Nordische Kombination

Tim Hug: «Es war, als müsste ich das Skispringen neu lernen»

Im Aufwind: Tim Hug.

Im Aufwind: Tim Hug.

Lange kämpfte Tim Hug in diesem Winter mit Problemen auf der Schanze. Rechtzeitig vor der WM im Val di Fiemme, wo er am Freitag zum ersten Einsatz kommt, hat der Gerlafinger jedoch den Schalter umgelegt.

Es brauchte einen einzigen guten Sprung, und Tim Hug war wieder da. Beim Saisonstart im November in Lillehammer hatte er es als 28. zwar noch in die Weltcuppunkte geschafft, doch dann erwischte er eine Abwärtsspirale, wie sie jeder Skispringer und Kombinierer fürchtet. «Statt besser wurde es nur immer schlimmer», sagt der 25-Jährige. «Da beginnt es irgendwann auch im Kopf zu drehen.»

Damit war Ende Januar schlagartig fertig. Im Probesprung zum Weltcup in Klingenthal kam Tim Hug plötzlich wieder ins Fliegen. Und kam damit zu jenem Erfolgserlebnis, das er so dringend gebraucht hatte. «Es hat richtig Klick gemacht», sagt der Gerlafinger, dem in der Folge auch im Wettkampf endlich wieder einmal eine Leistung nach Wunsch: Mit Rang 9 egalisierte Hug sein bisher bestes Weltcupresultat und sicherte sich gleichzeitig das Ticket für die WM im Val di Fiemme.

«Ich hatte immer gewusst, dass meine körperliche Verfassung sowohl für den Sprung- als auch für den läuferischen Bereich stimmt», sagt Hug. «Aber ich kam einfach nie ins Fliegen.» Das hat sich in Klingenthal geändert. «Ich springe zwar noch nicht ganz konstant, aber wieder mit viel mehr Selbstvertrauen.»

Rückschlag in engen Anzügen

Schwer getan mit dem Springen hatte sich Hug bereits im Sommer. Mit den neuen, hautengen Anzügen kam der Schweizer Kombinationsmeister zunächst überhaupt nicht zurecht. «Es war, als müsste ich das Skispringen neu lernen», sagt Hug, der grössten Teil des Jahres über in einer Wohnung in Trachslau wohnt – in unmittelbarer Nähe des Trainingsstützpunktes in Einsiedeln.

Im Vergleich mit den Spezialspringern konnte sich Hug ausschliesslich auf der Suche nach dem richtigen Fluggefühl konzentrieren, sondern musste parallel dazu auch ins zeitintensive Ausdauertraining investieren. «Das Feld in der Nordischen Kombination ist so dicht beisammen, dass man das das Langlauftraining keinen Augenblick vernachlässigen darf», sagt Hug. «Wer nicht in Topform ist, wird sofort nach hinten durchgereicht.»

WM-Auftakt als Einzelkämpfer

Für seine dritten Weltmeisterschaften nach 2009 und 2011 fühlt sich Hug nun aber bereit. In den ersten Wettkampf morgen auf der Normalschanze startet er in einem noch kleineren Team als ohnehin schon. Seppi Hurschler, mit dem der Gerlafinger nach den Rücktritten von Ronny Heer und Joël Bieri und dem Nationenwechsel von Tommy Schmid zu Norwegen die Schweizer Weltcup-Equipe bildet, wird erst am nächsten Donnerstag auf der Grossschanze zum Einsatz kommen. Er hat die Selektionskriterien nur zur Hälfte erfüllt. Gemeinsam werden Hug und Hurschler dann am Samstag in einer Woche den erstmals im WM-Programm figurierenden Teamsprint bestreiten.

Noch nicht ins Trentino gereist ist auch Coach Robert Treitinger. Der Österreicher ist krank und wird erst anreisen, wenn keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Das Startsignal beim Skispringen erhält Hug morgen von Disziplinenchef Berni Schödler – der als langjähriger Skisprung-Nationaltrainer mit dieser Rolle bestens vertraut ist.

Generell würde sich Hug schon ein etwas grösseres Team wünschen. «Der interne Konkurrenzkampf fehlt», bedauert der 25-Jährige, der einst über einen Ferienpass-Kurs zur Nordischen Kombination gefunden hat. In der Schweiz hat seine Disziplin aber nach wie vor einen schweren Stand. Es gibt kaum Nachwuchs und die marginale Medienpräsenz macht die Sponsorensuche schwierig. Gleichzeitig lässt der grosse Trainingsaufwand kaum eine Erwerbsarbeit zu. Selbst ein Studium lässt sich kaum mit dem Kombinierer-Dasein vereinbaren, wie Hug bei einem Versuch an der ETH schon nach kurzer Zeit feststellen musste.

Für Hug ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. «Die Nordische Kombination fasziniert mich noch immer», sagt er. Ein konkretes Rangziel hat er sich im Val di Fiemme nicht gesteckt. Vielmehr will Hug den seit Klingenthal herrschenden Aufwind nutzen und an seine Resultate aus den letzten Trainings anknüpfen. «Wenn das gelingt, dann gibt es automatisch einen guten Wettkampf.»

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