Turnen
Traumquote: 96 Prozent der Turner reisen mit der Bahn ans Eidgenössische

Biel-Magglingen ist Austragungsort des 75. Eidgenössischen Turnfests und ab 13. Juni Gastgeber des grössten Schweizer Sportevents. 60'000 Athleten aus 2300 Vereinen haben sich für die Expo der Leibesübungen rund ums Seebecken eingeschrieben.

Daniel Weissenbrunner
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Viele Gleise führen nach Biel: Rund 60000 Turnerinnen und Turner aus allen Landesteilen reisen – mit dem Zug – ins Seeland.

Viele Gleise führen nach Biel: Rund 60000 Turnerinnen und Turner aus allen Landesteilen reisen – mit dem Zug – ins Seeland.

KEYSTONE

Die Schweiz bewegt sich. Auch sportlich. Die Zahlen der Studie «Wirtschaftliche Bedeutung des Sports in der Schweiz», das vom Bundesamt für Sport (Baspo) in Auftrag gegeben wurde, bestätigen dies. Jährlich finden gegen eine Viertelmillion Sportveranstaltungen statt. Rund ein Viertel der Bevölkerung gehört einem der rund 22 500 Turn- oder Sportklubs an. So weit die Statistik.

60000 Turner aus 2300 Vereinen

Der grösste Sport-Event führt Mitte Juni ins Seeland. Biel-Magglingen ist Schauplatz des Eidgenössischen Turnfests. 60 000 Athleten aus 2300 Vereinen haben sich für die Expo der Leibesübungen rund ums Seebecken eingeschrieben.

Dazu werden 120'000 Zuschauer erwartet. Für Festdirektor Fränk Hofer und sein Team eine logistische Herkulesaufgabe. Angefangen von der Anreise über die Infrastruktur bis hin zur Verpflegung. «Wir sind glücklicherweise sehr gut unterwegs», zieht Hofer Zwischenbilanz.

Vor allem das Verkehrskonzept scheint voll aufzugehen. «Nach den eingegangenen Anmeldungen wissen wir, dass 96 Prozent der teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler mit dem Zug anreisen werden.»

Für Hofer ein Meilenstein in seiner Funktion als Geschäftsführer des Anlasses. Hofer, der zuvor bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) arbeitete, macht kein Geheimnis, dass ihm die Nachhaltigkeit besonders am Herzen liegt.

«Ziel ist es, nicht nur Belastungen zu minimieren, sondern gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Mehrwerte zu schaffen», lautet sein Credo. «Diese sollen sich dauerhaft auf die Region auswirken und neue Standards für künftige Grossanlässe setzen.»

Chef geht mit gutem Beispiel voran

Fränk Hofer geht mit gutem Beispiel voraus und lebt nach ökologischen Grundsätzen. Er besitzt kein Auto, er verzichtet gänzlich auf Flugreisen, kauft an seinem Wohnort Steffisburg wenn möglich Bio-Produkte ein und – er beheizt sein Haus mit Holz. Es ist seine erste tägliche Handlung, bevor er sich kurz nach fünf Uhr morgens in den Zug setzt und nach Biel fährt.

Die Veranstalter verstehen Nachhaltigkeit als integrativen Ansatz. Diese Philosophie stiess auch bei Hauptsponsor Coop auf offene Ohren, der eine wesentliche Rolle in der Verpflegung spielt. Der Grossverteiler setzt die morgendliche Turnerverpflegung als Naturaplan-Frühstück um.

«Auch unsere Idee, für die Turner einen Bio-Tag zu lancieren, hat gefruchtet. Am Samstag, 22. Juni, werden über 10'000 Turnende mit Mahlzeiten in Bio-Qualität überrascht», erklärt Hofer

«Wir sind ein Anlass und keine Firma

Seit knapp eineinhalb Jahren ist Hofer Chef des «Eidgenössischen». Der ehemalige Präsident von Swiss Cycling hat nach Startschwierigkeiten das Rad herumgerissen. Der 47-Jährige vermeidet es allerdings tunlichst, in der Ich-Form zu sprechen.

Hofer hebt sein 350-köpfiges Kernteam hervor, das sich durch einen beispiellosen Einsatz auszeichne. «Man darf nicht vergessen, dass wir ein ehrenamtlicher Anlass und keine Firma sind, in der teure Löhne bezahlt werden.»

Erfreulich präsentieren sich auch die Finanzen. Im Unterschied zu einigen seiner Vorgänger, die teilweise tiefrot abschlossen, darf Biel mit seinem 19-Millionen-Franken-Budget auf eine ausgeglichene Rechnung hoffen. Bern 1996 und Baselland 2002 wiesen einen satten Verlust aus.

Den Turnaround schaffte diesbezüglich Frauenfeld vor sechs Jahren. Für Fränk Hofer Grund genug, sich mit den Thurgauern auszutauschen. «Wir haben die besten Sachen übernommen und unseren Gegebenheiten angepasst.»

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