Am Sonntag verlor Goalie Nicolas Wolf im Superfinal mit dem SV Wiler-Ersigen gegen Köniz mit 2:5. Es war sein letztes NLA-Spiel, denn der 24-Jährige aus Wangen bei Olten beendet seine Karriere. Weil er sich auf seinen Beruf konzentrieren will, wie er Mitte Februar in einem Interview verriet: «Ich sehe keine Möglichkeiten mehr, Sport und Beruf künftig noch effizient unter einen Hut zu bringen.» Der ausgebildete Art Director betreibt in Olten zusammen mit seinem Geschäftspartner die Werbeagentur Schmid & Wolf.

Per Facebook-Post verabschiedete sich Nicolas Wolf am Montagabend von der Unihockey-Welt. Trotz der Niederlage zum Abschluss stimmt für den 12-fachen Nationalspieler der Zeitpunkt des Rücktritts: «Bei Partys heisst es ja immer, man solle gehen, wenn es am schönsten ist. Was ein Witz ist, denn wie soll man das so genau wissen. Man kann es nur erahnen. Festmachen lässt es sich wohl nur an der Tatsache, dass eine Steigerung kaum möglich zu sein scheint. So geht es mir mit den Stunden, Tagen und Jahren, die ich beim SV Wiler-Ersigen Unihockey gespielt habe.»

Ruhig und ehrgeizig

Nicolas Wolf startete seine Unihockey-Karriere beim STV Kappel. Schon als Teenager wechselte der passionierte Tennis- und Tischtennisspieler vor knapp zehn Jahren zum SV Wiler-Ersigen. Zuerst war er die Nummer zwei hinter SVWE-Goalielegende Daniel Streit, in der Saison 2013/14 avancierte er schliesslich zum Stammspieler im NLA-Team der Berner. In den vergangenen fünf Spielzeiten gewann Wolf mit dem SV Wiler-Ersigen drei Schweizer-Meister-Titel (2014, 2015, 2017). Der vierte Titelgewinn blieb ihm am Sonntag im Superfinal zwar verwehrt, dafür holte er im Februar erstmals den Schweizer Cup als Nummer eins im Tor von Wiler-Ersigen.

«Er ist eher ein ruhiger, aber dafür umso ehrgeiziger Typ», beschreibt Wiler-Ersigens Sportchef Marcel Siegenthaler Nicolas Wolf. «Zudem ist er ein richtiges Multitalent und wäre wohl auch in jeder anderen Sportart vorne dabei gewesen.» Dies etwas zum Leidwesen des Rekordmeisters. Siegenthaler erzählt, dass sich Wolf während seiner Zeit bei Wiler einige Male verletzt habe. Aber eben nicht beim Unihockey, sondern beim Beachvolleyball (Schulter) oder auch mal beim Tischtennis (Sprunggelenk). Rückblickend kann sogar der Sportchef darüber lachen.

Ein Jahr drangehängt

«Ich war sehr gerne ein Teil der Wiler-Ersigen-Familie», schreibt Nicolas Wolf auf seiner Facebook-Seite. Und weiter: «Ich hatte eine unvergessliche und lehrreiche Zeit, und wir haben gemeinsam sehr viel erreicht. Eine Steigerung ist für mich tatsächlich kaum vorstellbar. Daher habe ich mich dazu entschlossen, meine Prioritäten nun anders zu setzen.»

Marcel Siegenthaler bezeichnet Wolfs Rücktritt als «riesigen Verlust». Eigentlich wollte Wolf seine Karriere bereits vor einem Jahr beendet. «Wir mussten ihn bearbeiten. Es hat sehr viel Überredungskunst gebraucht, dass er noch eine Saison drangehängt hat», sagt Siegenthaler. Aufgrund des sowieso schon extremen Umbruchs im Kader im vergangenen Sommer sei es immens wichtig gewesen für den Verein, dass Wolf doch noch eine weitere Saison zur Verfügung stand. «Seinen Abgang hätten wir vor einem Jahr sicher noch nicht kompensieren können», stellt der Sportchef klar. Auch jetzt hinterlasse Nicolas Wolf grosse Fussstapfen. Wer diese füllen wird, müsse sich zuerst noch herauskristallisieren. Allzu schnell werden die Emmentaler den Wangner also sicher nicht vergessen.

Wie sieht die Gefühlswelt bei Nicolas Wolf selbst aus nach dem Karriereende? «Einerseits tut mir der Abschied natürlich leid, weil mir das Team- und Vereinsleben stets Spass gemacht haben. Andererseits freue ich mich sehr auf die Aufgaben, die nun kommen werden.» Mit folgenden sehr persönlichen Worten beendet Wolf seine Abschiedsrede: «Danke der Unihockey-Schweiz, danke dem SV Wiler-Ersigen, danke unseren Fans und danke meinen Teamkollegen, die mich auf meinem sportlichen Weg begleitet haben. Euer Nici #48»