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Starkoch Thomas Lamparter brutzelt an seiner Teilnahme für Sotschi

Bob-Anschieber Thomas Lamparter will sich trotz Verletzung für Sotschi 2014 qualifizieren. Obwohl der Eiskanal für den Aarwanger noch Sperrgebiet ist, muss sein Team nicht auf ihn verzichten. Zugute kommt ihm dabei seine Koch-Lehre.

Andreas Fretz
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Proteinhaltig und gesund: Thomas Lamparter bekocht im Trainingslager in La Plagne die Schweizer Bob-Cracks. zvg

Proteinhaltig und gesund: Thomas Lamparter bekocht im Trainingslager in La Plagne die Schweizer Bob-Cracks. zvg

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Es geschah am 5. August. Thomas Lamparter, der Anschieber von Bobpilot Beat Hefti, absolviert im Langenthaler Stadion Hard ein leichtes Lauftraining. Dann die Schrecksekunde. «Es fühlte sich an, als wäre ein trockener Holzast zerbrochen», beschreibt der 35-jährige Aarwanger jenen Moment, als er ein dumpfes Knacken in seiner linken Wade spürte. Gedanken schossen durch seinen Kopf. «Ist die Karriere zu Ende? Wars das mit Sotschi?» Die MRI-Untersuchung am nächsten Tag zeigt: Teilriss der Achillessehne und Teilabriss des Soleus Muskels im Unterschenkel. Zwei Tage nach der Verletzung liegt der amtierende Europa- und Vizeweltmeister im Zweierbob unter dem Messer. Der behandelnde Arzt prognostiziert eine Heilungszeit von drei bis vier Monaten.

Die Leidenschaft fürs Brutzeln

Zweieinhalb Monate später weilen die Schweizer Bob-Cracks in La Plagne (Fr). Heute kehren sie vom zweiwöchigen Trainingslager zurück. Mit dabei war auch Thomas Lamparter. Allerdings nicht als Startrakete, sondern als Koch. Der Heilungsprozess verläuft zwar gut, für den Eiskanal reicht es indes noch nicht. Lamparter zeichnete in Frankreich für das kulinarische Wohl seiner Kollegen verantwortlich.Dabei kommt ihm und vor allem auch den Leuten zu Tisch entgegen, dass Lamparter einst eine Koch-Lehre in einem Restaurant mit 18 Gault-Millau-Punkten absolviert hat. Dem Beruf ist er nie nachgegangen, aber die Leidenschaft fürs Brutzeln und Braten ist geblieben. «Ich glaube, es schmeckte ihnen», sagt Lamparter freudig, «auf jeden Fall haben alle zugenommen.» Fürs Bobfahren sei das ja per se nicht schlecht, vorausgesetzt, die Masse werde dann auch in Muskeln umgewandelt. Viel Fleisch habe es gegeben, proteinhaltig und gesund sei seine Küche.

Gratwanderung zwischen Pushen und Schonen

Gesund will auch Lamparter wieder werden. Die verletzten Muskel- und Sehnenstrukturen müssen sich an die sportliche Belastung gewöhnen. Lamparter verbringt viel Zeit im Kraftraum. Laufbelastung und Sprünge liegen wieder drin, nur auf Sprints muss er noch verzichten. Physiotherapie, Massagen und Muskeltests bestimmen seinen Trainingsalltag. «Es ist eine Gratwanderung zwischen Puschen und Schonen», sagt Lamparter. Es sei ein Vorteil, dass er nach 12 Jahren Leistungssport seinen Körper gut kenne und die Signale zu deuten verstehe. Und er vermag seiner ersten längeren Verletzungspause auch Positives abzugewinnen: «Vielleicht tut es gut, den Körper mal runterzufahren.»

Wettlauf gegen die Zeit

Runterfahren will er aber in erster Linie den Eiskanal von Sotschi. Momentan ist Lamparter «sehr zuversichtlich», dass er im Februar seine dritten Olympischen Spiele bestreiten kann. Doch es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Sechs Anschieber und ein Ersatzstarter werden von Swiss Olympic selektioniert. Ende November finden in Calgary die ersten Weltcup-Rennen statt. Diese wird Lamparter mit Sicherheit verpassen. Im Januar will er in Winterberg oder in St. Moritz erstmals an den Start gehen.

Aufgrund der Erfahrung einen Selektionsbonus

Sicher ist: Auch der stärkste Anschieber der Schweiz braucht einen Leistungsausweis, um sich für Sotschi zu qualifizieren. Man darf allerdings davon ausgehen, dass Lamparter aufgrund seiner Erfahrung und seines Leistungsausweises einen Selektions-Bonus geniesst. Lamparter sagt dazu: «Wenn ich in Sotschi am Start stehe, will ich so fit sein, dass ich um Medaillen kämpfen kann. Sonst macht es keinen Spass.» Zu wünschen ist, dass Lamparter als Startrakete und nicht als Starkoch nach Russland reist. Denn beim Weltcupfinal im vergangenen Februar lieferten er und Hefti mit dem Zweierbob eine vielversprechende Olympia-Hauptprobe ab. Das Duo sicherte sich souverän den Sieg mit dem kleinen Schlitten. In der Endabrechnung nahmen sie dem Zweitplatzierten drei Zehntel ab.

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