Fussball
Solothurns Frauen wollen den Grossen ein Bein stellen

Die kantonale U18-Auswahl steht vor dem ersten Finalrunden-Heimspiel. Obwohl das Team von Kaan Kahraman über bescheidene finanzielle Mittel verfügt, spielen die Solothurnerinnen um den Schweizer Meistertitel.

Michael Schenk
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Das U18-Team des SOFV bestreitet die finale Meisterschaftsphase im Kreis der besten sechs Equipen.Hans peter schläfli

Das U18-Team des SOFV bestreitet die finale Meisterschaftsphase im Kreis der besten sechs Equipen.Hans peter schläfli

Um den Transfer mit Sack und Pack vom Heimathafen zum Flughafen und retour per Car zu finanzieren, haben die Fussballerinnen des Solothurner U18-Teams auf der Crowdfunding-Plattform «Ibelieveinyou.ch» 2100 Franken gesammelt. Geld, das den Girls Luxus ermöglichte, den sie sich sonst nicht gewöhnt sind. Der anschliessende Flug, aus dem eigenen Sack berappt, führte die Kickerinnen in die Südtürkei nach Antalya ins Trainingslager. «Wir hatten dort Superbedingungen», schwärmt Coach Kaan Kahraman. Nebst Taktik und Technik blieb Zeit für Wellness und Shopping. Der 32-jährige Sportlehrer ist seit rund sechs Jahren Trainer der vom Kantonalverband (SOFV) geführten Auswahl. Einer Equipe, die dem FC Solothurn angegliedert ist, freilich autonom wirkt. Vorbereitet haben sich die Solothurnerinnen im Süden Kleinasiens auf die Finalrunde. Dass sie in diesem erlauchten Kreis der «Bix-Six» des Landes mitspielen ist nicht selbstverständlich. «Wir haben mit Abstand das kleinste Budget», so Kahraman. Die Gegnerinnen ihrerseits heissen Zürich, Basel oder YB.

Auf Parkplätzen vorbereitet

Mangels Terrain mussten die SOFV-Juniorinnen einen beträchtlichen Teil der Vorbereitung auf Hart- sprich Parkplätzen bestreiten. Ein Nachteil, der sich zum Auftakt der finalen Meisterschaftsphase beim mit 1:4 verlorenen Auswärtsspiel gegen Zürich spürbar auswirkte. «Spielerisch und technisch hat man gemerkt, dass wir in den letzten Monaten nicht sehr oft auf idealem Untergrund trainieren konnten», so Kahraman. Viel habe dennoch nicht gefehlt, um gegen die Kronfavoritinnen und Leaderinnen zu bestehen, hält der Coach fest. Aber eben überall ein bisschen ergibt auch ausreichend.

Basel hinter sich lassen

Am Samstag (18 Uhr) bestreitet die Elf aus der Elfistadt nun ihr erstes Finalrunden-Heimspiel gegen den FC Basel. Und wie bei den Männern ist es auch für die U18-Girls ein besonderer Kick, den Ligakrösus zu fordern. «Wir hoffen auf einen Lucky Punch», sagt Kahraman. In der Hinrunde holten die Aussenseiterinnen auswärts einen goldenen Punkt (1:1). «Wir wollen die Baslerinnen so lange wie möglich hinter uns lassen», sagt der SOFV-Coach. Der FCB ist aktuell einen Punkt hinter den Solothurnerinnen auf Rang sechs klassiert. Ansonsten bestreiten die U18-Kantonalspielerinnen die kommenden Partien nach dem Motto: «Die Grossen so oft wie möglich ärgern.»

Reden ist Gold

Mit dem finanziellen Kollaps des FFC Zuchwil ist der Frauenfussball auf hiesigem Boden 2012 aus der Nationalliga verschwunden. In dem Sinn ist die U18-Meisterschaft für die SOFV-Juniorinnen auch eine Plattform, um sich bei der Konkurrenz in die Notizbücher zu dribbeln. Sprich, den Weg in eine NLA-Organisation zu finden. Derzeit figuriert mit Jolanda Stampfli nur eine Junioren-Internationale im U18-Team des SOFV. Die Fussballerinnen, die ihrer Karriere auf Aktivstufe nicht in der Nationalliga fortsetzen können – die Mehrheit also – «gehen, wenn sie zu alt sind, zurück zu ihren Stammvereinen», führt Kahraman aus. Derzeit sind es ein Dutzend Vereine, die im Solothurnischen Damenteams führen. «Damen- und eben keinen Juniorinnenteams», betont Kahraman. Erste Adresse in der Heimat ist in dem Sinn der FC Derendingen.

Im Hinblick auf das anstehende Heimspiel gegen die Baslerinnen gilt es für Kahraman, nebst der richtigen Taktik auch die richtigen Worte zu finden. Denn der grösste Unterschied zwischen einem Männer- und Frauenfussballteam, sagt der Coach ist der, «dass man mit den Frauen viel mehr reden muss.»

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