Bob
Thomas Lamparter: Der Palmenkönig von Aarwangen in St. Moritz

Anschieber Thomas Lamparter will zusammen mit seinem Piloten Beat Hefti ein weiteres Mal den Gesamtweltcup gewinnen. Zuerst stehen aber die Schweizer Meisterschaften in St. Moritz auf dem Programm.

Andreas Fretz, St. Moritz
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Thomas Lamparter, Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner. afr

Thomas Lamparter, Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner. afr

Was nur haben Palmen in der Auflistung von Thomas Lamparters Hobbys verloren? Tennis: ja. Jassen: klar. Pokern: okay. Aber Palmen? Lamparter, die Startrakete von Bobpilot Beat Hefti, muss lachen. In einem Trainingslager habe er einmal im Internet Palmen bestellt, erzählt er. Neun Stück stehen mittlerweile zu Hause in Aarwangen. «Draussen steht ein Whirlpool, da passen Palmen doch ausgezeichnet dazu. Aber im Winter muss ich sie warm einpacken.»

Keine Ferienstimmung

Alles andere als warm eingepackt erscheint dagegen Lamparter zum Interview-Termin im Zielbereich der St. Moritzer Bobbahn. Badeschlappen, Trainerhosen und ein T-Shirt bedecken den Körper des 100-kg-Modellathleten. Es ist ein Wintertag wie aus dem Bilderbuch. Ferienstimmung? «Nein», antwortet der einzige Oberaargauer Olympiamedaillengewinner entschieden, «immer, wenn ich in St. Moritz bin, stehen Schweizer Meisterschaften oder Weltcuprennen auf dem Programm. Ich bin sehr fokussiert.»

Morgen findet die Schweizer Meisterschaft im 2er-Bob statt, am Samstag jene mit dem 4er-Bob. «Uns bleibt wenig Zeit, um die schöne Umgebung zu geniessen», stellt der 33-Jährige klar. «Aber die Bobbahn in St. Moritz ist für mich die schönste der Welt.»

Die Gelassenheit eines Routiniers

Auf die Palme bringt einen wie Lamparter inzwischen nicht mehr viel. Seit zehn Saisons ist er nun als Anschieber im Bobsport tätig, hat Olympia-Bronze und WM-Gold im 4er-Bob gewonnen, wurde Europameister mit dem grossen und dem kleinen Schlitten und hat zusammen mit Beat Hefti den Gesamtweltcup im 2er-Bob gewonnen. «Ich bin eher ein ruhiger Typ», sagt Lamparter, «nach all den Jahren im Spitzensport bin ich mich einiges gewohnt und reagiere meistens gelassen.»

Einzig vor dem Foto-Termin kommt beim gelernten Koch und Informatik Ingenieur so etwas wie Hektik auf. Eine Jacke muss her, damit auch ja die Sponsoren im Bild sind.

Schwer nachvollziehbare Entscheide

Etwas mehr Hektik gab es zu Beginn der Saison, weil der Verband Hefti nicht für die «Königsklasse», den 4er-Bob, selektioniert hat. Dieser Entscheid hat im Lager der Schweizer «Böbler» für viel Gesprächsstoff gesorgt. Weil Hefti im 4er-Bob nur auf eher einfacheren Weltcup-Bahnen mittun wollte, hat Nationaltrainer Sepp Plozza das Veto eingelegt und auf eine Selektion gleich ganz verzichtet.

«Gewisse Entscheide sind manchmal nur schwer nachvollziehbar», sagt Lamparter, «aber es lohnt sich nicht, sich aufzuregen und damit Energie zu verschwenden.» Klar ist aber, dass damit auf internationaler Ebene viel Know-how und Erfahrung verloren gehen.

Traumstart in die Weltcup-Saison

«Leistung ist die beste Antwort auf solche Querelen», sagt Lamparter. Und Leistung haben die Blitzstarter Hefti und Lamparter in der bisherigen Saison geliefert. Beim Weltcup-Auftakt in Igls gewannen sie mit dem 2er-Bob. Eine Woche später folgte Rang drei in La Plagne, erneut eine Woche später Rang zwei in Winterberg. Der Gesamtweltcup ist ein Ziel des Goldauer Steuermanns und seines Anschiebers. Weitere grosse Ziele sind die EM in Altenberg (7./8. Januar) und die WM in Lake Placid (18. bis 26. Februar).

Doch zunächst stehen die SM im Fokus. Hefti und Lamparter, das Schweizer Vorzeige-Duo, sind sowohl mit dem 2er- als auch mit dem 4er-Bob die grossen Favoriten. «Doch es wird kein Selbstläufer», gibt sich Lamparter zurückhaltend, «das Wetter kann eine Rolle spielen, die Kufenwahl kann daneben gehen. Es kann viel passieren.» Er verspricht: «Wir werden voll angreifen, die Schweizer Meisterschaften geniessen einen hohen Stellenwert.» Die Gegner müssen sich also warm anziehen, mindestens so warm wie die neun Palmen in Aarwangen.