Triathlon
Max Studer und die Lichtblicke im harten Trainingsalltag

Max Studer aus Kestenholz lanciert nach monatelangen Trainingseinheiten am Samstag auf Gran Canaria seine Wettkampfsaison. Der Olympia-Fahrplan des Triathlon-Profis stimmt, wie er kürzlich bei einem 10-km-Lauf mit persönlicher Bestleistung unter Beweis stellte.

Silvan Hartmann
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Endlich wieder ein Wettkampf: Max Studer steht am Samstag auf Gran Canaria im Einsatz.

Endlich wieder ein Wettkampf: Max Studer steht am Samstag auf Gran Canaria im Einsatz.

Pascal Muller

Wenn Max Studer am Samstag auf Gran Canaria zum Triathlon über die olympische Distanz (1,9 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen) antritt, dann wird er 231 Tage ohne Wettkampfeinsatz verbracht haben – für einen Profiathleten eine halbe Ewigkeit. Anfang September, vor mehr als sieben Monaten, setzte der 25-jährige Solothurner ein dickes Ausrufezeichen, indem er mit Platz 10 an der Triathlon-WM in Hamburg sein bislang bestes Resultat erzielte.

Es gab ihm Motivation für einen langen und harten Winter, den er mehrheitlich in der Trainingsbasis in St. Moritz verbrachte und weiter an seiner Entwicklung und Form arbeitete. Im Februar hätte Studer, der beste Schweizer Triathlet, mit seiner Trainingsgruppe und Trainer Brett Sutton in der zweiten Swiss-Triathlon-Trainingsbasis auf Gran Canaria gerne ein dreiwöchiges Trainingslager absolviert, was aber aufgrund der Coronapandemie nicht zu Stande kam.

Kopfvoran ins Getümmel: Max Studer.

Kopfvoran ins Getümmel: Max Studer.

Pascal Muller

Und so standen Trainings im Schwimmbad und im Gym in St. Moritz statt Einheiten bei Frühlingstemperaturen draussen in der Natur von Gran Canaria auf dem Programm. Gehadert hat Max Studer deswegen nie, auch eine mentale Ermüdung kam nie auf. «Mir war es nie schwergefallen, ich war immer sehr motiviert, auch, weil wir immer Kontinuität hatten. Als Teil der Trainingsgruppe und mit Trainer Brett Sutton konnte ich viele Fortschritte erzielen. Wir haben definitiv das Beste herausgeholt», sagt er rückblickend.

Fokus auf Wettkämpfe in Europa

Am 1. Mai öffnet nun der Triathlonverband ITU das Qualifikationsfenster für die Olympischen Spiele, dies, nachdem seit März 2020 die Weltrangliste wegen der Coronakrise für 14 Monate eingefroren war und ausser der Triathlon-WM in Hamburg im September keine Events stattgefunden hatten. Die Athleten werden sich bis am 21. Juni für Olympia qualifizieren können, fünf Wettkämpfe werden in dem Zeitrahmen über die Bühne gehen: die beiden WTS in Yokohama und Leeds sowie die Weltcups in Lissabon, Arzachena (Sardinien) und Huatulco (Mexiko).

Max Studer hat sich mit seinem Team dazu entschlossen, die langen Reisen nicht auf sich zu nehmen und den Fokus auf die Rennen von Lissabon, Leeds und Arzachena zu setzen. «Und je nach dem, wie es läuft, würde ich dann auch Mexiko auslassen», sagt er. Lieber absolviert er in Gran Canaria noch einmal ein Trainingslager, das er umgehend nach dem Wochenende und dem ersten Wettkampf-Triathlon seit September für drei Wochen in Angriff nehmen wird.

Neues Velo getestet, Bestzeit im Laufen egalisiert

Von einem solchen Camp auf der kanarischen Insel kam Max Studer erst kürzlich zurück, es kam Wochen später im März/April doch noch zu Stande. Und in dieser Zeit forcierte Studer das Training auf dem Rennrad. Dabei nutzte er die Zeit, ein neues Bike zu testen und kennen zu lernen, da er von CKT auf Orbea umgesattelt ist. Auch sonst lehnte er sich nicht zurück: Bereits um 7 Uhr stand mit einem eineinhalb bis zwei Stunden Schwimmtraining die erste Trainingseinheit des Tages auf dem Programm. Danach ging es für das Morgenessen zurück in die Unterkunft, worauf ein einstündiges Training auf dem Velo anstand, gekoppelt an eine Laufeinheit über 30 Minuten. Schliesslich warf sich Studer am Nachmittag für weitere zwei Stunden auf das Rad. Am Folgetag fokussierte sich Studer jeweils verstärkt auf intensive Lauftrainings mit Steigerungsläufen, Sprints und Intervall – über den Tag hinweg bis zu vier Stunden.

Das harte Training sollte sich bereits vor dem ersten Triathlon-Ernstkampf ein erstes Mal auszahlen: Max Studer reiste vom Camp zurück in die Schweiz und nahm am Folgetag an einem 10-Kilometer-Lauf in Sierre teil, in dem er seine Bestleistung um mehr als 30 Sekunden auf 29:22 Minuten egalisierte. «Ich bin sehr happy, dass sich die Fortschritte bereits bemerkbar machten und ich trotz Ermüdung vom Trainingslager und der Anreise eine super Zeit laufen konnte. Das gibt mir grosse Zuversicht für kommende Wettkämpfe», so Studer glücklich.

Olympia-Fahrplan stimmt – und darüber hinaus

Am Montag, 26. Juli, drei Tage nach der Eröffnung der Sommerspiele, werden die Triathleten in Tokio gefordert sein. Es ist eines der grossen Ziele von Max Studer in dieser nach wie vor unsicheren Saison. Noch ist nicht klar, ob sein Olympiatraum in Erfüllung gehen wird. Doch Max Studer, der sich auf Position 31 der eingefrorenen Weltrangliste befindet, steht einer ausgezeichneten Ausgangslage gegenüber. Gelingt ihm in den drei bevorstehenden Rennen ein Top-Platz, ist ihm ein Startplatz in Tokio so gut wie sicher.

Grossen Wert legt Swiss Triathlon auf das Teamrelay, der Wettkampf im Team wird an Olympia genauso bedeutend sein wie die Rennen der Einzelathleten, was auch Max Studer selbst seinen Einzelwettkämpfen gleichstellt. Und dann ist da überhaupt noch die Grundsatzfrage, ob die Olympischen Spiele überhaupt stattfinden. Max Studer sagt, er habe in der Coronapandemie gelernt, alles zu akzeptieren, was er nicht beeinflussen könne.

«Olympia ist etwas vom Grössten, aber für mich letztlich ein Teilziel. Triathlon ist meine grosse Leidenschaft und mein Beruf. Ich möchte einer der besten Triathleten der Welt werden. Darauf konzentriere ich mich und gebe mein Bestes, damit ich jeden Tag besser werde.»

Das nächste dicke Ausrufezeichen will Studer am Samstag in Gran Canaria setzen.

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