«Wir haben gute Chancen, uns den zweiten Tabellenplatz zu sichern», sagt Solothurn-Trainer Hans-Peter «Bidu» Zaugg vor dem Rückrundenstart in der 1. Liga. «Der Aufstieg in die Promotion League ist nicht das offizielle Saisonziel, aber auf jeden Fall eine Vision und ein Traum des FC Solothurn.»

Zauggs Team startet am Samstag vom dritten Platz aus in die zweite Saisonhälfte. Im Moment wären der souveräne Leader Luzern und der FC Baden, der zwei Punkte mehr auf dem Konto hat als Solothurn, für die Aufstiegsspiele qualifiziert.

Punktgleich mit Solothurn auf Platz vier liegt Münsingen. Zaugg weiss: «Wenn wir gegen die drei Gegner wie in der Vorrunde verlieren, dürfen wir uns sicher keine Hoffnungen machen auf den zweiten Platz.»

Bis jetzt liefs «normal»

Insgesamt sei die Vorrunde mit sieben Siegen, vier Unentschieden und drei Niederlagen normal verlaufen, sagt Zaugg: «Die Vorrunde war nicht schlecht, aber auch nicht speziell gut. Wir haben die Spiele gewonnen, die wir gewinnen mussten.»

Handlungsbedarf gab es in der Winterpause nicht. Der FCS absolviert die Rückrunde praktisch mit dem identischen Kader. Die notwendigen Verstärkungen wurden schon im Sommer geholt. «Da wir in der Rückrunde der letzten Saison phasenweise keinen gelernten Stürmer zur Verfügung hatten, holten wir drei Offensivspieler.»

Offensive Felxibiliät

Diese schlugen ein: Semir Bisevac mit acht Toren, Loic Chatton mit sieben sowie Garra Dembélé mit drei Treffern steuerten einen grossen Anteil zum dritten Zwischenrang bei. «Im Gegensatz zum Grossteil der Gegner spielten wir in der Vorrunde meistens mit zwei Stürmern», unterstreicht Zaugg die offensive Ausrichtung seines Teams und fügt an: «In den Testspielen agierten wir eine Halbzeit lang mit zwei Stürmern und die zweite Halbzeit mit nur einem. Diese Flexibilität müssen wir haben, damit wir auf den Gegner und den Spielstand reagieren können.»

Und auf verletzungsbedingte Ausfälle: Für das Spiel gegen den achtrangierten FC Buochs sind die Einsätze von Garra und Chatton fraglich. Deshalb wird wohl Sacha Stauffer hinter Semir Bisevac als offensiver Mittelfeldspieler auflaufen.

Unvorteilhafte Platzverhältnisse 

«Es ist natürlich schade, dass am Anfang so viele Offensivspieler fehlen», so Zaugg, der zudem auf Marc du Buisson verzichten muss. Der Captain und Verteidiger ist im Militär. «Aber sonst sind alle dabei», überwiegt die Zuversicht, «in der Abwehr und im Mittelfeld habe ich sogar die Qual der Wahl.»

Mehr Sorgen bereitet ihm das Terrain im Stadion des FC Solothurn. Zaugg spricht von einem Acker: «Der Platz ist noch völlig im Winterschlaf. Wir sind eine technisch versierte Mannschaft, die schlechten Platzverhältnisse kommen unserem Spiel sicher nicht entgegen.»

Seine Spieler müssten sich deshalb umstellen: Mit gepflegtem Kurzpassspiel komme man auf dem unebenen Platz nicht weit. Sein Team müsse es stattdessen auch mal mit weiten Bällen versuchen und hinten wenig Risiken eingehen, dies die Taktik.

Die richtige Einstellung?

«Bidu» Zaugg rechnet damit, dass Leader Luzern seine Spitzenposition in der Rückrunde verteidigen wird und spekuliert auf den Platz dahinter: «Wir brauchen sicher eine sehr gute Rückrunde, um Baden und Münsingen hinter uns zu lassen. Unser Vorteil ist, dass wir gegen beide noch zu Hause spielen.»

Die Vorrunde habe gezeigt, dass sein Team jeden Gegner bezwingen könne. «Mein grosses Fragezeichen ist, ob wir auch die richtige Einstellung haben», formuliert Zaugg ganz leise Bedenken. «Wir müssen dagegenhalten können, wenn es hart auf hart kommt und alles tun, was für den Sieg nötig ist. Wenn uns das gelingt, werden wir bis zum Schluss ganz vorne dabei sein.»

Träumen von der Promotion League

Was, wenn sich für den FCS der Traum von den Aufstiegsspielen tatsächlich erfüllt? «Wie gesagt, wir müssen nicht unbedingt aufsteigen diese Saison. Aber wenn wir es in die Aufstiegsspiele schaffen, wollen wir auch rauf, das ist klar», antwortet Zaugg.

In seinen Augen wäre die Promotion League die attraktivere Spielklasse für den FC Solothurn. «Sie ist die Vorstufe zum Profifussball», begründet er, «für die Zuschauer, Sponsoren und auch die Spieler selbst wäre diese Liga interessanter.»

Der 64-jährige stellt aber klar, dass der FC Solothurn nicht plötzlich mehr Geld in die Hand nehmen könnte: «Unser Budget ist limitiert, daran würde sich nichts ändern. Deshalb würden wir es eine Liga höher mit dem gleichen Team versuchen, welches den Aufstieg auch realisiert hat.» Von fast allen Spielern habe er bereits jetzt eine Zusage für die nächste Saison – und zwar unabhängig von der Spielklasse.