Olympia 2018
Suche nach der Wahrheit: Was passierte im Olympia-Sprungfinal mit Mischa Gasser und Dimitri Isler?

Der Solothurner Mischa Gasser und der Aargauer Dimitri Isler belegten im Olympia-Sprungfinal die beiden letzten Plätze. Es ist eine schwierige Ausgangslage für die eigene Gefühlswelt. Wo verbirgt sich die emotionale Wahrheit?

Rainer Sommerhalder, Pyeongchang
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Der Solothurner Mischa Gasser belegte im Olympia-Sprungfinal Platz elf.

Der Solothurner Mischa Gasser belegte im Olympia-Sprungfinal Platz elf.

KEYSTONE/AP/LEE JIN-MAN

Wenn erstmals zwei Schweizer gemeinsam in einem Aerials-Olympiafinal stehen, darf man stolz sein. Wenn man wie Mischa Gasser «in der Qualifikation den besten Sprung seines Lebens zeigt» und damit sogar den Titelverteidiger aus der Entscheidung wirft, kann man glücklich sein. Und wenn man Teil «des hochstehendsten Wettkampfs ist, den diese Sportart je sah», wie es Dimitri Isler betont, muss man zufrieden sein. 14 Springer erreichten in der Qualifikation mehr als 120 Punkte. Dieses Skore hätte bei manchem Weltcup für das Podest gereicht.

Doch wie sieht die Soll-Seite dieser Gleichung der Emotionen aus? Wenn man im Final die letzten zwei Plätze belegt, soll man sich hintersinnen. Wenn von zwölf Finalisten genau die zwei Schweizer stürzen, wird man sich ärgern. Und wenn man punkto Schwierigkeitsgrad und Ausführung der Sprünge selbst mit den Medaillengewinnern mithält, kann man sagen, dass mehr drin gelegen wäre.

Mischa Gasser (26) und Dimitri Isler (24) war die innere Zerrissenheit nach dem Wettkampf anzumerken. Stolz, Freude, Ärger – von allem ein wenig. Das hörte sich dann bei Gasser so an: «Bis zur Landung war dieser Sprung nochmals eine Steigerung zu Gestern. Ein elfter Rang bei Olympia ist nicht so schlecht. Andererseits wären zumindest die Top 9 absolut drin gelegen.»

Und Isler bilanzierte: «Wir haben uns gut präsentiert, alle anderen Finalisten standen schon mehrmals auf einem Weltcup-Podest. Ich zeigte mit Ausnahme der Landung einen Hammersprung. Aber leider gibt es dafür höchstens den goldenen Fleischkäse.»

Sternstunde in der Mixed-Zone

Die beiden besten Schweizer Aerials-Athleten holten angesichts des Saisonverlaufs beinahe das Optimum heraus. Mit der Landung bekundeten sowohl Gasser wie Isler während des gesamten Winters Probleme. Die Leistung in der Qualifikation kam für sie deshalb einem Exploit gleich, denn Finalplätze gehörten zuletzt alles andere als zum Standard.

«Wir haben uns gut präsentiert, alle anderen Finalisten standen schon mehrmals auf einem Weltcup-Podest. Ich zeigte mit Ausnahme der Landung einen Hammersprung. Aber leider gibt es dafür höchstens den goldenen Fleischkäse.»   Dimitri Isler

«Wir haben uns gut präsentiert, alle anderen Finalisten standen schon mehrmals auf einem Weltcup-Podest. Ich zeigte mit Ausnahme der Landung einen Hammersprung. Aber leider gibt es dafür höchstens den goldenen Fleischkäse.»   Dimitri Isler

FAZRY ISMAIL

Zu erwarten, dass sich ein solcher Höhenflug innerhalb von 24 Stunden wiederholen würde, war kein realistisches Szenario. Immerhin erlebte das Nordwestschweizer Duo doch noch eine Sternstunde – in der Mixed-Zone der Medien durch ein Interview mit dem renommierten Wall-Street-Journal. Gasser wegen seines radfahrenden Vaters, Isler wegen seiner Vergangenheit als Kunstturner.