FC Solothurn
Trainer Roland Hasler: «Ich kann mir den FCS ohne Hasler vorstellen»

Trainer Roland Hasler hält sich nicht für unersetzbar: Wenn es dem Verein dient, ist er bereit seinen Platz zu räumen. Die Art und Weise freilich, wie man über einen Trainer diskutiert, ist für den 54-Jährigen entscheidend.

Michael Schenk
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Spaltet die Geschäftsleitung: Trainer Roland Hasler.

Spaltet die Geschäftsleitung: Trainer Roland Hasler.

Marcel Bieri

Roland Hasler, können Sie nachvollziehen, dass Teile der inzwischen abgesetzten Geschäftsleitung angesichts der sportlichen Situation den Abgang von Trainer Hasler wollten?

Natürlich kann man in dieser Situation über den Trainer diskutieren – muss man sogar. Allerdings bin ich in dieser Hinsicht für Offenheit und Klartext, so wie ich es auch gewohnt bin, mit meiner Mannschaft zu reden.

Das heisst Sie haben nicht gewusst, dass Teile der Geschäftsleitung per Communiqué Ihren Abgang spätestens Ende Saison gefordert haben?

Nein, gar nicht. Sie können sich in etwa vorstellen, wie perplex ich und die restlichen Mitglieder der Geschäftsleitung waren. Das Ganze wohlverstanden vor einem wichtigen Spiel.

Offenbar hat die «Kampfansage» aber einen Schub bewirkt. Sie haben Schötz darauf mit 5:0 weggefegt?

Das zeigt doch, dass die Mannschaft und ihr Verhältnis zum Trainer extrem intakt sind. Ich gehe doch nicht in ein Training, wenn ich weiss, dass vier, fünf Spieler gegen mich arbeiten. Für mich hat diese Mannschaft bei diesem 5:0 Unglaubliches geschafft.

Da gibt es also keine Anti-Hasler-Fraktion im Team?

Absolut nicht. Wir sind eine verschworene Einheit und ich denke, ich habe gezeigt, dass ich meinen Job als Trainer immer noch erfülle.

Die Zielsetzung sieht nebst Schuldenabbau bei tieferem Budget und Einbau junger Spieler eine möglichst gute Klassierung vor. Was heisst möglichst gute Klassierung?

Natürlich gehört ein Ausbildungsverein wie Solothurn mindestens in die 1. Liga. Aber vergessen Sie nicht, wir liegen nur drei Punkte hinter dem 9. Rang und immerhin haben wir in den letzten 12 Spielen neunmal gepunktet und sind von den Schwanzklubs derjenige, der am wenigsten verloren hat.

Hoffnungsvolle Aussichten also mit Blick auf das Restprogramm (Köniz/a, Luzern U21/h, Zofingen/a, Dornach/h und Black Stars/a)?

Es ist nicht einfach, uns zu schlagen und so dürfen wir auch auftreten.

Trotzdem droht die 2. Liga inter?

Mit dem Szenario befasse ich mich noch gar nicht. Ich und die Mannschaft konzentrieren uns auf das nächste Spiel und in diesem heisst der Gegner am Samstag Köniz.

Alles andere als Gratisgang?

Eine grosse Herausforderung für uns, auf die wir uns freuen. Im Fussball sind immer Punkte möglich.

Sportlich lief es in den letzten Jahren nicht rund. Tendenz abwärts. Was nehmen Sie auf Ihre Kappe?

Der Trainer ist der Kopf der Mannschaft und logischerweise auch für die sportliche Entwicklung verantwortlich. Wir haben und hatten allerdings auch viele junge Spieler im Team, die sich in einem Reifeprozess befinden. Nebst dem haben wir letzten Sommer mit Paulo Vogt, Danny Hasler und Renato Steffen drei eminent wichtige Spieler abgegeben. Das bedeutet, wir haben mehr als dreissig erzielte Tore abgegeben.

In dem Zusammenhang wirft man Ihnen vor, Sie hätten während ihrer neun Amtsjahre über 200 Spieler beim FC Solothurn auflaufen lassen?

Die Liste mit den 200 Namen würde ich sehr gerne einmal sehen ...

Offenbar drohen die Nachwuchstrainer den FCS zu verlassen, sollten Sie gehen müssen?

Es sind ganz offensichtlich nicht alle im Klub der Meinung, dass ich gehen soll. Nachwuchs-Chef Ronald Vetter ist angesichts seines Wissens, seines Könnens, junge Spieler zu formen, der wichtigste Mann im Verein überhaupt. So einen Mann zu riskieren, zeugt nicht unbedingt von Weitsicht.

Sollte es zum «worst case» kommen und Solothurn in die 2. Liga inter absteigen – können Sie sich einen FCS ohne Hasler vorstellen?

Absolut. Wenn man realistisch bleibt und offen miteinander spricht, bin ich auch bereit, meinen Platz zu räumen, wenn es dem Verein dient. Ich bin beim FC Solothurn angestellt und setze mich voll für den Verein ein; aber ich klebe nicht an meinem Sessel. Niemand ist unersetzbar, aber jeder verdient angemessene Umgangsformen, und eine respektvolle Behandlung. Wir sind ja nicht bei Bayern München.