Die National League B und ihre Ausländer – das ist eine spezielle Sache. Gemessen werden sie oft (nur) an den Punkten, welche sie zum Gelingen ihres Teams beisteuern, entsprechend konservativ gestaltete sich das Auswahlprozedere bei den meisten Clubs in der Vergangenheit.

Der EHC Olten hingegen zeigte seit geraumer Zeit Mut und holte zuletzt mehr als einmal Ausländer aus Nordamerika. Es war vor gut vier Jahren, als Dan Ratushny bei seinem Amtsantritt zwei Kanadier nach Olten brachte: Brent Kelly und Jeff Campbell. Es folgten die Verpflichtungen von Marty Sertich und Carsen Germyn, später jene von Tyler Redenbach, Colton Fretter oder Derek Cormier.

Zwei Teamcaptains

Dass es sich bei den zwei Neuen erneut um zwei Kanadier handelt, überrascht bestimmt nicht – dass die beiden erst 21 respektive 23 Jahre alt sind, hingegen schon. Dass gleich zwei so junge Ausländer in der NLB Verantwortung übernehmen, hat es in den letzten Jahren kaum gegeben. Dass sie es können, darauf deutet ihre bisherige Karriere in Nordamerika hin. Beide haben sie in ihren Teams die Captainbinde getragen.

Gross etwas ändern werde sich, davon ist Shayne Wiebe überzeugt, deshalb nichts: «Wir müssen weiterhin hart arbeiten und nie aufgeben. Also genau das Gleiche tun, wie bisher. Das hilft immer.» Auch Justin Feser, der Jüngere der beiden, will mit Einsatz in seine Rolle finden. «Ich sage nicht viel, sondern habe den Lead immer mit der Leistung auf dem Eis übernommen», so der 21-Jährige. Und er schiebt selbstbewusst nach: «Ich bin ja aus gutem Grund hier: Schliesslich hat mich Olten meiner bisherigen Leistungen wegen verpflichtet.»

Vieles ist neu für die zwei jungen Angreifer, auf und neben dem Eis. «Es wird mit jeder Woche einfacher», schmunzelt Wiebe, er finde sich so langsam, aber sicher zurecht. Die zwei hatten in ihrem ersten Monat in der Schweiz auch kaum eine freie Minute. Dass sich zumindest Feser noch in der Phase der Angewöhnung befindet, verriet ein Blick auf seine Uhr. Sechzehn Uhr zeigte sie beim (pünktlich eingehaltenen) Interviewtermin um 13 Uhr – neun Stunden zu wenig. Er sei noch gar nicht recht dazu gekommen, sie zu richten, meinte er nur, selbst ein wenig irritiert ob des «Rückstandes».

Die Schweiz als Traum

Während es für Feser in Olten zu einem Wiedersehen mit Scott Beattie kommt (der EHCO-Coach arbeitete bereits bei den Tri-City Americans in der WHL mit Feser zusammen), kannte Wiebe seinen neuen Trainer nur vom Hörensagen. Wiebe interessierte sich grundsätzlich für einen Wechsel nach Europa. Und so kam die Anfrage aus Olten genau zum richtigen Zeitpunkt.

Die sportliche Referenz des aufstrebenden NLB-Vereins war nur die eine Seite. Familie und Freunde hätten sich sehr erfreut gezeigt über seinen Wechsel in die Schweiz, so Wiebe, in ein «so schönes Land». Die Schweiz als Traum-Destination für einen Eishockeyprofi gewissermassen? Da sind sich die beiden einig: «Oh ja, absolut!»