Wie einst Remo Hirt vor zehn Jahren, hat Tim Grossniklaus in dieser Saison den Weg von den Elite Junioren des SC Bern zum NLB-Spitzenklub Olten geschafft. Doch der robuste Berner will noch höher hinaus. Noch vor seinem zwanzigsten Geburtstag Ende Februar erhielt er bereits einen Verein bei Rapperswil-Jona. Derweil sein künftiger Arbeitgeber alles daran wird setzen müssen um den NLA-Abstieg zu verhindern, befindet sich Grossniklaus mit dem Olten mitten im Kampf um die NLB-Krone – die Dreitannenstädter wären somit in der Ligaqualifikation ein potentieller Gegner der Lakers – irgendwie paradox.

Doch „solche Gedanken mache ich mir noch gar nicht“, sagt Grossniklaus bestimmt. „Es ist schön konnte ich bereits während der Saison meine Zukunft klären, aber ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf das was jetzt ist.“ In den Playoffs zählt nur der Moment.

Dass für Grossniklaus bereits im Frühjahr 2015 der Moment kommen würde, im Profi-Eishockey seine ersten Playoff-Schritte zu nehmen, ist selbst für Oltens jetzige Nummer 29 eine kleine Überraschung. Damit dies überhaupt möglich wurde, mussten die Dreitannenstädter im Viertelfinal erst Visp ausschalten. Denn dannzumal war der Berner, nachdem er im Januar mittels B-Lizenz zu Olten kam und erstmals NLB-Luft schnupperte, für die Playoffs als Teamleader zu seinem Stammverein zurückgekehrt. In Bern wurde Grossniklaus grosse Verantwortung zugetragen, das Ausscheiden im Halbfinal konnte aber auch er nicht verhindern.

Ein Glücksfall

„Am Anfang war die Enttäuschung gross, zumal ich nicht wusste ob ich zu Olten zurück darf“, hatte er die Gewissheit zur Vorfreude auf NLB-Playoffs nicht. Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Aeschlimann, Pargätzi und Parati war es für Olten im Halbfinal gegen Martigny ein Glücksfall, auf den 92-Kilogramm schweren Verteidiger zurückgreifen zu können. Seither wird Grossniklaus von Heikki Leime regelmässig eingesetzt – ganz unbeschwert geht der Berner allerdings nicht an seine ersten Aufgaben im Profi-Eishockey heran: „Vor dem Match da kommt das Kribblen – aber es ist in erster Linie Freude die ich ausstrahle. Ich geniesse jeden Moment mit der Mannschaft.“

In der Qualifikation hatte Grossniklaus kein einziges Spiel gegen die Emmentaler bestritten und nun kommt der Berner nach einer für ihn bewegten Saison im NLB-Final zum fünften Duell mit Langnau – das Nachwuchstalent scheint die Schwelle zum Profi-Eishockey überschritten zu haben. „Bisher konnten wir gut dagegenhalten, jede Partie ist sehr umstritten“, weiss Grossniklaus um die offene Ausgangslage. Den Druck sieht er nicht ausschliesslich beim Kontrahenten um den NLB-Meistertitel. „Wir haben innerlich auch selbstaufgesetzten Druck, jeder Spieler glaubt daran, die Langnauer bezwingen zu können.“