Triathlon
Erfreulicher Saisonabschluss an der Super League: Max Studer gewinnt wichtige Erkenntnisse - und streicht Preisgeld ein

Max Studer schliesst die vierteilige Super League Triathlon auf dem 14. Platz ab und streicht dabei 16500 Dollar ein. Noch viel ­wichtiger: Der Triathlon-Profi aus Kestenholz gewinnt wichtige Erkenntnisse für die Zukunft und peilt schon das nächste Projekt an.

Silvan Hartmann Jetzt kommentieren
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Max Studer auf der Laufstrecke der «Super League Triathlon» in London.

Max Studer auf der Laufstrecke der «Super League Triathlon» in London.

Super League Triathlon | superleaguetriathlon.com

Vier Rennen an vier verschiedenen Orten in nur 20 Tagen, dazwischen kurze Erholungszeiten und viele Reisekilometer: Die Super League Triathlon forderte von den Athletinnen und Athleten körperlich wie auch mental alles ab. Mittendrin: Max Studer, der die Ehre hatte und als einer der 20 weltbesten Triathleten daran teilnehmen durfte. «Es war eine tolle Erfahrung und eine coole Möglichkeit, auf der ganzen Welt wieder Rennen bestreiten zu können. Es war auch interessant, Leuten unseren Sport an Orten näherzubringen, wo er noch nicht so bekannt ist», sagt Studer.

Sportlich ergab sich für den 25-jährigen Solothurner in der Endabrechnung ein 14. Rang. «Ich bin etwas enttäuscht, ich hatte mir sicher mehr erhofft. Doch die ganze Vorbereitung auf Olympia und die Spiele selbst waren sehr kräftezehrend, das habe ich zu spüren bekommen», sagt Max Studer und hält fest: «Wer in diesen Wettkämpfen mit den Allerbesten nicht topfit startet, der hat es auf diesem Niveau enorm schwierig.»

Erstmals überhaupt nahm Max Studer an der vierteiligen Super-League-Triathlon-Rennserie teil, die sich einen Namen gemacht hat, ungewohnte Wege zu begehen, indem festgefahrene Muster über Bord geworfen und neue Formate ausprobiert werden. So stand an jedem der vier Austragungsorte ein anderes Triathlon-Format auf dem Programm. In London etwa wurden drei Sprint-Triathlons, mit wenigen Minuten Pause dazwischen, ausgetragen, wobei immer in einer anderen Disziplin gestartet wurde und jeweils die schwächsten Athleten ausschieden. Am besten kam der Olympia-Neunte am zweiten Wettkampfort in München zurecht, indem er als eines seiner Highlights die drittbeste Radzeit herausfuhr, insgesamt Platz 10 erreichte und damit sein Bestresultat erzielte. In London erkämpfte er sich Platz 11, auf der britischen Insel Jersey gab es einen 13. Rang und im kalifornischen Malibu bekam der Solothurner seine lange Saison mit Platz 21 zu spüren.

Die Highlights des Events in London.

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Der Gesamtsieg im Team Eagles

Als grosses Highlight der Rennserie streicht Max Studer den Teamsieg heraus. Anders als in den üblichen Triathlon-Wettkämpfen galt es, in der Super League Triathlon auch als Team zu punkten. Die 20 Athletinnen und 20 Athleten wurden im Vorfeld von Teamführern im Draft-Verfahren gezogen. Der Solothurner wurde ins Team Eagles gewählt, das letztlich als Gesamtsiegerin hervorging. Der Teamgedanke habe sehr viel zu einer grossen Spannung beigetragen und habe für eine erfrischende Dynamik und Atmosphäre gesorgt. «Wir haben uns ja schon vorher gekannt, aber man lernt sich beim gemeinsamen Reisen, Trainieren oder sonst Dinge-Unternehmen näher kennen. Wir haben uns sehr gut verstanden», sagt Studer, der im gleichen Team wie etwa der Brite Alex Yee, Silbermedaillen-Gewinner von Tokio und Super-League-Gesamtsieger, war.

Die Highlights aus Jersey.

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Die Teilnahme an der Super League Triathlon brachte den netten Nebeneffekt mit sich, dass Max Studer mit 16500 Dollar nach Hause reiste, allein 15000 Dollar davon strich er als Mitglied des Siegerteams ein. Für den Single-Gesamtsieg gab es 50000 Dollar, für einen Tagessieg wurden 20000 Dollar ausbezahlt. Die Veranstalter, die für sämtliche Reisekosten, Übernachtungen und Verpflegungen aufkamen, strichen im Verlauf des Wettkampfs gerne die lukrativen Preisgelder mit einer Ausschüttung von insgesamt 1,2 Millionen Dollar heraus. Kein Wunder: Nirgendwo sonst werden im Triathlonsport in einer vergleichbaren Zeitspanne ähnlich viel Preisgelder ausgeschüttet.

Max Studer machte keinen Hehl daraus, dass dies ein zusätzlicher Ansporn war, so war doch seine Olympia-Saison nicht nur zeitlich und körperlich fordernd, sondern auch finanziell äusserst aufwendig. In diesem Rahmen, wie es der 25-Jährige als Vollprofi lebte, war dies nur dank Unterstützung des Schweizer Militärs, der Sporthilfe, Familie und Sponsoren möglich. «Es ist schön, dass man als Spitzensportler auch auf diese Weise Wertschätzung erfährt und für die harte Arbeit ein bisschen entlöhnt wird», sagt Studer, der hofft, dass der Sport sich weiter professionalisiert und zumindest mal die erweiterte Weltspitze bald mit Wettkampf-Preisgeldern ihren Lebensunterhalt sicherstellen kann.

Für Studer war das 20-Tage-Abenteuer aber viel mehr wert als das Preisgeld. «Ich habe viele Erkenntnisse gewonnen, die ich gerne mitnehme und an denen ich in den kommenden Trainings arbeiten möchte.» Schon im Vorfeld war der Kurzsprint-Europameister gespannt darauf, wie er auf die kurzen Erholungszeiten und die Reisestrapazen reagieren würde. Tatsächlich trafen seine Befürchtungen ein: «Ich tat mich schwer damit, es war ein nicht zu unterschätzender Faktor. Ich baue noch immer etwas schneller ab als andere Athleten. Ich muss daran arbeiten, dass ich beim Reisen nicht zu viel Energie verliere. Um besser damit umgehen zu können, brauche ich weitere Erfahrungen, ich werde mich daran gewöhnen müssen», bilanziert er.

Das nächste Grossprojekt: Lauftraining in Kenia

Mit der Super League Triathlon hat Max Studer eine kräftezehrende Saison abgeschlossen. Das geplante letzte Rennen, die Weltmeisterschaften auf Bermuda, wurde abgesagt. Nach einigen Tagen Erholung in Kestenholz ist er in seine Trainingsbasis nach St. Moritz zurückgekehrt. Dort will er weiter an sich arbeiten, besonders im Schwimmen habe er die grösste Lücke wettzumachen.

Im November soll dann das nächste grössere Projekt folgen: Max Studer will einen Monat lang sein Augenmerk auf seine bereits jetzt grösste Stärke, das Laufen, legen. Dafür will er nach Kenia reisen und sich einer professionellen Trainingsgruppe anschliessen. «Es ist beeindruckend, wie die Nation Kenia den Laufsport seit Jahren dominiert. Davon will ich profitieren», sagt Studer begeistert. Und dabei, wer weiss, könnte das eine oder andere Training mit dem Schweizer Lauftalent Julien Wanders, der in Kenia lebt und trainiert, zu Stande kommen. In der Agenda Max Studers steht in den Wintermonaten auch wiederum ein Trainingslager auf Gran Canaria, ehe er dann im März erholt und gestärkt die neue Saison in Angriff nehmen dürfte.

Die Highlights vom Rennen in Malibu

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