Das hat es in der Solothurner 3. Liga noch nie gegeben: Nach dem momentanen Stand kommt in der Gruppe 1 weder der Leader Subingen, noch der Türkische SC Solothurn auf Platz zwei und HNK Croatia auf Platz vier für die beiden Plätze in den Aufstiegsspielen infrage. «Die Klubs Türkischer SC Solothurn und HNK Croatia haben die Pflicht zur Juniorenförderung gemäss Ziffer I.22. der allgemeinen Weisungen zum Wettspielbetrieb für die Saison 2016/17 nicht erfüllt und können deshalb nicht an den Aufstiegsspielen 3./2. Liga teilnehmen», dies die offizielle Mitteilung des Solothurner Fussballverbands (SOFV).

Welche Bedingungen die Solothurner Vereine im Bereich der Nachwuchsförderung erfüllen müssen, wenn sie in der höchsten Liga des Kantons spielen wollen, steht im Wettspielreglement. Ein Verein muss entweder zwei Juniorenteams stellen, wovon eines bei den Junioren C (oder Juniorinnen B) und eines bei den Junioren D oder E registriert sein muss. Oder der Verein hat mindestens 30 qualifizierte Junioren der Kategorien E, D und/oder C in einer Gruppierung. Zudem heisst es im Reglement des SOFV: «Bei Nichterfüllen besteht kein Recht zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen für die 2. Liga. Die Pflicht zur Juniorenförderung kann nicht mit einer Geldzahlung abgegolten werden.»

Diese Bedingungen führte der Solothurner Fussballverband auf die laufende Meisterschaft ein. Weil die Mehrheit der Klubs an der Delegiertenversammlung dafür war. So muss denn auch Serdal Demiral, der Trainer des Türkischen SC Solothurn, den Entscheid des Verbandes schlucken: «Die Mehrheit hat zugestimmt, das Reglement wurde eingeführt und die Klubs wurden auch rechtzeitig informiert.» Daran lasse sich nicht rütteln. Fair seien die Auflagen aber nicht, stellt Demiral klar: «Die Bedingungen sind viel zu streng. Im Kanton Bern reicht es ab der Saison 2017/18 zum Beispiel bereits, ein Nachwuchsteam oder zwanzig Junioren in einer Gruppierung zu stellen.»

Ist der Stichtag zu früh?

Das grösste Problem sei der Stichtag im Juni: «Die Saison beginnt im August. Im Juni haben die meisten Vereine noch nicht einmal alle ihre Transfers abgewickelt. Der Stichtag müsste unbedingt angepasst werden.» Demiral verweist auf die interregionale 2. Liga. Dort müssen die Klubs ähnliche Anforderung erfüllen. Der Stichtag ist allerdings der 1. April, also der Rückrundenstart. «Das gibt den Klubs die Chance, korrigierend einzugreifen und die Anforderungen während der Saison doch noch zu erfüllen», sagt der Trainer des Türkischen SC Solothurn. Bitter für Demiral und sein Team: Mittlerweile erfüllt der Klub die Anforderungen des Verbandes. «Wir haben seit dem 1. April ein E-Junioren-Team und über dreissig Junioren, die in einer Gruppierung spielen», erklärt Demiral.

Der Türkische SC Solothurn habe auch nicht erst jetzt begonnen, den Nachwuchs zu fördern, stellt er klar: «Wir haben seit vielen Jahren eine Gruppierung mit dem SC Blustavia und Post Solothurn.» Deshalb habe der Verein beim SOFV auch Einsprache eingereicht und auf Flexibilität vonseiten des Verbandes gehofft. Vergeblich, die Türken dürfen definitiv nicht an den Aufstiegsspielen teilnehmen. «Der Verband wollte das Reglement nicht während der Saison anpassen», sagt Demiral, «der Stichtag kann frühestens an der nächsten Delegiertenversammlung angepasst werden.»

Kein Platz für Juniorenförderung

In den Augen von Serdal Demiral hat das neue Reglement gewaltige Lücken. Er setze sich zwar definitiv auch für die Juniorenförderung, die Zukunft des Sports, ein. «Aber so ist es einfach nur ein Witz. Wir könnten ja dreissig Jungs vom Schulhausplatz holen und ihnen Lizenzen ausstellen. Dann hätten wir auf dem Papier zwei neue Juniorenteams. Der Verband könnte dies gar nicht kontrollieren.» Er warnt auch davor, dass die Vereine einander die Junioren nun noch früher abwerben. Und er bringt gleich noch eine ganz andere Problematik ins Spiel. Die fehlenden Plätze: «Man soll Junioren fördern, aber auf dem Brühl in Solothurn trainieren jetzt schon acht Vereine. Es gibt schlicht zu wenig Platz.» Vor allem die ausländischen Mannschaften müssten immer mehr dafür kämpfen, dass sie überhaupt noch zu ihren Trainingszeiten kommen.

Dass es heuer nichts wird mit dem Aufstieg in die höchste Liga des Kantons, hat der Türkische SC Solothurn akzeptiert. «Für die Spieler war es ein Tiefschlag, als wir sie im November informierten», so Demiral, der sich gewünscht hätte, dass sein Team trotz fehlender Aufstiegsberechtigung an den Aufstiegsspielen hätte teilnehmen dürfen: «Wir haben uns diese drei Bonus-Spiele und die damit verbundenen Zusatzeinnahmen für den Verein verdient. Aber offenbar gönnt uns das der Verband auch nicht.»

Dass nun der FC Lommiswil und Post Solothurn oder Rüttenen nachrutschen dürfen, ist in seinen Augen nicht gerecht: «Die haben es sportlich nicht verdient, die Aufstiegsspiele zu bestreiten. Dann hätte der Verband lieber die zwei besten Mannschaften der anderen Gruppe aufsteigen lassen.» Ein Trost bleibt dem Türkischen SC Solothurn auch ohne Aufstiegsspiele: der Cupfinal gegen FC Bellach am 25. Mai.