Ski nordisch
Tim Hug: «Ich will nicht weitermachen wie in den letzten Jahren»

Der Solothurner Kombinierer Tim Hug will bis Olympia 2018 weitermachen – aber nicht mehr als Vollzeit-Sportler. Neben dem Sport wird er ein Studium in «Erneuerbare Energien und Umwelttechnik» absolvieren.

Simon Steiner
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Weiterhin in der Spur: Tim Hug, hier auf der Sprungschanze in Einsiedeln, setzt nach wie vor auf die Karte Sport – aber nicht nur.

Weiterhin in der Spur: Tim Hug, hier auf der Sprungschanze in Einsiedeln, setzt nach wie vor auf die Karte Sport – aber nicht nur.

Daniel Weissenbrunner

Noch sind nicht alle Details geklärt, doch der Entschluss steht fest: «Ich mache mit dem Sport weiter», sagt Tim Hug. «Meine Motivation ist nach wie vor gross.» Als Fernziel nimmt der 27-jährige Nordisch-Kombinierer aus Gerlafingen die Olympischen Spiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang ins Visier. Im Unterschied zu den letzten Jahren plant Hug den Weg zu seiner dritten Olympiateilnahme aber nicht mehr als Vollzeit-Athlet: Im Herbst wird Hug mit einem Studium beginnen.

«Ich habe in der vergangenen Saison gemerkt, dass eine Veränderung nötig ist», sagt Hug. «Mein Kopf braucht eine Abwechslung neben dem Sport.» Bemerkbar gemacht hat sich dies vor allem in jenen Phasen, in denen es nicht wie gewünscht lief. «Wenn der Sport das einzige Thema ist, gerät man bei Misserfolgen rasch ins Grübeln und kann sich dabei leicht in etwas hineinsteigern.»

Im Fall von Hug wurden solche Negativspiralen noch begünstigt durch das Fehlen eines Teams. Seit zwei Jahren gibt es in der Schweiz neben ihm keinen Kombinierer mit Weltcupniveau mehr. Neu ist er gar der einzige Vertreter seiner Disziplin, der bei Swiss-Ski noch über einen Kaderstatus verfügt. Kann er sich beim Sprungtraining am gemeinsamen Stützpunkt in Einsiedeln regelmässig den Spezial-Skispringern anschliessen, so ist er vor allem beim Lauftraining oft auf sich allein gestellt.

Der zweite Anlauf zum Studium

Einen ersten Studienanlauf im Fach Maschinentechnik hatte Hug vor drei Jahren abbrechen müssen, weil sich der Lehrgang an der ETH Zürich nicht mit seiner zeitintensiven Sportart kombinieren liess. «Der Studienbetrieb war nicht auf Teilzeit-Studenten ausgerichtet», sagt Hug. Nun hat er eine Alternative gefunden, bei der sich dies flexibler organisieren lässt.

Im September wird Hug an der Hochschule für Technik in Rapperswil mit dem Studiengang «Erneuerbare Energien und Umwelttechnik» beginnen – keine 20 Kilometer vom Trainingsstützpunkt in Einsiedeln entfernt. «Eine ideale Lösung», findet Hug, der vor wenigen Tagen die Bestätigung erhalten hat, dass er zum Studium zugelassen wird – und nun die Detailplanung der einzelnen Module in Angriff nehmen kann.

Dabei soll das Studium das Trainingsprogramm nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil: «Es wird mir helfen, neben dem Sport auf andere Gedanken zu kommen», sagt der Athlet, der dem Sport nach wie vor erste Priorität einräumt. «Mir ist es aber auch wichtig, für die Zukunft nach der Karriere schon etwas vorzuspuren.» So, wie das die meisten seiner Konkurrenten im Weltcup auch tun. Da es vielerorts einfacher ist als in der Schweiz, Sport und Studium zu verbinden, finden sich unter den Kombinierern zahlreiche Studenten.

Zwiespältige Saisonbilanz

Die Bilanz der zurückliegenden Saison fällt für Hug durchzogen aus. Der Solothurner startete zwar ansprechend in den Winter und schaffte früh die WM-Qualifikation, wurde dann aber zweimal durch Krankheiten zurückgeworfen. «Das hat Energie gekostet, die mir gegen Saisonende insbesondere im läuferischen Bereich gefehlt hat.» Mit einem 15. Platz gelang Hug an der WM in Falun zwar sein bisher bestes Resultat an einem Grossanlass. Zu einem Exploit wie 2014, als ihm ein Weltcupsieg gelang, reichte es aber nicht.

Positiv war hingegen seine Leistungsentwicklung auf der Schanze. Nachdem er in seiner einst stärkeren Disziplin in den letzten Jahren oft Mühe bekundet hatte, gelang Hug diesen Winter im springerischen Bereich ein deutlicher Schritt nach vorne. Diesen Sommer will er nun auch Langlauftraining wieder neue Reize setzen. «Auch in diesem Bereich ist eine weitere Steigerung nötig», sagt er. «Gleichstand bedeutet auf diesem Niveau Rückschritt.»

Neue Wege hat Hug nun bereits Ende April beschritten, als er auf der kanarischen Insel Fuerteventura ein paar Tage gemeinsam mit der Triathletin Daniela Ryf trainierte. Nachdem jetzt für das Studium die Weichen gestellt sind, kann er auch die Saisonvorbereitung in Ruhe planen. «Andernfalls hätte ich nochmals über die Bücher gehen müssen», sagt Hug. Denn eines steht für ihn fest: «So wie in den letzten Jahren will ich nicht weitermachen.»