Trampolin
«Der dreifache Vorwärtssalto gebückt mit einer halben Schraube»

Mit seinem Lieblingssprung sicherte sich Luc Waldner Ende Juni den Schweizer Meistertitel bei der Elite. Jetzt will der 19-Jährige aus Langendorf auch international durchstarten. Im November an der Junioren-WM und im Frühling, so hofft er, an der Elite-EM.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Luc Waldner gewann an der Schweizer Meisterschaft Ende Juni Gold im Einzel sowie im Doppel zusammen mit seinem Vereinskollegen Noa Wyss.

Luc Waldner gewann an der Schweizer Meisterschaft Ende Juni Gold im Einzel sowie im Doppel zusammen mit seinem Vereinskollegen Noa Wyss.

Hans Peter Schläfli

Der Höhenflug hat gerade erst begonnen, und bereits «regnet» es Gold: Kurz vor seinem 19. Geburtstag wurde Luc Waldner aus Langendorf im Juni in Arlesheim Schweizer Meister auf dem Trampolin. Damit nicht genug: Zusammen mit dem erst 17-jährigen Noa Wyss aus Leuzigen eroberte er für den TV Grenchen auch gleich noch die zweite Goldmedaille im Doppel.

Dass Luc Waldner ein sportliches Talent ist, zeigte er schon als elfjähriger Kunstturner im Solothurner Leistungszentrum. «Nach einer Handverletzung merkte ich, dass das nicht der richtige Sport für mich ist, deshalb wechselte ich aufs Trampolin», blickt der Kantischüler auf das Jahr 2014 zurück.

Es war eine gute Entscheidung, denn heute wäre Luc Waldner mit seinen 180 Zentimetern wohl etwas zu gross für das Turnen. «Auch auf dem Trampolin sind die schnellen Rotationen einfacher, wenn man nicht zu gross ist, aber ich kann das dank meiner Beweglichkeit und der Körperspannung ausgleichen.»

Der Erfolg kommt auch für ein Naturtalent nicht gratis. 17 Stunden trainiert Luc Waldner pro Woche. Das sei nur dank der Trainingsfenster möglich, die in der Sportklasse an der Kanti zur Verfügung stehen. «Auf dem Trampolin trainiere ich zweimal im Grenchner Velodrome und zweimal im Leistungszentrum in Liestal. Meine Eltern haben es mir deshalb ermöglicht, rasch die Autoprüfung zu machen. Seit ich selber fahren darf, spare ich viel Zeit, die ich jetzt auch noch fürs Training einsetzen kann», sagt der frischgebackene Schweizer Meister.

Finanzielle Unterstützung erhält er auch von der Gönnervereinigung Solo d’Or. Denn Geld verdienen kann man als Trampolinspringer nicht, es gibt in der Schweiz noch keine Profis. «Mein Lieblingssprung ist der dreifache Vorwärtssalto gebückt mit einer halben Schraube.»

Damit hatte Waldner die Kampfrichter an der Schweizer Meisterschaften überzeugt. Bewertet werden der Schwierigkeitsgrad, Sprunghöhe und Präzision, aber vor allem auch die Haltung und die Körperspannung. Die beste Leistung punktgenau zu bringen, das sei auf dem Trampolin entscheidend: «Man muss in der einen Minute alles geben und darf sich keinen Fehler leisten, sonst hat man schon verloren.»

Zudem brauche es Mut und Selbstvertrauen, sehr gute Koordination und Kraft. «Das sensorisches Gefühl und einen perfekten Gleichgewichtssinn braucht es ebenfalls», ergänzt Andy Vogt, der seit 35 Jahren beim TV Grenchen die Trampolinspringer betreut. Und manchmal muss man auch Schmerzen aushalten, denn wenn auf dem Trampolin ein Sprung misslingt und man auf dem Rahmen aufschlägt, dann tut es weh.

Nun folgen die Höhepunkte Schlag auf Schlag: Waldner hat sich für die Junioren-WM im November qualifiziert, im nächsten Frühling will er an den EM der Elite teilnehmen. «Mein grosser Traum sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris», sagt er ehrgeizig.

Und wie sieht es der Trainer, sind Teilnahmen an Europameisterschaften oder gar an Olympischen Spielen realistisch? «An den Olympischen Spielen dürfen nur die 16 besten Trampolinspringer der Welt teilnehmen. Die Hälfte der Plätze belegen die Springer aus China, Weissrussland, Japan und Russland. Es wird hart, aber es ist für Luc nicht unmöglich. Man muss grosse Träume haben, damit man Grosses erreichen kann.»