Nein, eine 18-Gault-Millau-Kost war es wahrlich nicht, die die NLB-Handballer des TV Solothurn ihren Fans anlässlich des «Spitzenkampfes» gegen den BSV Stans vorsetzten. Spitzenkampf wohlverstanden im verkehrten Sinn der Tabelle. Vor der Begegnung zierten die beiden Equipen die letzten Plätze. Ein Second-Hand-Gipfeltreffen im Tabellenkeller also. Um zurück zur Kost zu kommen – das Menu hatte letztlich mehr mit günstigen Mikrowellen-Canelloni denn edler Feinkost zu tun. «Es wäre viel mehr für uns dringelegen», hielt denn der beste Solothurn, Goalie Jan Tatarinoff, auch fest. Aber: «Wenn man so viele Penaltys verschiesst, und ausserdem noch ebenso viele hundertprozentige Torchancen auslässt darf man sich nicht wundern, wenn man verliert.»

Totalschaden am Penaltypunkt

In der Tat: Die 7-Meter-Bilanz der Solothurner ähnelte einem Totalschaden. In der ersten Halbzeit versiebten die Gastgeber fünf von fünf Penaltys – am Ende waren es acht von zehn. Eine 80-prozentige Misserfolgsquote also Freilich gilt es festzuhalten, dass mit Sandro Sieber der Penaltyschütze vom Dienst des TVS gesperrt war. Dies nach einer Tätlichkeit zuletzt in der Partie gegen Kreuzlingen. Sieber seinerseits weist sonst eine Penalty-Erfolgsquote von 80 Prozent auf. Diese hätte in der Causa «Heimspiel gegen Stans» genügt, um die ebenfalls keineswegs vor überragender Technik, Taktik und Kampfkraft strotzenden Innerschweizer in die Schranken zu weisen.

Den Gegner stark gemacht

So allerdings «haben wir den Gegner richtig aufgebaut», sagte Tatarinoff. Allen voran seinen Antipoden im BSV-Tor. Mit jedem parierten Siebenmeter sendete dieser quasi einen Energieriegel für die Moral Richtung seiner Truppe. Lagen die Gäste zur Pause nur mit 9:8 vorn vermochte sich die Equipe von Ex-Nationalspieler Carlos Lima kurz nach Beginn definitiv abzusetzen. Hätten indessen die Einheimischen nach 30 Minuten mit fünf oder sechs Treffern geführt, es wäre weder unverdient noch unverschämt gewesen. Schon eher einfach effizient. Einmal mit drei, vier Treffer in Front jedoch liessen sich die Stanser die Butter nicht mehr vom Brot klauen. Vorab Limas Sohn, Gianluca, die Abwehr der Solothurner nun Mal für Mal durchlöcherte. Die Rot-Weissen mussten nebst Sieber auch auf Goalgetter Matthias Blaser verzichten. Dies, da der Junioren-Internationale gleichzeitig mit den Elitejunioren des BSV Bern Muri im Einsatz stand.

Fatale Unterbrüche

Als TVS-Coach Zsolt Toth noch in der ersten Halbzeit beim Stand von 5:3 ein Timeout genommen hatte, war es in der Folge der Gegner, der den Unterbruch in Effizienz umsetzte. Sprich an der Schwäche von Solothurn änderte sich nach dem «Reminder punkto Kaltblütigkeit» nichts – dafür kam Stans in die Gänge. Und auch nach der Pause, erneut nach einem längeren Break also, war es Stans, das danach die Vorentscheidung einleitete. Tut den Solothurnern ergo ein Unterbruch nicht gut? Jan Tatarionff: «Ich glaube nicht. Wir waren weder vor dem Timeout noch der Pause in Schwung und konnten das diesmal auch nach den Unterbrüchen auch nicht ändern.» Und wie sehr hat der Goalie mit der Harmlosigkeit seiner kollegialen Penaltyschützen mitgelitten? «Man leidet schon mit – aber gegen Ende hatte ich mich fast daran gewöhnt.» Nun, nach der 22:28-Pleite ist der TV Solothurn jetzt Tabellenletzter. «So langsam sollten wir also unsere Punkte holen», sinniert der TVS-Keeper. In der Tat. Nun, nach der Pleite gegen Stans bleibt immerhin die Erkenntnis: Das nächste Menu kann nur noch besser munden.