Swiss League
Der EHC Olten und der Kampf gegen das Mittelmass

Der Blick auf diverse Swiss-League-Statistiken zeigt: Der EHC Olten muss sich in vielen Belangen steigern, um sich - wie erhofft - in den kommenden Wochen in der Tabelle nach vorne orientieren zu können.

Marcel Kuchta
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Verkörpert den bisher glücklos und ungenügend agierenden EHC Olten: Stürmer Diego Schwarzenbach.

Verkörpert den bisher glücklos und ungenügend agierenden EHC Olten: Stürmer Diego Schwarzenbach.

Marc Schumacher / freshfocus

Man kann Statistiken und Zahlenspielereien gegenüber oft zurecht skeptisch eingestellt sein. In der Tat erzählen die Werte nicht immer die ganze Wahrheit. Blickt man nun nach knapp der Hälfte der Swiss-League- Qualifikation auf die verschiedenen Statistiken der zweithöchsten Spielklasse im Schweizer Eishockey, dann zeichnet sich da aber ein realistisches Bild der gezeigten Leistungen ab. Im Fall des EHC Olten wird deutlich, dass der achte Tabellenplatz (nach Punkteschnitt pro Spiel wäre man allerdings auf Rang 6.) kein Zufall ist. In vielen Bereichen ist der EHCO Mittelmass, in anderen Kategorien sogar schlecht. Unter dem Strich ist klar: Da ist enorm viel Raum zur Steigerung vorhanden. Werfen wir also einen Blick auf einen Auswahl von statistischen Auffälligkeiten.

Schüsse

Mit 33,82 Schüssen pro Spiel aufs gegnerische Tor ist der EHCO ligaweit auf Platz 6 klassiert. Top ist diesbezüglich der HC Ajoie mit über 38 Schüssen. Auch bei den Abschlüssen, die man auf das eigene Tor zulässt, belegt der EHC Olten mit 31,53 Rang 6. Klassenprimus ist hier der EHC Kloten, der lediglich deren 25,32 pro Spiel zulässt.

Schüsse auf das gegnerische Tor.

Schüsse auf das gegnerische Tor.

SIHF
Schüsse auf das eigene Tor.

Schüsse auf das eigene Tor.

SIHF

Fazit: Während man punkto Offensive in Reichweite der Spitze liegt, zeigt sich in der Defensive ein klarer Unterschied zu den Topteams. Kloten, Langenthal und Ajoie lassen deutlich weniger Schüsse auf das eigene Tor zu als der EHCO.

Special Teams

Punkto Powerplay ist die Bilanz des EHC Olten verheerend. Aus 67 Gelegenheiten schaffte man lediglich neun Tore. Das entspricht einer Erfolgsquote von 13,43 Prozent. Lediglich die EVZ Academy (12,2%) steht im ligaweiten Vergleich noch schlechter da! Die beste Quote weist Langenthal mit über 28% Prozent auf. Auch Kloten und Ajoie (je 27) überzeugen diesbezüglich. Etwas besser sieht es beim EHCO punkto Unterzahlspiel aus. Gegen Ajoie hielt man sich zuletzt siebenmal schadlos. 84,72 Prozent Erfolgsquote ist der viertbeste Wert der Swiss League. Der Ligakrösus in Sachen Penalty Killing heisst Sierre mit fast 89 Prozent überstandenen Unterzahl-Situationen.

Die Powerplay-Ausbeute.

Die Powerplay-Ausbeute.

SIHF
Die Unterzahl-Bilanz.

Die Unterzahl-Bilanz.

SIHF

Fazit: Der schwache offensive Output des EHC Olten hängt stark mit dem dysfunktionalen Powerplay zusammen. Eine erfolgsversprechende Mischung wird immer noch gesucht. Immerhin – bezüglich Überzahlspiel kann es aus Sicht der Oltner fast nur einen Weg geben: Nach oben. Beim Penalty Killing ist die Steigerung zuletzt eindrücklich gelungen.

Ausländer

Der Blick auf die Skorerliste der Ausländer ist aus Sicht des EHC Olten ziemlich ernüchternd. Unter den 21 regelmässig eingesetzten Swiss-League-Söldnern ist Garry Nunn mit seinen 19 Punkten in 17 Spielen auf Platz zehn klassiert. Dion Knelsen mit seinen 15 Punkten sogar lediglich auf Platz 16. Von der Spitze grüsst Klotens Robin Figren (32 Punkte in 19 Spielen). Den besten Punkteschnitt (fast zwei pro Spiel) weist natürlich das Ajoie Atomduo Devos/Hazen auf.

Fazit: Nicht nur die Punkteausbeute, sonder auch die Torausbeute (Nunn 6, Knelsen 7) der beiden Oltner Söldner ist wenig begeisternd. Von den beiden Kanadiern muss mehr kommen, wenn die Offensivmaschinerie des EHC Olten wieder in Schwung kommen soll. Sie müssen diese Verantwortung tragen.

Verteidiger

Das (offensive) Wohlergehen einer Mannschaft lässt sich auch daran messen, wie viele Skorerpunkte die Verteidiger beisteuern. Hier wird ein weiterer Schwachpunkt des EHCO Jahrgang 20/21 offensichtlich: In den bisherigen 17 Meisterschaftsspielen sammelten die Oltner Verteidiger lediglich 19 Skorerpunkte –also etwas mehr als einen pro Spiel. Im ligaweiten Vergleich belegt man damit Rang neun. Nur Visp, Winterthur und die Ticino Rockets sind schlechter. Ligaprimus ist der EHC Kloten (3,13), vor Ajoie (2,63) und Langenthal (2,33).

Die Punktebilanz der Verteidiger.

Die Punktebilanz der Verteidiger.

SIHF

Fazit: Gelungene Angriffe beginnen oft mit einer guten Auslösung aus dem eigenen Drittel. Hier wird deutlich, dass dem EHCO ein spielstarker Verteidiger fehlt. Ebenso gravierend wirkt sich das Fehlen eines offensiv orientierten Blueliners im Powerplay aus. Erst vier Punkte sammelten die Oltner Defensivleute in Überzahl. Zum Vergleich: Allein der letztjährige EHCO-Verteidiger Daniel Eigenmann buchte in den ersten 15 Spielen für seinen neuen Klub Ajoie bereits fünf Skorerpunkte im Powerplay.

Sonstige Auffälligkeiten

Interessant zum Abschluss ist der Blick auf die Plus-/Minus-Bilanz: Dass Diego Schwarzenbach mit Minus-7 ligaweit auf Platz 309 (von 336) liegt, ist nicht überraschend. Der Routinier verkörpert die Harmlosigkeit und das fehlende Glück in der Oltner Offensive bisher am prägnantesten. Auch bei ihm gilt – wie bei einem Grossteil der Mannschaft – das Motto: «Es kann nur besser werden.»

Der EHCO mit einem halben Dutzend Verletzen

Der EHC Olten muss beim Gastspiel in La Chaux-de-Fonds (Mittwoch, 19.45 Uhr) gleich auf sechs verletzte Spieler verzichten: Jens Nater, Nico Gurtner, Esbjörn Fogstad Vold, Cyril Oehen, Noah Fuss und neu Alban Rexha fallen allesamt aus. Für Rexha rückt Kent Daneel ins Line-up. Garry Nunn und Dion Knelsen werden wieder zusammen in einer Sturmlinie agieren und durch den 17-jährigen Brennen Othmann ergänzt. Im Tor wird – wie schon gegen Ajoie – Simon Rytz stehen. (ku)