Schiessen
SV Niederbuchsiten gewinnt das Derby gegen Oberbuchsiten

Nach Absturz vom Estrich in die Waschküche: Titelverteidiger Oberbuchsiten zog am Kantonalen Gruppenmeisterschaftsfinal in Zuchwil gegen die Nachbarn den Kürzeren.

Michael Schenk
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Die erfolgreichen Niederbuchsiter Schützen: Hinten Simon Berger (links) und Heinz von Arx; vorne Daniel Uebelhard (links), Markus Müller (Mitte) und Peter Wehrli. msk

Die erfolgreichen Niederbuchsiter Schützen: Hinten Simon Berger (links) und Heinz von Arx; vorne Daniel Uebelhard (links), Markus Müller (Mitte) und Peter Wehrli. msk

«Nein, die Dorfmusik wird unseres Sieges wegen nicht bereitstehen, wenn wir nach Hause kommen», sagt Markus Müller. Der 42-Jährige ist Präsident des Schützenvereins Niederbuchsiten und Leistungsträger der stärksten Standardgewehr-Gruppe seines Vereins.

Dem Quintett, dem neben ihm der selbstständige Seiler Simon Berger (58), Swisscom-Mitarbeiter Daniel Uebelhard, Chauffeur Peter Wehrli und Projektleiter Heinz von Arx angehören.

Nach der ersten Finalrunde auf Rang zwei liegend setzte der SV Niederbuchsiten im zweiten Final-Umgang am Kantonalen Gruppenmeisterschaftsfinal in Zuchwil zum Überholmanöver an.

Nach 952 von 1000 möglichen Punkten steigerten sich die glorreichen fünf Gäuer im zweiten Feuer um drei Punkte. Ihre Nachbarn aus Oberbuchsiten dagegen, die nach den ersten 5-mal 20 Schuss auf die Zehner-Scheibe noch geführt hatten, brachen im finalen Durchgang ein.

Nach 957 Ringen im ersten totalisierten die Oberbuchsitener im zweiten Feuer nur noch 938. Ein Absturz vom Estrich in die Waschküche quasi. Niederbuchsiten liess sich die Chance zu einem weiteren, prestigeträchtigen Sieg nicht entgehen. Nach 2008 und 2009 war dies der dritte Triumph im Verlauf der letzten sechs Jahre.

Am Morgen hätte er noch nicht unterschrieben, dass er und sein Team gewinnen, sagte Markus Müller. Dies umso mehr, als dass sein Verein zuletzt das Feldschiessen im Gäu durchgeführt hatte und mehr mit Zelt Auf- und Abbau beschäftigt gewesen sei als mit Training.

«Unser Ziel war es darum, uns für die erste Hauptrunde der nationalen Gruppenmeisterschaft zu qualifizieren», so der Projektleiter. Wie steht es denn mit der Rivalität zwischen den Ober- und Niederbuchsitener Schützen?

Reden tut niemand so wirklich gern darüber; aber spürbar ist ein gewisses Buhlen um die Vorherrschaft auf global-solothurnischem niederober-buchsitener oder obernieder-buchsitener Territorium freilich schon.

Alles andere wäre auch nicht normal. Rivalität kann ja auch anspornen und tut es in dem Fall offenbar auch. Nach dem «scheibengeografischen» Streufeuer der Oberbuchsitener in Umgang zwei resultierte für die Nachbaren der Sieger immerhin noch Bronze.

Und: Auch die Oberbuchsitener haben sich für die nationale Gruppenmeisterschaft qualifiziert. Die Möglichkeit zur Revanche ist also schon bald gegeben. Im September zu den besten 16 Standardgewehr-Quintetts des Landes zu gehören und am Final im Zürcher Albisgüetli dabei zu sein, das stünde dann doch noch einen Tick über dem Kantonalmeister-Gold.

«Wir haben das auch schon geschafft, aber das ist schon sehr lange her», sagt Müller. Wenn aktuelle oder ehemalige Kaderschützen ins Geschehen eingreifen «wird es sehr schwierig für uns», so der Präsi des Niederbuchsitener. Aber nicht unmöglich.

Seit das Standardgewehr 1996 vom nationalen Verband offiziell fürs Schiesswesen zugelassen wurde, hat die Sportwaffe ihren Siegeszug angetreten. «Wir haben in unserem Verein von Beginn an auf die Karte Standardgewehr gesetzt», erzählt Markus Müller.

Selbst dem Nachwuchs stünde die Möglichkeit offen, Gewehre saisonweise zu mieten. Sturmgewehr-Gruppen gibt es derlei im SV Niederbuchsiten gar nicht mehr. Der Unterschied zwischen einem Sturm- und einem Standardgewehr ist augenfällig.

Während die Sturmgewehre oder Karabiner Hinz und Kunz sofort an Armee und Krieg erinnern, ruft das oft farbige, Dynamik und Ästhetik versprühende Standardgewehr eher sportliche Assoziationen hervor.

«Es ist zweifellos ein sportlicheres Schiessen mit dem Standardgewehr», bestätigt Heinz von Arx. Allein schon vom Feeling her. Abgesehen davon, dass die Armeewaffe in der Regel alle gleich aussehen und auf einer Zweibeinstütze stehen reflektieren die Standardgewehre schon äusserlich die Individualität des Besitzers und werden liegend frei geschossen.