Finanziell mag diese Beurteilung stimmen. Dem Klub ist es offenbar gelungen, die Schuldenlast im Winter von 150 000 Franken auf ein paar wenige Zehntausende zu reduzieren. Deswegen gleich von Aufbruchstimmung zu sprechen, wäre aber verfehlt.

Das Team knüpft dort an, wo es im Herbst aufgehört hatte. Sportlich gab der FC Grenchen in den letzten Wochen ein desaströses Bild ab. Wirklich verwunderlich ist es nicht, das Ausmass aber dennoch erschreckend. Der angekündigte Aufschwung ist ausgeblieben. Die Mannschaft von Trainer Patrick Bösch knüpfte nahtlos dort an, wo sie im Herbst in der Meisterschaft aufgehört hatte.

Grenchen verlor zweistellig

Von den elf Partien gingen neun verloren. Teilweise zweistellig, teilweise gegen Teams, die zwei Ligen tiefer als die Grenchner spielen. Mehr als 40 Spieler haben Bösch und sein Sportchef Renato Brun getestet. 25 überstanden die interne Aushebung. Sie wurden für tauglich befunden und gehören dem Kader in der heute beginnenden Rückrunde an.

Rechnerisch dürfen sich die Grenchner noch Hoffnungen auf den Ligaerhalt machen. Der Rückstand auf den rettenden zehnten Platz beträgt nur vier Punkte. So wie sich die Mannschaft präsentiert, würde es erstaunen, wenn noch weitere Zähler dazukommen. Den meisten Spielern mangelt es am Grundlegenden. Es sind die einfachsten Dinge, sowohl taktisch wie technisch, die nicht funktionieren. «Wie sollen sie auch?», fragt Trainer Bösch nicht einmal zu Unrecht.

Austausch der Mannschaft hat nichts gebracht

Er konnte kein einziges Training auf Rasen durchführen. In Grenchen gesellt sich das eine zum anderen. Es gibt kein Kunstrasenplatz und für eine externe Platzmiete fehlte das Geld. Die Planungen laufen bereits zweigleisig. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Entlassung der gesamten Mannschaft nach der Vorrunde dem Klub ausser medialer Aufmerksamkeit nichts gebracht hat.

Die Truppe von Patrick Bösch besitzt auch nach dem Facelifting höchstens 2.-Liga-Format. So betrachtet dürfte der Rest der Meisterschaft bereits zum Probegalopp für die kommende Saison werden. Denn ausser dem Trainer glaubt niemand mehr wirklich an den Ligaerhalt. Sogar die Vereinsleitung plant offenbar
schon zweigleisig. Das Bemerkenswerte daran: Nicht für die 2. Liga interregional, sondern gleich für die 2. Liga regional.