Nordische Kombination
Tim Hug: «Ich dachte schon oft an Rücktritt»

Drei Jahre lang war die Hoffnung das Einzige, woran sich Tim Hug festhalten konnte. Nach einem 11. Rang im Weltcup in Val di Fiemme kam der Gerlafinger nie mehr in die Nähe der Top Ten. Ein 9. Platz letzte Woche entfacht das innere Feuer wieder neu.

Jonas Burch
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Im Aufwind: Tim Hug. Keystone

Im Aufwind: Tim Hug. Keystone

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Enttäuschungen, Rückschläge, Gewissensbisse wechselten sich in beängstigender Regelmässigkeit ab. Doch der 25-Jährige Tim Hug glaubte weiter an einen Exploit, vertraute unbeirrt auf seine Stärken. Mit dem 9. Platz im Weltcup in Klingenthal strafte er letzte Woche alle Kritiker Lügen und erreichte sein bis dato bestes Karriereergebnis. Hug ist zurück. «Endlich», sagt er.

Tim Hug, nichts deutete im Vorfeld auf eine solche Leistung hin. Ein Exploit aus dem Nichts?

Tim Hug: In der Tat hätte auch ich zu diesem Zeitpunkt nie mit einem solchen Ergebnis gerechnet. Vor allem weil ich am Tag zuvor, beim Einspringen in Oberstdorf, absolut nicht auf Touren kam. Gar nichts deutete darauf hin, dass der Knoten in Klingenthal platzen wird.

Nach Ihrem letzten Exploit dauerte es drei Jahre, bis Sie wieder an eine solche Leistung anknüpfen konnten.

Natürlich darf man jetzt nicht bei jedem Wettkampf ein Top-Ten-Ergebnis erwarten. Aber es zeigt, dass sich der ganze Aufwand endlich ausbezahlt hat. Ich habe mich körperlich ohnehin immer gut gefühlt, einzig beim Skispringen schlichen sich immer wieder Fehler ein.

Dennoch nimmt das Skispringen bei Ihnen einen höheren Stellenwert ein als der Langlauf. Eine Art Hassliebe?

Nein, überhaupt nicht. Denn das Gefühl des Fliegens ist unbeschreiblich. Ausserdem sind wir, wie die Skisprung-Fraktion, ebenfalls in Engelberg stationiert. Es stimmt aber, dass beim Skispringen meist eine Vorentscheidung fällt. Klappt der Absprung nicht nach Wunsch, und das hat er in den letzten Wochen fast nie, ist der Weltcup-Anlass bereits gelaufen. So hart, wies klingt.

Sie haben in den letzten Jahren Ihr Training stets intensiviert, bis letzte Woche ohne Erfolg. Nagt das nicht an der Substanz?

Doch, und wie. Ich dachte schon oft an Rücktritt. Vor allem nach der letzten Saison, wo so gut wie alles schiefgelaufen ist. Aber ich konnte einfach nicht aufhören, dafür liegt mir der Sport zu sehr am Herzen. Ich blieb ruhig und wusste, dass das Momentum irgendwann auf meiner Seite stehen wird. Umso grösser ist jetzt die Genugtuung.

Die Nordische Kombination fristet in der Schweiz ein Schattendasein. Entsprechend bescheiden sind auch die Resultate. Fehlt es Ihnen an Konkurrenz aus dem eigenen Lager?

Das ist leider ein grosses Problem. Auch wenn es schlecht läuft, bin ich im Weltcup-Team gesetzt. Es findet schlicht kein Konkurrenzkampf statt. Bei anderen Nationen wie Deutschland oder Norwegen kämpfen ein Dutzend Athleten um die Startplätze, das schafft natürlich zusätzlichen Ehrgeiz und meist auch bessere Resultate. Ich muss mir den Ansporn auf andere Weise holen.

In der Folge ist auch die finanzielle Unterstützung vom Verband rückläufig. Kein einfacher Alltag.

Auf diese Saison hin wurde die finanzielle Unterstützung vom Verband sogar ganz eingestellt. Unsere Saison dauert jeweils von Ende November bis Mitte März. Nur dann hat man Zeit, sich mit Preisgeldern etwas dazuzuverdienen. Dafür muss man aber zur Weltelite gehören. Im Sommer wird dann wieder regelmässig trainiert, also bleibt auch da keine Zeit zum Arbeiten. Aktuell geben mir die Familie und Bekannte den nötigen Support. Sponsoren zu finden, ist ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit.

Deutlich positiver dürften Sie die kommenden Wochen stimmen. Mit der WM in Val di Fiemme steht Ende Februar das Highlight bevor.

Genau. Ausserdem ist die Freude auf die WM umso grösser, weil ich nicht mehr mit der Qualifikation (Anm. d. Red: Für die Teilnahme war ein Weltcup-Platz in den Top Ten nötig) gerechnet habe. Insofern läuft es derzeit besser denn je.