Handball
Solothurns langer Weg nach oben: Wie der TVS und der HVO die Liga aufmischten

Der TV Solothurn und der HV Olten sorgten in der abgelaufenen 1.-Liga-Spielzeit für Furore – ein Rückblick.

Cedric Heer
Drucken
Teilen
Solothurner Handball im Hoch

Solothurner Handball im Hoch

Hansjörg Sahli
Auch gegen den HV Olten war der TV Solothurn erfolgreich.

Auch gegen den HV Olten war der TV Solothurn erfolgreich.

Remo Fröhlicher

Solothurn wird Vize-Amateurmeister. Damit kehren die Handballer zurück in die Nationalliga B und gehört zu den besten 24 Mannschaften der Schweiz. Mit Olten erreichte zudem eine zweite Solothurner Mannschaft die Finalrunde. Grund genug, um auf die vergangene 1.-Liga-Spielzeit aus Solothurner Sicht zurückzublicken.

Bereits zum zweiten Mal in Serie beendete der TV Solothurn die Qualifikation als souveräner Sieger. Dass der NLB-Aufstieg bereits nach vier Finalrundenspielen feststand, hat diverse Gründe. Gleichwohl lassen sich sechs entscheidende TVS-Momente der abgelaufenen Saison ausmachen.

Verpflichtung Antoine Ebinger: Mit der Verpflichtung der Schweizer Torhüterlegende konnte bereits früh der nächstlogische Schritt gemäss Aufstiegsplan gemacht und übertroffen werden. Denn Ebinger machte mit seiner Erfahrung als Goalietrainer nicht nur das talentierte Duo Diethelm/Tatarinoff besser, sondern glänzte in entscheidenden Situationen selbst zwischen den Pfosten und verlieh so der gesamten Mannschaft Sicherheit.

Qualifikationssieg gegen Chênois: Was für eine Machtdemonstration gleich zu Beginn der Saison. Beim 30:15-Sieg liessen die Solothurner dem NLB-Absteiger und grössten Widersacher um den Qualifikationssieg keine Chance. Gleichzeitig wurde das erneut enorme Potenzial der Heger-Truppe früh mehr als nur angedeutet.

Saisonniederlage gegen Thun: Kurz vor Ende der Qualifikation dann doch noch die erste Saisonniederlage. «Zum Glück», sagt Sportpsychologe Robert Buchli, der die Solothurner während der gesamten Spielzeit betreute. Die 26:38-Niederlage riss Solothurn aus dem Tiefschlaf und erinnerte daran, weshalb es ein Jahr zuvor noch nicht zum Aufstieg reichte.

Verpflichtung von Marco Kurth: Zwar fungierte der langjährige Nationalspieler schon längere Zeit im Hintergrund der Solothurner. Dennoch war der Zeitpunkt der öffentlichen Kommunikation vor allem mental klug gewählt. Es war ein letztes wichtiges Zeichen an die Gegner, dass die Solothurner Dominanz nochmals eindrücklich verdeutlichte. In der kommenden Saison wird Kurth den TVS als spielender Assistenztrainer unterstützen.

Finalrundensieg gegen Olten: Ziemlich unerwartet stellte sich in Olten der erste Charaktertest der Finalrunde. Nach dem ungefährdeten Startsieg gegen Kreuzlingen stand es gegen den Kantonsrivalen sechs Minuten vor Schluss 20:20-Unentschieden. Dass die Solothurner in der Folge die Nerven behielten und letztendlich dennoch mit drei Toren Vorsprung gewinnen konnten, war zumindest mental vorentscheidend im Aufstiegsrennen.

Finalrundensieg gegen Chênois: Vieles deutete auf ein Duell zwischen Solothurn und Stans hin. Dass sich am Ende Genf neben Solothurn durchzusetzen vermochte, lag zwar einerseits am freiwilligen Verzicht des Finalrundensiegers aus Winterthur. Aber auch an der Stärke der Genfer. Abgesehen von der aus Solothurner Sicht bedeutungslosen letzten Partie gegen Seen, war Chênois der einzige Gegner, gegen den der TVS über längere Zeit in Rückstand war. Nach dem insgesamt dritten Saisonsieg gegen die Westschweizer konnte zu Hause gegen Stans der Aufstieg dann letztendlich souverän realisiert werden.

Schon wieder Abstiegskandidat?

In der kommenden Spielzeit darf sich der TV Solothurn also in der NLB versuchen. Damit der Ligaerhalt mehr als nur ein Versuch bleibt, darf sich der TVS auch von kurzweiligen Rückschlägen nicht verunsichern lassen. Während es in der 1. Liga auch mit schlechten Leistungen noch zum Sieg reichte, werden diese in der NLB meist erbarmungslos bestraft. Die Statistik zeigt, dass die 1.-Liga-Aufsteiger jeweils als klare Abstiegskandidaten in die NLB-Saison starten. Als solcher muss sich primär auch der TV Solothurn betrachten.

Dennoch: Nicht zuletzt durch den Zuzug von Marco Kurth verfügt der TV Solothurn über das nötige spielerische Potenzial, um auch in der NLB für Furore sorgen zu können. Viele TV-Spieler konnten beim Partnerverein BSV Bern Muri bereits wichtige Erfahrungen auf höchsten Niveau sammeln und sich an das höhere Spieltempo gewöhnen. Zudem ist das Mittelfeld in der NLB jeweils sehr nahe zusammen.

Voller Erfolg trotz roter Laterne

Anders als in Solothurn musste in Olten bis zum letzten Moment um die Finalrundenteilnahme gekämpft werden. Der Kooperationsverein vom neuerlichen A-Ligisten Suhr Aarau startete dann auch als klarer Aussenseiter in die Aufstiegsspiele. Dennoch zeigte das Team von Trainer Hanspeter Arnold immer wieder gute Leistungen und war alles andere als Kanonenfutter. Ausgerechnet im Heimspiel gegen Solothurn zeigten die Oltener ein kämpferisch sowie spielerisch einwandfreies Spiel, sodass der Favorit aus der Kantonshauptstadt arg in Bedrängnis gebracht werden konnte.

Dass der HV Olten die Finalrunde schlussendlich auf dem letzten Rang beendete, war vor allem der eigenen Unerfahrenheit geschuldet. Trotzdem war die Oltener Finalrundenqualifikation bereits ein Erfolg und die Entwicklung im jungen Team mehr als sichtbar. In dieser Verfassung wird Olten auch in der kommenden Spielzeit im Kampf um die Spitzenplätze mitmischen können.

Aktuelle Nachrichten