In den vergangenen Jahren war Timo Lanz beim letzten Turnier des Jahres in Derendingen stets am Start, konnte jedoch nie einen Exploit landen. Diesmal sah es ganz anders aus: Der 22-Jährige setzte in der Tennishalle von Derendingen zu einem veritablen Steigerungslauf an und stürmte bis ins Endspiel.

Im Achtelfinal eliminierte Timo Lanz den aufschlagsstarken Brian Bencic (N4, 75), im Viertelfinal liess er einen Dreisatzsieg über seinen früheren Trainer und Teamkollegen beim TC Schützenmatt Yannick Thomet (N4, 74) folgen. Im Halbfinal gegen Jakub Paul (N2, 12) setzte er dann noch einen drauf. Von Beginn an dominierte Lanz das Spielgeschehen gegen die Turniernummer eins aus Chur und gewann überraschend deutlich mit 6:0 6:4. «Ich habe nicht meinen besten Tag erwischt, aber Timo hat unglaublich gespielt», musste Paul neidlos anerkennen.

Trainer und Spieler

Timo Lanz sagte nach geschafften Finaleinzug: «Das war mein klar bestes Match seit langem.» Dass er beim diesjährigen Silvester Cup derart stark aufspielen würde, kam auch für ihn etwas überraschend. «Ich habe in den letzten Wochen zwar gut gespielt, aber dass es gleich so gut laufen würde, konnte ich nicht erwarten. Ich hatte schon im ersten Match des Turniers ein sehr gutes Gefühl und fühlte mich auch danach stets sehr wohl auf dem Platz», so Timo Lanz, der seit dem Abschluss der Matura im Sommer 2017 täglich in der Academy von Swiss Tennis in Biel trainiert.

Rund 15 Stunden pro Woche investiert er ins Training. Daneben widmet er sich seiner Ausbildung als Tennistrainer. Im November schloss er die C-Trainer-Ausbildung ab und nimmt nun die nächste Stufe in Angriff. «Ich stehe einfach sehr gerne auf dem Platz – egal ob als Spieler oder Trainer. Es macht mir sehr viel Spass, mein Wissen an die Junioren weiterzugeben», sagt Timo Lanz, der bis zu zehn Stunden pro Woche unterrichtet.

Klec zu stark

In Derendingen war Timo Lanz allerdings als Spieler gefordert. Um seinen Exploit zu krönen und sich seinen wohl grössten Titel zu sichern, brauchte der Hägendorfer noch einen weiteren Sieg. Sein Gegner im Endspiel hiess Ivo Klec (N2, 16), ein Routinier aus der Slowakei, der vor zwölf Jahren bereits einmal zu den Top 200 der Welt gehört hat.

Davon liess sich Lanz allerdings nicht aus dem Konzept bringen und spielte erneut sehr stark auf. Er spielte offensiv und konnte seine Fehlerzahl trotzdem tief halten. Die Konsequenz: Satz eins ging mit 6:3 an ihn. Auch wenn Lanz in der Folge noch immer stark aufspielte, konnte sich Klec mit zunehmender Dauer der Partie steigern und beendete so den Höhenflug von Timo Lanz. Der Slowake setzte sich mit 3:6, 6:3, 7:5 durch. «Schade, dass es am Ende nicht ganz gereicht hat. Zwei, drei Punkte machten den Unterschied aus, aber ich kann mit meinem Turnier sehr zufrieden sein», resümierte Lanz.

In-Albon souverän zum Titel

Bei den Frauen wurde Ylena In-Albon (N1, 9) ihrer Favoritenrolle gerecht. Die 19-jährige Walliserin, die in der WTA-Weltrangliste auf Rang 234 geführt wird, qualifizierte sich mit drei souveränen Siegen fürs Endspiel, wo sie auf Valentina Ryser (N3, 26) traf. Gegen die Juniorin des TC Thun wurde In-Albon allerdings hart gefordert. Vor allem in der Startphase. Dort schlug die grossgewachsene Offensivspezialistin Ryser mit beeindruckender Leichtigkeit Winner um Winner und konnte mit 5:3 in Führung gehen. In den entscheidenden Situationen war In-Albon jedoch die abgeklärtere und konstantere Spielerin. So war es am Ende doch die Favoritin aus dem Wallis, die sich mit 7:6, 6:4 durchsetzte und ihren ersten Titel in Derendingen gewann. «Es freut mich, dass ich hier gewinnen konnte. Es war nicht einfach, als Favoritin anzutreten, aber es hat Spass gemacht, nach dem intensiven Konditionsaufbau, wieder ein paar Matches zu spielen», so In-Albon, die Mitte Januar ihre Saison auf der Profitour lancieren wird.