Vier Jahre spielt Tamara Scheidegger Golf – und gehört als vollberufliche Sportlerin bereits zur absoluten Spitze der Schweiz, eine Bilderbuch-Karriere also. Doch sie selbst bremst die Euphorie: «Durch den Schweizer Meister-Titel im letzten Jahr hat sich für mich nicht viel verändert.

Hier zu den Besten zu gehören heisst noch nicht allzu viel». Trotzdem, mit 19 Jahren dermassen obenauf zu schwingen, ist nicht selbstverständlich. Für Scheidegger, die den Golfklubs Limpachtal und seit diesem Jahr auch Bern angehört, ist ihre Heimat lediglich Abflugplatz Richtung Profi-Touren in Europa und vielleicht sogar eines Tages in den USA.

Der Driving Range Pieterlen sei Dank

In jüngeren Jahren spielte die in Pieterlen wohnhafte Scheidegger sehr häufig Tennis. «Ich war oft verletzt, und sah mich deshalb gezwungen, die Sportart zu wechseln», erinnert sie sich. Sie begab sich dann zur Driving Range in Pieterlen, da hat es Scheidegger schnell gepackt.

5 Fragen an Tamara Scheidegger.

5 Fragen an Tamara Scheidegger.

Heute ist sie dem Golf dermassen verschrieben, dass sie die Handelsschule aus Zeitgründen abbrechen musste. Bei spielbarem Wetter steht sie zwischen sieben und acht Stunden pro Tag auf dem Platz. Patrick Kressig begleitet sie beinahe seit Beginn ihrer Karriere als Trainer und ist eine grosse Hilfe.

Saison-Ende gibt es nicht

Man könnte meinen, dass die Saison der Golf-Spielerin mit Handicap +2.2 nun aufgrund des Wetters zu Ende wäre. «Dem ist nicht so, diese Woche reise ich nach Frankreich, im November und Dezember nach Marokko und im Januar in die Vereinigten Staaten», erklärt die diesjährige Vize- und letztjährige Schweizermeisterin. Dazwischen gibt es über Weihnachten gerade noch Platz, um kurz auf die Ski zu stehen. Neben diesem Hobby ist sie sporadisch auf dem Tennisplatz aktiv.

Im Dezember wartet eine Stunde der Wahrheit auf Scheidegger, deren Karriere beim Golfklub Limpachtal den Anfang nahm. Die Qualifying School, um in die Profi-Tour Europas aufgenommen zu werden, steht an. «Ich bin gespannt, ob ich es schaffen werde, Teil der Top 30 zu sein, um mich so für die European Tour zu qualifizieren», sagt sie dazu.

Sollte es nicht klappen, wird sie noch ein Jahr als Amateurin unterwegs sein. Der Unterschied zur Profi-Tour ist minimal und sie würde auch so internationale Turniere spielen. Nächstes Jahr soll es dann unbedingt mit der European Tour klappen.

Denn auch diese ist für Tamara Scheidegger nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrem langfristigen Ziel – der renommierten Ladies PGA-Tour in den USA.

Auch als Instruktorin begabt

Getroffen habe ich Scheidegger auf dem Golfplatz Moossee in Münchenbuchsee. Fürs Foto begaben wir uns zur Driving Range. Dort angekommen schlug sie – leicht und locker – den ersten Ball weit über die 100-Meter-Grenze. Und natürlich konnte sie immer schön lächeln dazu.

Dann war das Foto im Kasten und sie meinte, nun wäre ich an der Reihe. Einmal ausprobiert und wegen fehlender Begabung seither nie wieder Golf gespielt, soweit meine Ausgangslage. «Das ist doch nicht so schwierig», ermuntert sie mich.

Der erste Ball flog dann stolze 5 Meter. Doch mit ihren Tipps brachte mich die 19-Jährige zu 30 Meter langen Schlägen. Potenzial als Instruktorin ist bei Scheidegger also ebenfalls vorhanden. Ganz getreu ihrem Lebensmotto: «Das ist doch nicht so schwierig.»