Im «worst case» könne man mit einem Scott Beattie immer an einen Tisch sitzen und über die Sache reden. «Der Mann findet immer einen Job», äusserte sich Benvenuto Savoldelli gegenüber dem Oltner Tagblatt im Dezember 2012 zum Risiko, einen im Eishockey unkonventionellen Fünfjahresvertrag zu vergeben. Knapp zwei Jahre nach der Vertragsunterzeichnung erlitt das gemeinsame Projekt mit Scott Beattie aus EHCO-Sicht dennoch Schiffbruch.

Rückblickend könnte attestiert werden, dass sich das Scheitern bereits in den letztjährigen Playoffs mit dem frühen Ausscheiden im Viertelfinal gegen La Chaux-de-Fonds abgezeichnet hätte.

In der Saison 2014/15 verlor Scott Beattie bei seiner Mannschaft zusehends Gehör – auf einen Rückschritt wollten keine zwei Schritte nach vorne mehr folgen, weshalb Olten sich nach fünf Niederlagen in Folge genötigt sah, den Kanadier trotz weiterlaufendem Vertrag bis 2018 zu beurlauben. So sieht sich Savoldelli heute gezwungen zuzugeben: «Mit diesem Vertrag können wir uns nicht rühmen.»

Nachdem Dino Stecher als Interimstrainer übernommen hatte, trat Heikki Leime als definitive Lösung Beatties Erbe an. Der Finne brachte mit seiner fokussierten Art die Ruhe in die Mannschaft zurück, bis wohin dies den EHCO führte, ist bekannt.

Lehren gezogen

In diesem Frühjahr war die Euphorie in Olten noch grösser als vor zwei Jahren, als die Aarestädter mit dem Kanadier Beattie bis in den Final vorstiessen.

Und dennoch musste sich Leime, der seinen Lebensmittelpunkt in Frankreich hat, mit einem Zweijahresvertrag abfinden, der es Olten vorbehält, nach einem Jahr eine Ausstiegsklausel zu ziehen – de facto handelt es sich dabei also um einen Einjahresvertrag mit Cluboption.

«Ja, das sind Lehren», bestätigt Savoldelli. Lehren, welche die Verantwortlichen Oltens aus dem «Fall Beattie» gezogen haben und die eine Erklärung für den vorsichtig formulierten Kontrakt sind.

Leime zeigte sich glücklich, seine Arbeit in Olten fortsetzen zu können. «Olten ist ein guter Ort, eine gute Organisation mit einer ambitionierten Mannschaft.»

Aus Leimes Perspektive war es gewissermassen Zufall, dass er plötzlich in Olten landete und Unerwartetes antraf: «Ich erinnerte mich aus meiner Zeit in Sierre und Lausanne an Olten – aber als ich hierher kam, war ich überrascht. Alles war viel besser als damals.»

Der Finne hofft, im kommenden Sommer auf eine Mannschaft zu treffen, die vom Spieltyp jener der abgelaufenen Spielzeit entspricht. Da die Vertragsverhandlungen angedauert hätten, sei er nicht in die Kaderbildung einbezogen gewesen. «Ich vertraue Köbi Kölliker, dass er weiss, welche Spielertypen ich mir wünsche», hat Leime dabei keine Bedenken.

Familie bleibt in Frankreich

Mit seinem Assistenten Dino Stecher pflegt der Finne eine enge Zusammenarbeit, hat sich doch das Trainergespann gegenseitig schätzen gelernt, woraus eine Freundschaft entsprang. Wöchentlich stehen Stecher und Leime in Kontakt, um gemeinsam die Zukunftsplanung voranzutreiben. «Ich werde vermutlich in einigen Wochen nach Olten kommen, um mit Dino die Detailplanung vorzunehmen», ist der EHCO-Headcoach definitiv in Olten angekommen. Seine Familie wird voraussichtlich dennoch in Frankreich bleiben.

Dies ändert allerdings nichts an der Situation, dass mit Beattie noch keine Einigung erzielt werden konnte. Doch der beurlaubte EHCO-Coach soll nicht bis 2018 auf Oltens Lohnliste figurieren. «Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden», bleibt Savoldelli nach dem Saisonende zuversichtlich, denn «dafür werden wir nun mehr Zeit aufwenden können». Ziel wäre es, sich mit Scott Beattie bis im Sommer einig zu sein, respektive eine neue Anstellung für den Kanadier zu finden.

Dieser sei wegen der Schadenminderungspflicht dazu verpflichtet, sich um Arbeit zu bemühen – könne also rein juristisch seinen Vertrag nicht einfach aussitzen. Dessen ist sich auch Beattie selber bewusst, welcher sich relativ wortkarg gibt. Er wird nicht müde zu betonen, dass er seine Pflicht erfülle («fulfilling obligations») – mehr könne, ja mehr wolle er zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

So lässt er beispielsweise offen, wo genau er denn Ausschau nach einem neuen Arbeitgeber halte und ob er denn konkrete Angebote vorliegen habe. Auch kann der Kanadier nichts dazu sagen, ob er nach der Sommerpause nach Egerkingen zurückkehren wird oder nicht. Wenig begeistert zeigt sich Benvenuto Savoldelli von der reinen Pflichterfüllung Beatties. Der VR-Präsident der Oltner ist insbesondere auch darüber enttäuscht, dass der einst als optimale Lösung erachtete Beattie sich in den bisherigen Gesprächen nicht einsichtig zeigte, mit seiner Arbeit beim EHC Olten nicht mehr die Erwartungen erfüllt zu haben.