Zumindest um Geld muss sich Daniela Ryf kaum mehr Sorgen machen. Die 28-jährige Triathletin steht beim Team von Scheich Nasser Al Khalifa aus Bahrain unter Vertrag und knackte 2015 den ganz grossen Jackpot. Nachdem sie die sogenannte «Triple Crown»-Serie für sich entschieden hatte, durfte sie sich über ein Preisgeld von einer Million US-Dollar freuen.

Die Feldbrunnerin gewann zuvor schon die Ironman-WM auf Hawaii, sie blieb die ganze Saison über ungeschlagen und schliesslich wurde sie gar zur «Sportlerin des Jahres» gewählt. Auch sonst verdiente sie im vergangenen Jahr ordentlich: Insgesamt soll sie Preisgelder von 1,5 Millionen US-Dollar kassiert haben. Hinzu kommen die Gagen von Sponsoren in unbekannter Höhe, Ryf hat unter anderem ein Engagement mit dem Getränkemulti Red Bull.

Daniela Ryf beim Zieleinlauf in Bahrain

Eher als Zustupf ist da schon der Erfolgsbeitrag zu betrachten, den sie für das Jahr 2015 aus dem Sportfonds des Kantons Solothurn erhalten hat. Der Regierungsrat liess ihr kürzlich 8000 Franken überweisen. Daniela Ryf selbst hatte in einem Gesuch darum gebeten. Für ihre Verhältnisse mag das zwar eine bescheidene Summe sein.

Doch die Regierung begibt sich mit dem Beitrag auf unsicheres Terrain: Dürfen Profiathleten vom Sportfonds unterstützt werden? Als solche gelten Sportler, die ihre Einkünfte «hauptsächlich aus der Ausübung ihrer Sportart und der Vermarktung ihrer Person ziehen».

Beitragsberechtigt sind grundsätzlich nur «nicht kommerziell ausgerichtete» Vereine, Verbände und Einzelsportler, heisst es in den Richtlinien des Kantons. Und gemäss Bundesverfassung müssen die Gelder der kantonalen Sportfonds für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden. Gespeist werden die Fonds mit dem Erlös aus Glücksspielen. 

Es bestehen kaum Zweifel daran, dass Daniela Ryf in die Kategorie der Profiathleten fällt. Davon zeugen nicht nur ihre Einkünfte. Interviews zufolge bestreitet sie mit dem Sport schon seit Jahren ihren Lebensunterhalt.

Ein anderer Massstab

Die kantonalen Sportfonds sollen vor allem den Breitensport fördern. Gerade kleine Vereine sind auf sie angewiesen. Ohne deren Geld könnten sich manche weder neue Bälle noch Fussballtore leisten, schon gar nicht die Sanierung des Klubhauses. Ebenso unverzichtbar ist die Unterstützung für Nachwuchsathleten. Am Ende bleibt es aber den Kantonen überlassen, wie sie die Lotteriegelder verteilen. Bei Bedarf lassen sich die Bestimmungen sehr grosszügig interpretieren. Deshalb sind Vergaben aus den Fonds oft ebenso beliebt wie umstritten.

So kommt etwa auch eine erfolgreiche Profiathletin wie Daniela Ryf in den Genuss eines Beitrags. Tatsächlich sehen die Behörden darin kein Problem. «Erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler sind für die Sportförderung eines Kantons gesamthaft wichtig», sagt Ursula Brunschwyler. Die Leiterin des Solothurner Lotteriefonds spricht von «Aushängeschildern». Beiträge würden als Anerkennung und als Unterstützung für erfolgreiche Sportler ausbezahlt, so wie es die offiziellen Richtlinien vorsehen.

Dass die Beiträge gemäss ebendiesen Richtlinien ausschliesslich für nicht kommerzielle Zwecke eingesetzt werden dürfen, verneint Brunschwyler zwar nicht. Das Kriterium werde jedoch «in ständiger Praxis» nur bei Organisationen angewendet. Für Einzelsportler gilt demnach ein anderer Massstab, laut Brunschwyler aus mehreren Gründen: Wer auf internationalem Parkett aktiv sei, habe meist lange Jahre mit keinem oder wenig Verdienst hinter sich. Und künftige Erfolge seien ungewiss. Zudem gehe mit dem Hochleistungssport auch eine Professionalisierung einher.

Der Übergang von Amateursport zum Profisport lasse sich oft kaum mehr abgrenzen, sagt Brunschwyler. «Es wäre schwierig, eine Grenze zu ziehen, ab welcher Einnahmenhöhe von kommerziell gesprochen werden könnte.»

Offen bleibt vorerst die Frage, warum Daniela Ryf nach ihrem Millionengewinn überhaupt noch beim Sportfonds angeklopft hat. Die Triathletin war für diese Zeitung nicht erreichbar.