Eishockey
Total verrückter Playoff-Auftritt des EHC Olten

Mit drei Toren innert 122 Sekunden ganz zum Schluss besiegt Olten La Chaux-de-Fonds 7:5 und geht damit in der Viertelfinal-Serie mit 3:1 in Führung.

Michael Forster
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Turler sorgt für Gefahr vor EHCO-Goalie Tobler.

Turler sorgt für Gefahr vor EHCO-Goalie Tobler.

CHRISTIAN GALLEY

Von einer verrückten Playoff-Partie zu sprechen, diese Formulierung würde den Szenen, die sich während den letzten fünf Minuten in Playoff-Viertelfinal Nummer 4 zwischen La Chaux-de-Fonds und Olten abgespielt haben, nicht ganz gerecht. Denn es war mehr als nur verrückt, was vor allem die Oltner, mit der sicheren Niederlage vor Augen, nach dem Gegentreffer zum 4:5 boten. «Eigentlich wäre man in einer solchen Situation froh, es überhaupt in die Verlängerung zu schaffen», brachte es Jubilar Romano Pargätzi – er absolvierte die 250. Partie im Dress des EHC Olten – auf den Punkt. Zumal die Oltner keine halbe Minute nach dem vermeintlich entscheidenden Verlusttreffer zwei Minuten in Unterzahl agieren mussten. Doch dann kam alles anders.

Die Oltner marschierten gegen Ende der Strafe nach vorne, und es war Cormier, der eine Meister-Hereingabe zum Ausgleich verwertete. Es war der erst zweite Unterzahltreffer des EHCO während der der laufenden Saison. Aber ab jetzt überschlugen die Ereignisse. Chaux-de-Fonds musste gar das 5:6 einstecken. «Da treffe ich zuvor keine einzige Scheibe und dann erziele ich dieses Tor», schüttelte Siegtorschütze Diego Schwarzenbach nach dem Spiel ungläubig den Kopf. Es war die Entscheidung; Arnolds 7:5 ins leere Tor nur noch Zugabe.

«Es war ein Auf und Ab, irgendwie ein komisches Playoff-Spiel», rang selbst Routinier Paul Di Pietro nach Spielschluss um Worte. Dabei hatte der Beginn der Partie noch nicht eine solche Dramatik versprochen. Nichts war nämlich zu sehen vom Selbstvertrauen, welches die Oltner nach der imposanten Rückkehr in Spiel drei vom Dienstag getankt hatten. Man habe sich zwar vorgenommen, von der ersten Minute an voll zu gehen, so Di Pietro, «doch der Gegner legte ganz stark los». La Chaux-de-Fonds wirkte überzeugter von seinen Fähigkeiten, zu welchen das Verwerten von Grosschancen glücklicherweise nicht gehört. So verpasste beispielsweise Jinman in der 9. Minute mutterseelenallein vor Tobler das 1:0. Dennoch stand diese Szene am Ursprung der Neuenburger Zweitoreführung. Die Gastgeber setzten sich nämlich im Gästedrittel fest, provozierten die Strafe durch Truttmann, und nutzten die erste Möglichkeit mit einem Mann mehr zum 1:0. Nur eine Minute später, doppelte Verteidiger El Assaoui mit einem (abgefälschten) Weitschusstreffer nach.

In der Folge leistete sich La Chaux-de-Fonds einen Doppelausschluss, den die Oltner durch Di Pietros vierten Treffer in der Serie zum Anschluss nutzten. So richtig in Playoff-Stimmung kamen die Gäste aber erst mit dem Puckeinwurf in den mittleren Abschnitt. Jetzt war er plötzlich zu spüren, der Wille und der Speed, um das so wichtige Break im zweiten Anlauf zu realisieren. Sofort gerieten die Neuenburger arg unter Druck und kassierten durch einen satten Schuss Meisters den frühen Ausgleich (23.). Fortan traten die Gäste so auf, wie sie es im Mitteldrittel in den Playoffs bislang in den Heimspielen zu tun pflegten und schafften wie eingangs erwähnt in extremis noch die Wende zum Guten – sprich der 3:1-Führung in der Serie. Damit winkt den Oltner am kommenden Sonntag die Chance, die Viertelfinalserie zu beenden.

Nach dem unglaublichen Schlussspurt seiner Mannschaft allerdings bereits von der Entscheidung in dieser Serie zu sprechen, davor hütete sich Routinier Paul Di Pietro ganz bewusst: «Es ist noch alles offen. Klar, wir wollen die Serie am Sonntag beenden, doch dafür müssen wir unser bestes Hockey zeigen.»