Eishockey
Stefan Wüthrich , der Defensivmann mit grossem Offensivdrang

Stefan Wüthrich, Verteidiger bei Erstligist Zuchwil Regio skort wie ein Stürmer. Der 31-Jährige aus Münchenbuchsee steht mittlerweile in seiner achten Erstliga-Saison bei Zuchwil Regio.

Michael Lüthi
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Zuchwils Topskorer Stefan Wüthrich traf auf nicht

Zuchwils Topskorer Stefan Wüthrich traf auf nicht

Marcel Bieri

Ruhe, einfach mal abschalten und die Beine hochlagern – für die Familie Wüthrich ein Fremdwort. Bei Stefan und seiner Frau Suzanne «muss immer etwas laufen». Das Familienoberhaupt ist Abwehrchef bei Zuchwil Regio. Der 7-jährige Sohn Timo jagt bei den Kleinsten, beim gleichen Verein wie der Vater, auch schon dem Puck hinterher. Und die 10-jährige Tanja ist dem Reitsport verfallen. Für Stefan Wüthrich keine einfache Sache, all das unter einen Hut zu bringen, zumal er in der Garage von Vereinsboss Walter Ulrich zu hundert Prozent als Verkaufsleiter für Ersatzteile arbeitet. «Meine Frau unterstützt mich voll und ganz. Sonst wäre das alles nicht möglich», sagt Stefan Wüthrich.

Der 31-Jährige aus Münchenbuchsee steht mittlerweile in seiner achten Erstliga-Saison bei Zuchwil Regio. Und der gross gewachsene Verteidiger sammelt Skorerpunkte wie bisher noch nie zuvor. Seine stolze Ausbeute: 4 Tore und 15 Assists in 14 Spielen. Damit belegt er in der Skorerliste der Gruppe 2 Platz 5 – als einziger Verteidiger unter lauter Stürmern mischt er ganz vorne mit. «So weit vorne war ich noch nie. Das ist aber auch ein Verdienst des ganzen Teams. Die Stürmer machen aus meinen Pässen die Tore.» Es sei ein sehr gutes Gefühl und eine Ehre, als Verteidiger so weit vorne zu stehen.

Der Defensiv-Mann mit dem grossen Offensivdrang ist der unbestrittene Abwehrchef der Zuchwiler und ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Zuletzt haben die Solothurner zwölf Siege in Serie eingefahren und sind der klare Leader der Gruppe. Wenn es einmal läuft, dann läuft es. Als Selbstläufer sieht es Stefan Wüthrich aber nicht. «Wenn wir nicht 100 Prozent Einsatz geben, dann reicht es nicht», sagt er und fügt an: «Aber unser Selbstvertrauen ist im Moment riesig und die Stimmung in der Garderobe ist grandios.» Vom Meistertitel will er noch nicht reden. «Wir sind aber sicher ein heisser Kandidat.» Und in den Zuschauerrängen feuert jeweils die ganze Familie ihren Mann und Vater an. «Ausser mein Sohn. Der hat immer einen Stock dabei und pögglet lieber selber», erzählt Wüthrich und lacht.

Fast 100 NLB-Partien bestritten

«Schrübli», wie er in der Eishockey-Szene genannt wird – als Junior fragte er den Materialwart nach einer Schraube oder eben einem «Schrübli» für seine Ausrüstung – hätte auch eine Karriere in der NLB machen können. Insgesamt 92 Partien hat der Offensivverteidiger in der zweithöchsten Schweizer Liga für Olten und Sierre bestritten. Aber irgendwie war er nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort – bevor er 2004 zu Zuchwil wechselte, stand er bei Sierre unter Vertrag, das damals aus Geldmangel die Löhne nicht mehr zahlen konnte – und hatte sich wegen der Familie für ein Engagement bei Zuchwil entschieden. «Vielleicht klappt es ja noch mit der NLB», sagt Wüthrich und lacht, bevor er dann relativiert: «Im Moment ist das kein Thema.»

Bei Zuchwil Regio fühlt er sich wohl, kann in Walter Ulrichs Garage arbeiten und seiner grossen Passion, dem Eishockey, frönen. «Es ist jedes Mal ein Wahnsinn, wenn ich zum Spielen auf diesen Gletscher raus darf.» Ans Aufhören denkt der 31-Jährige noch lange nicht. Nach den Amateur-Schweizer-Meister-Titeln 2007 und 2008 habe ihm seine Ehefrau Suzanne gesagt, dass er aufhören könne, wenn er dreimal in Serie Meister werde. Das ist dann zum Glück nicht passiert. Stefan Wüthrich wird also noch mindestens drei Saisons für Zuchwil stürmen, besser gesagt verteidigen.