nicht mehr weitermachen werde. «Wahrscheinlich ergibt es dann mehr Sinn, im Eisstadion Kunstrasen für den Fussball zu verlegen.» Das wäre auch das Ende des Erstligaclubs Huttwil Falcons.