Heute Abend (20.15) fällt in der Sagibach-Halle in Wichtrach die Entscheidung, gegen wen der EHC Zuchwil Regio im 1.-Liga-Playoff-Final antreten wird. Wiki-Münsingen hat die Best-of-5-Serie gegen Burgdorf ausgeglichen (2:2). Mit 4:2 hat sich die Truppe von Trainer Stefan Gerber in der Emmestadt in Spiel 4 durchgesetzt. Dabei bewiesen die Aaretaler, dass sie unter ihrem neuen Coach lernen, mit Gabel und Messer zu essen und erst noch die Serviette adrett und dem «comment»-folgend auf dem Schoss zu platzieren. Sprich, das legendäre Bandengehobel und Vollgas-ab-durch-die-Mitte-Krafthockey der «Wikeler» weicht einem versierteren taktischen und filigraneren technischen System.

«Ich kämpfe schon die ganze Saison», sagt Gerber mit einem Augenzwinkern. Inzwischen aber scheinen seine Leute seien Lektionen zu verinnerlichen. Selbst wenn die Milch ab und zu immer noch überkocht und in der Hitze des Gefechts Positionen verloren gehen oder dumme Strafen genommen werden.

Ausgerechnet Gerbers Wiki

Der Reiz, den Playoff-Final gegen seinen Ex-Klub zu bestreiten, ist es also nicht, der Wiki-Münsingen und seinen Coach Stefan Gerber antreibt, die Halbfinal-Serie gegen Burgdorf überraschend spannend zu machen. Und doch hätte das Ganze zweifellos etwas Reizvolles.

Gerber wurde letzte Saison von Zuchwils Präsident Walter Ulrich nach dreijähriger Tätigkeit auf das vierte Playoff-Finalspiel gegen Burgdorf abgesetzt. Übernommen hatte der damalige Assistent Max Weibel. Weibel ist aktuell auch unter Juri Woschakow Co-Pilot an der Bande; dürfte aber bald zum Chefcoach in Zuchwil aufsteigen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Woschakow in die Nationalliga zurückkehren möchte.

Lieber Wiki als Burgdorf

Trotz besagter Trainer-Rochade verpassten die Solothurner letzte Saison den Gruppensieg und mussten Burgdorf den Vortritt lassen. Nun also könnten just der seinerzeit geschasste Trainer Gerber und sein Wiki dafür sorgen, dass Zuchwil kein Déjà-vu erleben kann – im Playoff-Final also nicht wieder auf Burgdorf trifft. «Ich könnte mir schon vorstellen», sagt Stefan Gerber, «dass Zuchwil den Final lieber gegen uns als gegen Burgdorf spielen würde.»

Wobei der 49-Jährige festhält: «Zuchwil ist wirklich eine sehr starke Mannschaft. Durch die Zuzüge auf diese Saison hin sind sie noch ausgeglichener und spielerisch noch stärker geworden. Das hebt sie vom Rest der Liga ab.»

Schlechte Bilanz

Vom mentalen Aspekt her freilich dürfte Gerber recht haben. Immerhin hat der Sieger der Regular Season heuer gegen Burgdorf nur zwei von vier Spielen gewonnen. Einmal unterlag Zuchu dem EHCB in der Quali daheim mit 0:3; einmal verlor man in der Masterround auswärts 3:4. Gegen Wiki-Münsingen auf der anderen Seite hat sich der zweifache Amateurschweizermeister heuer viermal durchgesetzt.

«Krass war es aber nie», hält Gerber zu den Niederlagen gegen seinen letztjährigen Klub fest. Sollte also Wiki heute vor heimischem Publikum den dritten Sieg «en suite» gegen Burgdorf einfahren und sich so für den Playoff-Final qualifizieren, tun die Zuchwiler gut daran, den Gegner nicht als Fast Food abzutun. Ansonsten können ihnen die «Burger und Pommes» schnell im Hals stecken bleiben. Wiki und seine starken Männer darf man nie unterschätzen – oder wie Stefan Gerber sagt: «Wir standen schon mit dem Rücken zur Wand, jetzt begegnen wir dem Gegner wieder in der Mitte des Eisfelds.»