Triathlon
4 Rennen an 4 Orten in 20 Tagen: Max Studer will es nach Olympia wieder wissen

Max Studer aus Kestenholz will es zum Ende einer intensiven Olympia-Saison noch einmal wissen und nimmt auf Einladung an der vierteiligen Super League der 20 weltbesten Triathleten teil. Auftakt in die Serie ist am Sonntag in London.

Silvan Hartmann
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Triathlet Max Studer während des Wettkampfes an den Olympischen Spielen in Tokio.

Triathlet Max Studer während des Wettkampfes an den Olympischen Spielen in Tokio.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

In diesen Monaten geht nach über fünf Jahren aufgrund der Coronapandemie und der um ein Jahr verschobenen Spiele ein ungewöhnlich langer Olympia-Zyklus zu Ende. In dieser Zeit ist der 25-jährige Max Studer aus dem solothurnischen Kestenholz vom Amateur zum Profiathleten gereift. Mehr noch: Er ist in den dreieinhalb Jahren, in denen er mittlerweile in St. Moritz unter dem Triathlon-Startrainer Brett Sutton seinen Traum lebt, in die absolute Weltspitze vorgestossen. Eines der Ausrufezeichen und Highlights: Der EM-Titel in der Elite in Kitzbühel einen Monat vor den Spielen.

In Tokio verpasste Studer im Einzel ein olympisches Diplom um lediglich 6 Sekunden (9. Rang), im Mixed Relay klassierte sich das Schweizer Team, mit Studer als Schlussathlet, auf Platz 8. «Hätte mir vor vier Jahren jemand gesagt, dass ich in Tokio diese Platzierungen be- legen würde, hätte ich sofort unterschrieben. Ich bin sehr zufrieden damit», sagt Max Studer rückblickend mit etwas Abstand.

Und dennoch: «Als Profisportler ist man sehr ehrgeizig. Ich konnte mein Potenzial zeigen und konnte lange Zeit mit den Besten mithalten. Ich lief lange in einer Medaillenposition, insofern ist es enttäuschend, dass mir auf den letzten zwei von vier Laufrunden die Kraft ausging», bilanziert Studer und bedauert, dass er nicht besser mit der Hitze Japans zurechtkam.

Max Studer.

Max Studer.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

«Ein grosser Traum von mir ging in Erfüllung»

Nur zu gerne hätte Max Studer als ehrgeiziger Sportler auch im Einzel das Diplom geholt. Die Erfahrungen und Erlebnisse bleiben für immer. «Es ging ein grosser Traum von mir in Erfüllung, den Mythos Olympia mal erleben zu dürfen. Trotz der Coronasituation war es sehr eindrücklich, eine coole Erfahrung, die ich auch mit einem grossartigen Team teilen durfte.»

Und nun? Wie geht es weiter? So mancher Olympiaathlet fällt nach dem Abschluss der Olympischen Spiele in ein mentales Loch, widerfährt eine grosse Leere. Plötzlich ist der Alltag nicht mehr durchstrukturiert, plötzlich sind die Trainings nicht mehr ganz so strikt. Diesen Nach-Olympia-Blues will Max Studer überspringen, aussenvorlassen und wird deshalb bis Ende Jahr das eine oder andere Neue ausprobieren. Auch will er weitere Erfahrungen sammeln, gerade in Dingen, die vielleicht im eng getakteten Olympia-Fahrplan in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen sind.

Das nächste grosse Projekt: Max Studer nimmt an der vierteiligen Super League teil, in der nur die 20 weltbesten Triathleten und Triathletinnen teilnehmen. Innert 20 Tagen finden vier Wettkämpfe an vier verschiedenen Orten statt: Angefangen am Sonntag in London, dann zieht der Tross weiter nach München (12. September). Von dort geht die Reise auf die britische Insel Jersey (18. September), bevor am 25. September in Malibu in Kalifornien der krönende Abschluss über die Bühne geht.

Anfrage für Liga der Weltbesten: «Grosses Privileg»

Die Super League verspricht viel Spannung und grösste Unterhaltung. Denn so manch festgefahrenes Muster wird über Bord geworfen und neue Formate werden ausprobiert, nicht zuletzt auch, um mehr Publikum für den Sport zu gewinnen. So werden unterschiedlichste Distanzen ausprobiert, noch stärker ausgelegt auf Sprints.

Viele Entscheidungen fallen im Team, die in einem Draft-Verfahren zusammengestellt wurden. Max Studer gehört dem Team Eagles an. In diesem ist nebst Studer auch der Brite Alex Yee, Gewinner der Olympia-Goldmedaille in der Staffel und -Silber im Einzelrennen von Tokio.

Die Vorfreude bei Max Studer auf die Teilnahme ist gross. Denn für die Super League kann man sich nicht qualifizieren, man wird für den Event der Weltbesten von den Veranstaltern eingeladen. «Ein grosses Privileg», sagt Studer.

Letztlich ist die Super League für die Teilnehmenden auch finanziell attraktiv, da die Veranstalter im Vergleich zu anderen Events respektable Preisgelder ausschütten. Für den Gesamtsieg der Series gibts 50000 Dollar, für einen Sieg an einem der vier Wettkämpfe locken 20000 Dollar. Für Max Studer ist dies zweifellos ein zusätzlicher Ansporn, denn die Olympia-Saison war nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell äusserst aufwendig, die in diesem Rahmen nur dank Unterstützung des Schweizer Militärs, der Sporthilfe, Familie und Sponsoren möglich war.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Neues Kapitel: Paris 2024

Mit dem Ende der Olympischen Spiele von Tokio fiel Max Studer eine grosse Last von den Schultern, der selbst auferlegte Druck war weg, ein befreiendes Gefühl. So konnte er die Ankunftsüberraschung der Gemeinde Kestenholz mit einem gebührenden Empfang geniessen. «Es war wunderschön zu sehen, dass man auf so viel Unterstützung zählen darf von Familie, Freunden, Verwandten, Nachbarn und Dorfbewohnern. Es hat mir enorm viel bedeutet», sagt Max Studer.

Nach der Überraschung kehrte er in die Trainingsbasis nach St. Moritz zurück, analysierte mit Trainer Brett Sutton seine Saison. Sie waren sich einig: «Es macht definitiv Lust auf mehr.» Sie beenden das Kapitel Tokio und schlagen gleichzeitig ein neues auf: Sie nehmen die Olympischen Spiele 2024 in Paris in den Fokus. Eine Medaille muss nach den Entwicklungen der letzten Jahre das grosse Ziel sein. Für dieses bleiben drei Jahre Vorbereitungszeit, in der sich Max Studer weiterhin entwickeln will. Max Studer: «Dann werde ich hoffentlich nahe an meinem Karrierehöhepunkt sein.»

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

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