Geld fürs Public Viewing
Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri: «Der Ball liegt bei den Vereinen»

Kurt Fluri kontert die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und fordert die Vereine auf Vorschläge zu beantragen, um die Gelder der Euro 08 gerecht zu verteilen. Das Projekt der VSS-SO hatte der Stadtpräsident zuvor abgelehnt.

Michael Schenk
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Stadtpräsident Kurt Fluri fordert Vorschläge der Vereine, um so das Geld gerecht zu verteilen.

Stadtpräsident Kurt Fluri fordert Vorschläge der Vereine, um so das Geld gerecht zu verteilen.

Wolfgang Wagmann

Seit fünf Jahren liegen rund 21 000 Franken auf dem Konto «Jugendsportförderung» der Stadt Solothurn. Geld, das nicht wie irrtümlich in der SZ vom 3. April berichtet, anlässlich des Public Viewing während der Euro 08 in Solothurn als Gewinn erwirtschaftet wurde, sondern der Gewinnsumme des damals von der UBS durchgeführten City Challenge entspricht.

Geld, das gemäss der UBS zur Förderung des Nachwuchssports eingesetzt werden soll – bisher aber nicht dafür verwendet worden ist. Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri sagt aus seiner Sicht warum.

Kurt Fluri, warum liegt das Geld aus dem Gewinn der City Challenge seit fünf Jahren auf dem Konto Jugendsportförderung der Stadt und ist nicht schon längst in die Jugendsportförderung geflossen?

Kurt Fluri: Uns wurde schlicht nie ein entsprechendes Projekt eingereicht, das die von der UBS vorgegebene Zweckbestimmung erfüllt. Das Einzige, was wir hatten, war ein Vorschlag der VSS-SO (Anm. Red. Vereinigung für Sport in der Stadt und Region Solothurn), das Geld zu je drei Siebtel dem FC Solothurn und dem FC Blustavia sowie zu einem Siebtel dem FC Post Solothurn zu überweisen – das habe ich nicht akzeptiert. Nur Geld verteilen wollen wir nicht.

Obwohl die Sportkommission im Februar 2011 bereit gewesen wäre, das Geld so zu verteilen?

Ja. Für mich muss ersichtlich sein, wie das Geld eingesetzt wird.

Wie hätte denn so ein Projekt aussehen sollen?

Normalerweise fehlt es den Vereinen in dieser Hinsicht nie an der nötigen Fantasie. Für einen Junioren-Cup oder ein Trainingslager zum Beispiel. Mit entsprechendem Budget dazu.

Dann sind die Vereine im Prinzip selber schuld, dass sie seit fünf Jahren auf ihr Geld warten müssen?

Ja, aus meiner Sicht schon. Der Ball liegt buchstäblich bei den Vereinen.

Dass das Geld den drei Fussballvereinen FC Solothurn, Blustavia und Post Solothurn zusteht, obwohl grundsätzlich alle Ballsportarten als Nutzniesser infrage kämen, war aus Ihrer Sicht unbestritten?

Der Vorschlag, das Geld den drei Fussballklubs zukommen zu lassen, kam 2010 von der VSS-SO und ich habe das so akzeptiert. Das Geld wurde im Fussball generiert; demnach macht es Sinn, wenn es auch wieder in den Fussball zurückfliesst. Die drei erwähnten Vereine betreiben ja auch den grössten Aufwand hinsichtlich Junioren-Förderung in Sachen Fussball in der Stadt.

Es gab also unmittelbar nach der Euro 08 nie ein Rundschreiben an alle Sportvereine der Stadt, dass Geld aus einem Wettbewerbsgewinn bereitliegt, das für entsprechende Nachwuchsprojekte beantragt werden kann?

Nein, das gab es nie. Es war für mich immer klar, dass das Geld dem Fussball zugutekommen soll.

Es macht folglich keinen Sinn, wenn sich morgen der Unihockeyklub Sowieso oder Tischtennisverein XY mit einem Nachwuchs-Projekt bei der Sportkommission meldet?

Wie gesagt, dass das Geld den drei Fussballvereinen zukommen soll, ist aus meiner Sicht richtig und unbestritten. Es macht ja keinen Sinn, das Geld auf 300 Vereine verteilen zu wollen – so gross ist die Summe dann auch wieder nicht.

Wenn sich die drei Fussballvereine nicht durch die VSS-SO hätten vertreten lassen, sondern, wie jetzt, direkt an die Sportkommission gelangt wären, wäre die Sache dann einfacher geworden?

Das weiss ich nicht.

Was halten Sie von der VSS-SO, die ja primär die Interessen ihrer Mitgliedervereine gegenüber den Behörden vertritt?

Einerseits ist sie Ansprechpartner und als solcher durchaus willkommen. Andererseits ist es nicht immer einfach, wenn man nur die Ansprüche der Mitglieder durchsetzen will. Manchmal sollte man auch bereit sein, Bedürfnisse anderer mitzubündeln und Prioritäten zu setzen.

Die drei Vereine sind jetzt dabei, Projekte einzureichen oder haben dies schon getan. Wobei «Projekt» letztlich wohl bei allen mehr oder weniger heisst: Material für den Trainingsbetrieb zu beschaffen. Ist das ein akzeptables Projekt für Sie?

Ja, durchaus. Wenn das Geld fliesst, kommt es zu einem ausserordentlichen Ertrag in der Rechnung der Vereine und muss demzufolge als solcher auch auf der anderen Seite als Aufwand ersichtlich sein. Dann ist klar, was mit dem Geld passiert ist und die Zweckverwendung ist ersichtlich.