Trampolin
Tabea Grossenbacher triumphiert überraschend am Grenchner-Cup

Nur fliegen ist schöner – meistens. Tabea Grossenbacher feiert in ihrer Heimat mit dem Sieg im Elite-Feld einen unerwarteten Triumph.

Michael Schenk
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Tabea Grossenbacher. während der Siegerehrung.

Tabea Grossenbacher. während der Siegerehrung.

Andy Vogt/ZVG

Man begegnet ihnen immer öfter – Gartentrampolinen, Fitness- und Gymnastiktrampolinen, aufblasbaren oder Minitrampolinen. Frau oder Mann, füllig oder knochendürr, altersschwach oder grün hinter den Ohren, flexibel oder bügelbrettsteif – alle freuts gleichsam, darauf rumzuhopsen.

Am Grenchner-Cup wie jüngst im Velodrome ist freilich fertig lustig – hier dominieren Wettkampftrampoline. Solche, wie sie seit dem Jahr 2000 auch an Olympischen Spielen gefordert sind. Ja, was einst in der Zirkus-Manege als Auffang-Netz für Luftakrobaten «geboren» wurde, hat sich inzwischen zum Leistungssport entwickelt. Wer international ganz vorn mitmischen will, übt täglich mehrere Stunden: Landungen auf Füssen, Hintern, Bauch und Rücken; vertikale und horizontale Rotationen à gogo, eine perfekte Haltung und Kraft sind gefragt. Voraussetzung, um hoch benotet zu werden.

Nun, es war Tabea Grossenbacher, die sich an ihrem Heimwettkampf ziemlich überraschend die Bestnote sicherte. Für die 17-Jährige, die durch ihren Bruder zum Sport fand, war dies notabene der erste Auftritt in der Open-Klasse überhaupt. Insofern und angesichts dessen, dass die Konkurrenz dem Nationalkader entsprach,hatten sich die Ambitionen der Einheimischen in Grenzen gehalten.

Ziel Rettungssanitäterin

Umso emotionaler der Erfolg für die fliegende Flughafenstädterin, die im Vorkampf nur für das drittbeste Ergebnis gesorgt hatte. «Seit Sommer konzentriere ich mich voll auf meine Ausbildung. Darum trainiere ich nur noch dreimal pro Woche», sagt die angehende Fachkraft Gesundheit. Nach einem unlängst erlittenen Ermüdungsbruch im Fuss plagen sie zudem chronische Schmerzen.

Daher fiel der Bronzemedaillengewinnerin der U16-Schweizer-Meisterschaft 2011 die Entscheidung, sportlich kürzer zu treten, nicht allzu schwer. Berufsziel von Grossenbacher ist es seit dem Kindergarten, Rettungssanitäterin zu werden. «Insofern wäre für mich nie eine andere Ausbildung in Frage gekommen.»

Abflüge gehören dazu

Sieht man die Aktiven im Velodrome fünf, sechs, sieben, acht Meter über dem Trampolin durch die Luft wirbeln, kann einem ganz schön mulmig werden. Vor dem geistigen Auge sieht sich der Laie nach einer suboptimalen Landung schon wie ein Geschoss quer durch die Halle donnern. Oder zumindest wie eine Dachlawine neben das Trampolin klatschen. «Ohne Verletzungen geht es vermutlich nicht, wenn man ein gewisses Niveau erreichen will», bestätigt Tabea Grossenbacher. Bei ihr seien es nebst dem Ermüdungsbruch nur gerissene oder überdehnte Bänder und solches Zeugs gewesen.

Freilich sind Knochenbrüche durchaus auch im potenziellen Verletzungsspektrum enthalten. Fabio Hug etwa, der nebst Cédric Jeanneret vom TV Grenchen derzeit zum Elite-Natikader gehört, hatte sich kurz vor dem Grenchner-Cup am Sprunggelenk verletzt. Wer weiss – gut möglich, dass das mit der angehenden Rettungssanitäterin und der Trampolinspringen bei Tabea Grossenbacher unterbewusst viel enger zusammenhängt, als man denkt.

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