Fussball 1. Liga
Sportchef des FC Muri: «Ich bin leer, einfach nur leer – dieser Abstieg tut weh»

Der Verjüngungsprozess ist der Hauptgrund für den Abstieg des FC Muri in die 2. Liga interregional. Auch der Trainerwechsel brachte keinen Erfolg.

Ruedi Kuhn
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Christian Ianu verpasste das 2:0 für den FC Muri und erlebte danach den Einbruch des Teams mit.

Christian Ianu verpasste das 2:0 für den FC Muri und erlebte danach den Einbruch des Teams mit.

Roger Grütter

Kurz vor Schluss reihte sich eine Frustzigarette an die andere. Und zum Runterspülen des Ärgers brauchte Muri-Sportchef Marcel Käppeli auch noch ein Bier. Gesagt, bestellt, getrunken! Käppeli war enttäuscht. Käppeli war sauer. Käppeli war bedient.

«Ich bin leer, einfach nur leer», sagte er. «Dank den Niederlagen von Sursee und Wangen hätten wir in der letzten Runde gegen den FC Baden noch eine Chance gehabt. Jetzt ist alles vorbei. Der Abstieg ist da. Und dieser Abstieg tut weh.»

Zuerst analysieren

Käppeli stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. 1:5 lag der FC Muri vor 300 Zuschauern im Kleinstadion Seefeld beim SC Buochs im Hintertreffen. Bis zum Abpfiff der energischen Schiedsrichterin Désirée Grundbacher dauerte es nur noch Sekunden.

Shpend Mathosi kann es nicht fassen, der SC Buochs hat soeben zum 1:4 erhöht.

Shpend Mathosi kann es nicht fassen, der SC Buochs hat soeben zum 1:4 erhöht.

Roger Grütter

Der Ligaerhalt war für den FC Muri längst in weite Ferne gerückt. Was tun? «Wir werden uns erst schütteln und die Situation analysieren», erklärt Käppeli. «Danach müssen wir uns alle hinterfragen und voll motiviert in die nächste Saison steigen.»

Es fehlte die Charakterstärke

Käppeli ist seit sechs Jahren Sportchef der Murianer. Aufgeben oder sogar Aufhören kommt für den 50-Jährigen nicht infrage. Käppeli macht weiter. Und muss als erste Aufgabe einen neuen Trainer suchen. Einer der drei Kandidaten heisst René van Eck. Der Mann also, der vor wenigen Wochen Carmine Pascariello abgelöst und in vier Partien gerade mal einen Punkt geholt hat. Van Eck kann sich durchaus vorstellen, das Traineramt weiterhin auszuüben.

Antic hält den FC Baden im Aufstiegsrennen

Der FC Baden gewann eine wichtige Partie auf dem Weg in die Aufstiegsspiele gegen den FC Luzern II mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Goran Antic per Kopf. Nach einem Freistoss konnte sich der Stürmer im Rücken der Abwehr absetzen und eine Hereingabe verwerten. 20 lange Minuten später pfiff Schiedsrichter Raphael Gentile die Partie ab und erlöste die Badener.

Der Sieg war harte Arbeit. 90 Minuten musste die FCB-Bank bangen, dann waren die drei Punkte im Trockenen. Angesprochen auf die Schlussphase sagte FCB-Trainer Thomas Jent : «Wir haben versucht, das Spiel zu kontrollieren. Und das ist uns zum Glück gelungen.»

Showdown in der letzten Runde

Wie bedeutsam dieser Sieg ist, zeigt ein Blick auf die direkten Konkurrenten für die Aufstiegsspiele. Sowohl Solothurn (4:0 in Schötz) als auch Münsingen (3:2 gegen Sursee) gingen als Sieger vom Platz. Ohne die drei Punkte gegen Luzern wäre der FC Baden auf Rang 4 abgerutscht. Aufgrund des besseren Torverhältnisses zog der FC Solothurn am FCB vorbei auf Platz zwei. Der FC Münsingen liegt nur einen Punkt hinter den beiden Teams.

Somit kommt es in der letzten Runde der Meisterschaft zum Showdown. Nach den Niederlagen von Lancy (Gruppe 1) und Wettswil-Bonstetten (Gruppe 3) ist nun klar, dass es auch der Drittplatzierte der Badener Gruppe 2 in die Aufstiegsspiele schafft. Während Münsingen in Zug zu Gast ist und Solothurn den SR Delémont empfängt, kommt es zum Aargauer Derby. Am Samstag, 27. Mai, fordert der FC Baden auswärts den FC Muri. Die Freiämter, die nach einer 1:5-Niederlage in Buochs als Absteiger feststehen (siehe Haupttext), könnten der Esp-Truppe also noch ein Bein stellen. «Wir wollen in die Aufstiegsspiele. Dafür müssen wir Muri schlagen», sagte FCB-Trainer Jent. (lmu)

Dieser Van Eck nahm nach dem Schlusspfiff der Partie gegen die Zentralschweizer kein Blatt vor den Mund. «Die erste Halbzeit war in Ordnung», sagte der Holländer. «In der zweiten Halbzeit klappte nichts mehr. Am Schluss liessen wir uns sogar abschlachten. Einigen Spielern fehlte es im Endspurt an Charakterstärke. Mit dieser Einstellung kann man nicht gewinnen.»

Ein Gegentreffer genügte

Dabei war die Welt des FC Muri nach einer Viertelstunde noch in Ordnung. Fidan Tafa brachte die Freiämter früh in Führung. Und Christian Ianu verpasste das 2:0 nur knapp. Doch kurz vor der Pause nahm das Unheil seinen Lauf. Ein Gegentreffer genügte – und der FC Muri war platt.

Nichts ging mehr! Von Disziplin und Aufbäumen war nichts zu spüren und nichts zu sehen.
Sechs Jahre nach dem Aufstieg steigt der FC Muri also wieder ab. Gründe für die Relegation gibt es einige: Angefangen hat alles mit dem Verjüngungsprozess vor dieser Saison. Die Routiniers Michael Koch, Michael Diethelm und Michael Ludäscher verliessen den Verein und schwächten das Kollektiv.

Und der Trainerwechsel von Beat Hubeli zu Carmine Pascariello war zwar mutig, brachte aber keinen Erfolg. Nach einer ansprechenden Vorrunde fiel das Team in ein Loch. Der Abgang von Torhüter Yanick Hofer zu Beginn der Rückrunde war für die defensive Stabilität alles andere als förderlich.

Nicht mit den Grossen mithalten

Entscheidend für die Relegation war aber, dass der FC Muri gegen die direkten Konkurrenten im zähen Ringen um einen Platz in der 1. Liga zu wenig Punkte holte. Zwei Niederlagen gegen Sursee und nur je einen Zähler gegen Zug 94, Wangen und Bassecourt sind einfach zu wenig. Kommt hinzu, dass der FC Muri mit einem Budget von 140 000 Franken für die erste Mannschaft mit den Grossen wie beispielsweise Schötz (rund 350 000 Franken) nicht mithalten kann.

Mal schauen, was die Zukunft bringen wird. Nach der bitteren Pille des Abstiegs dürfen die Murianer am Donnerstag im heimischen Stadion Brühl den Aargauer Cupfinaltag austragen. Dann ist Auffahrt. Wenn das kein Zeichen von oben ist.

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