NLB Frauen

«Spätestens in fünf Jahren mit Derendingen in der NLA»

Katrin Suter (links) hält in Derendingen die Abwehr zusammen, Lina Schläfli sorgt für Tore.

Katrin Suter (links) hält in Derendingen die Abwehr zusammen, Lina Schläfli sorgt für Tore.

Um das Ziel Women’s Super League zu erreichen, trainieren Lina Schläfli und Katrin Suter vier- bis sechsmal pro Woche mit ihrem Team.

Die beiden jungen Frauen müssen keine Sekunde nachdenken, wo sie sich in fünf Jahren sehen, was den Fussball betrifft. «Mit Derendingen in der NLA», sagt Katrin Suter stellvertretend. Der Aufstieg soll aber schon früher gelingen. Die NLA wird auf die kommende Saison um zwei Teams vergrössert. Der Dritte der NLB darf sich zudem in der Barrage gegen den Letzten der NLA versuchen. «Die Chance war noch nie so gross wie dieses Jahr. Wenn wir jetzt nicht angreifen, wann dann», stellt Suter in den Raum und relativiert sogleich, dass der Aufstieg nicht schon zwingend diese Saison realisiert werden müsse.

Der Auftakt in die neue Saison war zwiespältig. Nach dem Fehlstart gegen Rapperswil (2:6) schlugen die Derendingerinnen Walperswil und Luzern. «Gegen Luzern hat von A bis Z alles gepasst. Wir waren als Team sehr kompakt», blickt Lina Schläfli zurück. Gegen Walperswil sei es nach Startschwierigkeiten am Ende aufgegangen. «Im ersten Spiel waren wir nicht bereit, zu nervös und überhastet.» Katrin Suter ergänzt, dass das Resultat zu hoch ausgefallen sei. Die Effizienz sieht sie aktuell als Manko des Teams: «Wir spielen uns Chancen heraus, sind dann aber ungenau in der Box und auch die Kaltblütigkeit fehlt. Wenn wir da noch zulegen, wird es für jeden Gegner schwierig gegen uns.»

Der wohl grösste Brocken in der Liga sei der FC Thun. Auch Aarau, Yverdon, Rapperswil und die U21 des FC Zürich, die allerdings nicht aufsteigen darf, sind in ihren Augen Anwärter auf die Spitzenplätze. Mittlerweile kennen sie die Gegnerinnen in der NLB gut. Suter spielte mal beim FC Aarau und studiert zusammen mit Spielerinnen von Thun, Schlieren und Walperswil. «Bei Yverdon sind ein paar Spielerinnen, die mit mir bei YB waren», fügt Schläfli hinzu. «Wir wissen eigentlich schon sehr viel über unsere Konkurrenten.»

Ein wertvoller Abstecher zum FC Aarau

Das Team des SC Derendingen ist jung. Das Durchschnittsalter wohl nicht viel über 20, schätzen sie. «Mit 22 gehöre ich schon zu den Erfahrensten. Das ist wahnsinnig», sagt Suter. Die Kestenholzerin spielt seit den F-Junioren Fussball. So richtig erinnern kann sie sich an ihren Einstieg nicht mehr. Ihr Vater sei auch Fussballer gewesen, ihr Bruder spielt ebenfalls. «Ich weiss noch, dass damals alle sagten, sie zieht das sowieso nicht lange durch.»

Alleine deshalb sei sie drangeblieben. Beim FC Kestenholz durchlief sie alle Juniorenstufen, danach spielte sie ein halbes Jahr in der kantonalen U16- und zwei Jahre in der U18-Auswahl. Von dort ging es weiter zur U19 des SC Derendingen. Dieser schaffte 2017 erstmals den Aufstieg in die NLA. Für Suter war es allerdings ein zu grosser Schritt. Die Verteidigerin wechselte deshalb zum FC Aarau. Zuerst spielte sie für die U19, dann stieg sie mit dem Fanionteam in die NLA auf.

Wollen mit Derendingen in die NLA: Katrin Suter (links) und LIna Schläfli.

Wollen mit Derendingen in die NLA: Katrin Suter (links) und LIna Schläfli.

Ihr Debüt in der höchsten Liga gegen Yverdon bezeichnet sie als ihr bisheriges Highlight: «Ich war saumässig nervös, mit Ballkindern neben gestandenen NLA-Spielerinnen einlaufen zu dürfen.»Es sollte aber einer der raren Einsätze bleiben. Per Leihvertrag kehrte sie auf die Rückrunde 2018/19 zum SC Derendingen zurück, der mittlerweile wieder in der NLB spielte. Ende Saison stieg auch Aarau wieder ab. «Da wechselte ich fix zurück. Weil hier halt alle meine Kolleginnen sind, aber auch, weil der Weg viel kürzer ist.» Den Abstecher nach Aarau bezeichnet die Sportstudentin als wertvollen Tapetenwechsel. «Ich musste mir einen neuen Stellenwert im Team erkämpfen und mich wieder neu beweisen.»

Sie fühlte sich unwohl als einziges Mädchen

Beim SCD geniesst sie einen hohen Stellenwert. «Sie hat fast schon Captain-Allüren», sagt Schläfli und erntet einen skeptischen Blick von ihrer Teamkollegin. «Sie pusht uns mega und treibt uns auch nach Gegentoren sofort wieder nach vorne, das finde ich stark.»

Die 18-jährige Luterbacherin selbst brauchte zwei Anläufe, bis sie glücklich wurde im FC. «Als ich mit fünf, sechs Jahren zum ersten Mal in ein Probetraining ging, hatte es nur Jungs dort. Ich fühlte mich nicht wohl. Stattdessen machte ich dann lange Karate, obwohl ich eigentlich immer Fussball spielen wollte», sagt sie. Mit zehn Jahren fand sie den Einstieg doch noch. Bei den C-Junioren spielte sie in der Coca-Cola Junior League, ehe sie zur U16 des SC Derendingen und somit erstmals zu einem Mädchenteam wechselte.

In den vergangenen drei Saisons trug Schläfli mit einer Doppellizenz das Dress der YB-U19 und das des SCD. Eine vor allem zuletzt eher frustrierende Situation. Oftmals wartete sie bis zum Freitagabend auf den Entscheid, bei welchem Team sie am Wochenende eingesetzt wurde. «Ich musste mir jedes Wochenende beide Tage freihalten und war dann doch oft frustriert, wenn ich nicht in der NLA im Aufgebot stand.» Deshalb schiesst die Stürmerin ihre Tore diese Saison ausschliesslich für den SC Derendingen.

«Die Ballbehandlung und das Spielverständnis sind ihre Stärken auf dem Platz», sagt ­Suter über sie. «Ich habe sie noch nie schlecht gelaunt erlebt im Training. Sie motiviert das ganze Team.» Einer der schönsten Momente in ihrer noch kurzen Karriere war der Cup-Viertelfinal 2018/19 gegen GC aus der Super League im Stadion in Solothurn. «Es kamen viele Zuschauer. Das war mega toll», erinnert sich Schläfli gerne zurück. «Ich habe mich schon lange im Voraus auf den Match gefreut. Das Gefühl vor dem Spiel in der Garderobe war auch speziell.»

Am 3. Oktober werden sie es wieder erleben. Diesmal heisst der Gegner im Sechzehntelfinal FC Basel. Der liegt aktuell auf Platz drei in der Women’s Super League. Lina Schläflis Traumlos wären die Young Boys gewesen. Katrin Suter ist eine Anhängerin des FC Zürich. «Hauptsache ein Gegner aus der NLA», sagt sie. Bald sollen Spiele gegen GC, Basel, YB, Zürich oder auch Servette keine Ausnahmen mehr sein, sondern Liga-Alltag.

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Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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