Obwohl sich Sanna Lüdi im normalen Leben als eher chaotisch bezeichnet, ist sie, was ihre Sportkarriere anbelangt, das pure Gegenteil: Vorausschauend und bis ins kleinste Detail planend. Dass es nach dem letzten Sturz im Dezember für die Skicrosserin ein ganz neues Gefühl gewesen sei, über mehrere Wochen hinweg lethargisch im Bett herumliegen zu müssen und morgens planlos aufzustehen, ist daher mehr als nachvollziehbar. «Manchmal ging es zwei Schritte vor, drei rückwärts, dann wieder fünf nach vorne. Das war schon extrem mühsam», sagt Lüdi.

Die aufgesprungene Bindung

Die nur langsam voranschreitende Rückkehr auf die Piste bezeichnet die Leimiswilerin als «frustrierend». Kein Wunder für eine ehrgeizige Frau, die voller Tatendrang ist, im Januar 2012 noch zwei Siege im Weltcup errungen und sich hohe Ziele gesetzt hat. Der Trainingssturz kurz vor Saisonbeginn in Saas-Fee passierte aufgrund eines Fahrfehlers, weil sie bei teaminternen Ausscheidungen «schlicht und einfach übermotiviert» war. Anders verlief es im Dezember in den USA, als im Trainingslauf zum Skicross-Weltcup – bei der Landung nach dem ersten Sprung – die Bindung aufging, sie schwer stürzte und sich die zweite Gehirnerschütterung innerhalb eines Monats zuzog.

Von Konkurrentin «abgeschossen»

Ob sie aus der unglücklichen Situation etwas lernen konnte? «Erst war ich ratlos, aber dann habe ich einfach gelernt, Geduld zu haben und auf meinen Körper zu hören», erklärt die 26-Jährige. Heute, zwei Monate nach dem schweren Sturz, geht es ihr wieder besser. Sie konnte schon einige Trainings auf den Ski absolvieren und am vergangenen Wochenende in Davos ihr erstes Europacup-Rennen seit langem bestreiten. Letzteres musste sie aber abbrechen, weil sie im Halbfinale von einer Konkurrentin abgeschossen wurde und auf den Rücken und Kopf fiel.

Olympiastrecke kennen lernen

Trotzdem wird sie noch in dieser Woche nach Sotschi an den Weltcup reisen. Ob sie dann auch effektiv an den Start gehen kann, ist noch nicht klar und für die Skicrosserin eher Nebensache. Denn in Hinsicht auf die Olympischen Spiele 2014 sei für sie erst einmal wichtig, die Strecke kennenzulernen und diese mindestens einmal abzufahren: «Seit meinem Sturz im Dezember musste ich mit meiner Zeitrechnung neu anfangen. Statt nach vorne, plane ich nun von Sotschi 2014 an rückwärts.»

WM im Hinterkopf

Ganz abschreiben will die Leimiswilerin die Saison auf keinen Fall, die Weltmeisterschaft vom 5. bis 10. März in Norwegen behält sie im Hinterkopf. Sie müsse einfach langsam zurück in das Wettkampfgeschehen finden, um sowohl Erfahrungen in den Qualifikationsrunden als auch im Mehrkampf zu gewinnen. Und mit viel Geduld, Physiotherapie, Kraft-, Mental- und Skitraining rückt sie Tag für Tag ein Stück näher an die Weltspitze.